Seit Juni wurde bei den Brexit-Verhandlungen nur über Trennungsfragen gestritten. Jetzt liegen noch viel grössere Themen auf dem Tisch.

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Die Europäische Union hat die Ausweitung der Brexit-Verhandlungen gebilligt, um bis Herbst 2018 einen Vertrag über den Austritt Grossbritanniens unter Dach und Fach zu bringen.

Der EU-Gipfel in Brüssel gab am Freitag das Startsignal für die zweite Phase der Gespräche. Diese werde allerdings noch schwieriger als die erste, sagte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker.

Juncker hatte vor einer Woche mit der britischen Premierministerin Theresa May erste Kompromisse zu wichtigen Trennungsfragen unter Dach und Fach gebracht.

Dazu zählten Vereinbarungen zur irisch-nordirischen Grenze, zu den Rechten der EU-Bürger in Grossbritannien sowie zu finanziellen Verpflichtungen Londons nach dem Brexit 2019.

May hatte erhebliche Zugeständnisse gemacht, um die zweite Verhandlungsphase starten zu können.

Briten drängen, EU bremst

Grossbritannien will unbedingt rasch die künftige Partnerschaft zur EU klären. Die EU tritt allerdings auf die Bremse: In den nächsten Wochen soll zunächst nur über eine etwa zweijährige Übergangsphase nach dem Brexit gesprochen werden, dann über das Austrittsabkommen.

Die EU will vor dem Brexit nur den Rahmen der künftigen Beziehungen in einer "politischen Erklärung" festlegen. Der maltesische Regierungschef Joseph Muscat forderte London auf, erst einmal zu erklären, wie die künftigen Beziehungen aussehen sollen.

May hat schon angekündigt, man werde die EU, den Binnenmarkt und die Zollunion am 29. März 2019 verlassen, strebe aber weiter eine "tiefe und besondere Partnerschaft" an.

Aus Sicht der EU kann Grossbritannien nach dem Ausstieg jedoch nicht dieselben Vorteile haben wie als Mitglied.

Unter welchen Bedingungen beide künftig Handel treiben und bei Sicherheit und anderen Fragen zusammenarbeiten, ist offen.

Die Bedingungen sind aber von höchster Bedeutung für Wirtschaft, Verkehr und letztlich Millionen Bürger.

Jüngste Schlappe erhöht Druck auf May

May steht im eigenen Land enorm unter Druck und sucht eine Linie zwischen Brexit-Hardlinern und jenen, die einen weicheren EU-Ausstieg wollen.

Kurz vor dem Gipfel hatte die Regierungschefin im Unterhaus eine Schlappe erlitten: Einige Abgeordnete ihrer konservativen Partei stimmten mit der Opposition, um ein Vetorecht über den Austrittsvertrag durchzusetzen.

Mehrere EU-Staats- und Regierungschefs stärkten May den Rücken, sprachen ihr das Vertrauen aus und würdigten sie am Donnerstagabend mit einer aussergewöhnlichen Geste: Sie spendeten May Applaus, wie Juncker berichtete: "Einige von uns, mich eingeschlossen, dachten, sie hat grosse Anstrengungen geleistet, und wir dachten, dies war angemessen."

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© dpa