Nach einem Telefonstreich wird SVP-Kandidat Stefan Locher der Anstiftung zum Wahlbetrug bezichtigt. Der Politiker redete sich in dem Gespräch mit "Izzy"-Journalist Cédric Schild um Kopf und Kragen.

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SVP-Politiker Stefan Locher kandidiert für den Zürcher Kantonsrat und hat dazu Flyer drucken lassen, auf denen er Zürcher Bürgern telefonische Unterstützung beim "richtigen" Ausfüllen des Wahlzettels anbietet. Das Online-Magazin "Izzy" nahm den Augenarzt, der mit dem Slogan "Der Arzt, dem auch Linke und Grüne vertrauen" für sich wirbt, beim Wort und liess ihren Mitarbeiter Cédric Schild unter verdecktem Namen anrufen – mit ungeahnten Folgen.

Unerlaubter Stimmenfang

Schild alias "Herr Plüss" schlug dem SVP-Kandidat für das Zürcher Kantonsparlament vor, dass er die Wahlunterlagen seiner Frau und seines Sohnes gleich mit ausfüllen könnte. "Sehr gerne!", ermunterte ihn der Politiker. Laut Gesetz ist das planmässige Einsammeln, Ausfüllen oder Abändern von Wahl- und Stimmzetteln unerlaubter Stimmenfang.

Auch als der Redaktor betonte, dass Frau und Sohn gerade nicht zu Hause seien und er auch für sie unterschreiben wird, lehnte Locher diesen Vorschlag nicht ab: "Ja, ja, da muss man etwas variieren." Am Ende fügte Locher aber noch an, dass er dem Anrufer eigentlich nicht dreinreden darf.

Strassmann soll er streichen

Dem "Wähler" sprach Locher dann sogar noch die Empfehlung aus, seinen Parteikollegen Guido Strassmann auf der Wahlliste zu streichen. "Der macht nichts", so die Begründung.

Locher hat sich bislang nicht zu dem entlarvenden Telefonanruf geäussert. Dafür fand Konrad Langhart, Kantonalpräsident der Zürcher SVP, klare Worte: "Das ist nicht tolerierbar", sagte er zu "Blick.ch". Er werde mit Locher das Gespräch suchen. So kurz vor den Wahlen könne er aber keine wirklichen Massnahmen ergreifen: "Die Wähler können nun an der Urne entscheiden, ob sie ein solches Verhalten goutieren." (jom)  © 1&1 Mail & Media / SN