Eine Serie von Anschlägen erschüttert Afghanistan. In Kabul werden unter anderem neun Journalisten getötet, die über einen Anschlag berichten wollten. Anderswo trifft es Kinder, einen Polizeichef und einen BBC-Reporter.

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Bei mehreren Bombenanschlägen in verschiedenen Teilen Afghanistans sind Dutzende Menschen getötet worden, darunter auch Journalisten bei ihrer Arbeit vor Ort.

Ein Doppelanschlag in der Hauptstadt Kabul kostete mindestens 25 Menschen das Leben und verletzte mindestens 49 weitere, sagte Polizeisprecher Hashmatullah Stanakzay der Deutschen Presse-Agentur.

Die Organisation "Reporter ohne Grenzen" sprach vom blutigsten Tag für Journalisten in dem Land seit dem Sturz der Taliban 2001.

Die beiden Anschläge in der Hauptstadt Kabul erfolgten in kurzem Abstand und waren offenbar aufeinander abgestimmt.

Zunächst sprengte sich ein Selbstmordattentäter auf einem Motorrad nahe dem Sitz des Geheimdienstes NDS in die Luft und tötete mehrere Menschen.

Als Journalisten zum Anschlagsort eilten, sprengte sich ein zweiter Selbstmordattentäter in die Luft.

"Reporter ohne Grenzen" warf den Tätern vor, mit der zweiten Explosion am Anschlagsort "bewusst auf die Presse gezielt" zu haben.

IS bekennt sich zu den Anschlägen

Zu der Tat bekannte sich die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS). "Der Attentäter hat sich als Journalist getarnt und sich in der Menge in die Luft gesprengt", sagte Polizeisprecher Stanakzay.

Nach Angaben aus Sicherheitskreisen hatte er zur Tarnung eine Kamera dabei.

Unter den Opfern sind mindestens neun Journalisten - unter ihnen der Fotograf Shah Marai der französischen Nachrichtenagentur AFP -, die über den ersten Anschlag berichten wollten.

Marai arbeitete seit 1996 für die AFP. Er fing als Fahrer an und fotografierte zunächst nur nebenbei. Unter anderem berichtete er über die Herrschaft der islamistischen Taliban in Afghanistan und den Einmarsch der US-Truppen im Jahr 2001.

Ab 2002 arbeitete er hauptberuflich als Fotograf für AFP und wurde Cheffotograf im Kabuler Büro. Marai hinterlässt sechs Kinder, darunter eine neugeborene Tochter.

Ein BBC-Reporter kam zudem bei einem Angriff in der Provinz Chost im Osten des Landes ums Leben, wie der britische Rundfunk-Sender auf Twitter mitteilte. Der Tod des 29-Jährigen Ahmad Shah sei ein verheerender Verlust, schrieb der Sender.

Ersten Berichten örtlicher Medien zufolge soll er von Unbekannten erschossen worden sein.

Die meisten der getöteten Journalisten arbeiteten dem Afghanischen Sicherheitskomitee für Journalisten (AJSC) zufolge für afghanische Medien wie den TV-Sender Tolo News oder den Radiosender RFE.

Derartige Vorfälle seien eine grosse Bedrohung für die Meinungsfreiheit, sagte der AJSC-Vorsitzende Nadschib Scharifi der Deutschen Presse-Agentur.

Nach Angaben von "Reporter ohne Grenzen" ist Afghanistan das drittgefährlichste Land für Journalisten hinter Syrien und Mexiko.

Mindestens elf Kinder bei Anschlag getötet

In der Provinz Kandahar im Süden Afghanistans starben zudem mindestens elf Kinder, als ein Selbstmordattentäter sein sprengstoffgeladenes Fahrzeug nahe einer Moschee explodieren liess - das Ziel in dem Bezirk Daman sollte offenbar ein ausländischer Militärkonvoi sein.

16 Menschen wurden verletzt, darunter neben Zivilisten und Polizisten auch acht rumänische Soldaten, wie die Nato-Mission Resolute Support (RS) in einer Erklärung mitteilte.

Hinter dem Angriff wurden die radikalislamischen Taliban vermutet, sie äusserten sich zunächst nicht. In der östlichen Provinz Nangarhar wurde der Chef der Kriminalpolizei im Bezirk Behsud getötet. Auch dazu bekannte sich zunächst niemand.

Die beiden Explosionen in der afghanischen Hauptstadt waren zusammengenommen bereits der achte grössere Anschlag in Kabul seit Jahresanfang. In den ersten vier Monaten 2018 wurden in der afghanischen Hauptstadt Hunderte Menschen getötet und verletzt. (tfr/dpa/AFP)