Laut Justizminister Maas gibt es keine Verbindungen zwischen den Anschlägen von Paris und Deutschland. Der "Spiegel" berichtet hingegen, dass der mutmassliche Drahtzieher der Attentate Kontakt zu deutschen Islamisten gepflegt hat. Ebenfalls einem Bericht des Magazins zufolge intensiviert Moskau derweil den Kampf gegen den IS - und setzt bereits Bodentruppen ein.

Zwei Wochen nach den Terroranschlägen von Paris haben die Sicherheitsbehörden nach Angaben von Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) bislang keine Verbindungen zwischen den Attentaten und Deutschland nachweisen können. "Nach dem derzeitigen Ermittlungsstand gibt es keinen Bezug zwischen Deutschland und den Anschlägen in Paris", sagte Maas der "Welt am Sonntag". Die Ermittlungsbehörden gingen aber weiter allen Hinweisen nach.

Mit Militäreinsatz gegen den IS geht die Regierung ein Risiko ein.

Der "Spiegel" berichtet derweil, dass der mutmassliche Drahtzieher der Paris-Attentate, Abdelhamid Abaaoud, enge Kontakte in die deutsche Islamisten-Szene gepflegt hat. Demnach haben er und die mutmasslichen Mittäter die sogenannte Lohberger Brigade gut gekannt. Die Gruppe junger Männer aus dem Stadtteil Lohberg in Dinslaken im Ruhrgebiet sei 2013 nach Syrien zum bewaffneten Kampf gereist. Laut dem Bericht habe Abaaoud im Frühjahr 2014 sogar mit Mitgliedern der "Lohberger Brigade" in einem Haus im nordsyrischen Asas zusammen gewohnt.

Bislang war lediglich bekannt, dass sich Abaaoud im Jahr 2007 offenbar für einen Autokauf in Köln aufgehalten hat. Zudem sei er Anfang 2014 am Flughafen Köln/Bonn kontrolliert worden. Laut einem Bericht von "Spiegel Online", habe er nach Istanbul fliegen wollen und den Beamten bei der Kontrolle erzählt, er wolle dort Freunde und Verwandte besuchen.

Maas lehnt schärfere Sicherheitsgesetze ab

Durch drei Kommandos islamistischer Attentäter waren am 13. November an mehreren Orten in der französischen Hauptstadt und in einem Vorort 130 Menschen getötet worden. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hatte sich dazu bekannt. Die Franzosen gedachten am Freitag der Opfer.

Nach der Terrorserie laufen auch in Deutschland mehrere Ermittlungsverfahren. So prüft die Stuttgarter Staatsanwaltschaft den Verdacht, ob ein Zusammenhang zwischen den Attentaten und der Lieferung von vier Sturmgewehren aus Baden-Württemberg an eine Pariser Lieferadresse besteht.

Obwohl die Bedrohungslage ernst und Deutschland potenzielles Anschlagziel sei, lehnte Maas Forderungen aus den Reihen der Union nach strengeren Sicherheitsgesetzen ab. "Wir haben in Deutschland bereits ein äusserst scharfes Terrorismusstrafrecht. Deswegen sind wir uns in der Bundesregierung einig, dass die erst vor kurzem beschlossenen Verschärfungen konsequent angewendet werden sollen." In Belgien wurde derweil ein sechster Terrorverdächtiger festgenommen.

Russland kämpft angeblich mit Bodentruppen an Assads Seite

Frankreich versucht seit der Mordserie eine möglichst breite Koalition gegen den IS in Syrien und im Irak zu schmieden - inklusive Russland, das bislang losgelöst vom US-geführten Bündnis an der Seite der syrischen Armee Regimegegner bekämpfte. Der "Spiegel" berichtet, dass Moskau die Assad-Truppen mittlerweile sowohl mit Bodentruppen als auch mit Artillerie unterstützt. Demnach seien bereits zwei russische Soldaten einer Eliteeinheit des Militärgeheimdienstes GRU gefallen. Laut "Spiegel" hat Russland die Schlagkraft der syrischen Armee offenbar auch mit Haubitzen einer russischen Artilleriebrigade verstärkt.

Auch die Regierung in Paris erwägt inzwischen eine Zusammenarbeit mit den Truppen des Machthabers Baschar al-Assad. Gegner des Regimes reagierten empört. Assad gilt als Hauptverantwortlicher für den Bürgerkrieg in dem Land. Der Konflikt hat seit 2011 mehr als 250.000 Menschen das Leben gekostet und Millionen Syrer in die Flucht getrieben.

Doch auch Deutschland schliesst eine Zusammenarbeit des Westens mit der syrischen Armee im Kampf gegen den IS nicht mehr aus. Die Bundesregierung plant einen Bundeswehreinsatz gegen die Miliz. Dies gab der Debatte über mögliche Anschläge in Deutschland neue Nahrung.

Russland will weitere Sanktionen gegen Türkei bekanntgeben

Die Bemühungen des französischen Präsidenten werden durch einen Streit zwischen Russland und der Türkei belastet. Auslöser war der Abschuss eines russischen Bombers durch türkische Kampfflugzeuge, für den sich beide Länder die Schuld zuschieben. Die Regierung in Moskau will am Samstag weitere Sanktionen gegen Ankara bekanntgeben.

Ministerpräsident Dmitri Medwedew hatte das Kabinett angewiesen, ein Massnahmenpaket auszuarbeiten. Die Strafmassnahmen sollen demnach besonders den Handel und den Tourismus treffen. Russland hatte als ersten Schritt den visafreien Reiseverkehr mit der Türkei zum 1. Januar 2016 einseitig aufgehoben. Der Kreml will die Regierung in Ankara zu einer Entschuldigung für den Abschuss drängen.

Kremlchef Wladimir Putin hatte nach einem Treffen in dieser Woche mit Hollande seine Bereitschaft zu einer internationalen Anti-Terror-Koalition bekräftigt und zugesagt, bei Luftangriffen in Zukunft die gemässigte syrische Opposition zu schonen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hielt Russland hingegen erneut vor, letzteres nicht einzuhalten. (dpa/cai)

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