Hatte der Attentäter von Paris einen Komplizen? Die Polizei sucht offenbar nach einem weiteren Verdächtigen. Der Hinweis soll von belgischen Sicherheitsbehörden gekommen sein.

Im Zusammenhang mit dem Anschlag auf Polizisten auf der Pariser Prachtstrasse Champs-Élysées sucht die französische Polizei nach einem weiteren Verdächtigen. Der Mann sei von belgischen Behörden identifiziert worden, sagte der Sprecher des Innenministeriums dem Radiosender Europe 1. Welche Rolle der Gesuchte bei dem Attentat gespielt haben soll, liess er offen.

In Antwerpen stellte sich unterdessen nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters ein Mann der Polizei. Zunächst war allerdings unklar, ob es sich dabei um den gesuchten Verdächtigen handelte oder ob die französische Polizei noch nach einem weiteren Verdächtigen fahnde.

Die belgischen Ermittler teilten später mit, dass es nach derzeitigem Stand keine Verbindung gebe. Der Mann sei wegen einer anderen Sache gesucht worden. "Aber die Ermittlungen laufen natürlich weiter", sagte ein Sprecher der belgischen Staatsanwaltschaft. "Mein Mandat war wie gewohnt bei der Arbeit in einer Tankstelle im Hafen, als sich der Anschlag ereignete. Er wurde wegen eines Drogenfalles gesucht, der nichts mit dem Anschlag in Paris zu tun hat", sagte der Anwalt des Mannes.

Am Donnerstagabend hatte gegen 21 Uhr auf den Champs-Élysées ein Auto neben einem Mannschaftswagen der Polizei gehalten. Mindestens ein Attentäter eröffnete mit einem Sturmgewehr das Feuer auf die Beamte und verletzte drei Menschen - einer von ihnen starb offenbar unmittelbar an den Folgen. Der Angreifer wurde erschossen, teilte die Polizei mit.

Nach dem blutigen Anschlag auf Polizisten herrscht in der Stadt Chaos.

Unter den Verletzten des Anschlags auf den Champs Elysees in Paris ist nach Angaben der Bundesregierung auch eine Deutsche. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes sagte, der Zustand der Frau sei stabil. Sie sei nicht in einer lebensbedrohlichen Situation, aber ernsthaft verletzt.

Zunächst war unklar, ob der Mann alleine handelte oder Komplizen hatte. Man überprüfe dies, teilte die Polizei kurz nach der Tat mit. Inzwischen hat die Antiterrorabteilung der Pariser Staatsanwaltschaft die Ermittlungen übernommen.

Am Freitagmorgen vernahmen französische Ermittler übereinstimmenden Medienberichten zufolge drei Menschen aus dem familiären Umfeld des getöteten Attentäters. Es handele sich um das klassische Vorgehen in solchen Fällen, hiess es. Im Auto seien ausserdem Messer und eine Schrotflinte gefunden worden, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters.

Bei dem getöteten Angreifer soll es sich um einen 39 Jahre alten Franzosen handeln. Die Polizei durchsuchte die Wohnung des Mannes im Osten von Paris. Der Täter war den Behörden offenbar bekannt und als Gefährder eingestuft worden. Im Februar 2005 war er wegen versuchter Tötung von drei Menschen, darunter zwei Polizeibeamte, zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Auf dem Mitteilungsdienst Telegramm hatte er zuvor geschrieben, er wolle Polizisten töten, berichtete der Nachrichtensender BFMTV am Abend.

Die Terrormiliz "Islamischer Staat" reklamierte den Anschlag über die Propaganda-Agentur "Amaq" für sich und gab an, bei dem Attentäter handele es sich um einen Kämpfer namens "Abu Youssef der Belgier". Belgische Ermittler teilten mit, es gebe keine Hinweise, dass der Attentäter von Paris aus Belgien komme.

Trotz der Terrorgefahr setzten die Kandidaten ihren Wahlkampf fort. Am Donnerstagabend traten die elf Kandidaten beim Fernsehsender France 2 nacheinander zu Kurzinterviews auf. Die Präsidentschaftskandidaten François Fillon und Emmanuel Macron sagten Wahlkampfauftritte für Freitag ab. Sollte sich die Attacke als Terroranschlag herausstellen - davon gehen die Behörden bislang aus - könnte das die Präsidentschaftswahl am kommenden Sonntag beeinflussen.© SPIEGEL ONLINE