Demos zum 1. Mai: In Istanbul und Paris eskaliert die Lage

Seit 125 Jahren demonstrieren Vertreter die Arbeiterbewegung am 1. Mai. In Istanbul wurde dieses Jahr ein Verbot erlassen - das nicht eingehalten wurde. Auch in Frankreich nahmen die Demonstrationen einen zerstörerischen Verlauf. (Text mit Material der dpa)

Obwohl die Behörden Demonstrationen zum 1. Mai in Istanbul weitgehend untersagt hatten, sind zahlreiche Menschen auf die Strassen gegangen.
Demonstrationen wären eigentlich nur im asiatischen Stadtteil Maltepe weit ausserhalb des Stadtzentrums genehmigt gewesen. Dort versammelten sich Tausende Menschen.
Auch in anderen türkischen Städten wie der Hauptstadt Ankara, der Küstenstadt Izmir und der südosttürkischen Kurdenmetropole Diyarbakir gab es Kundgebungen anlässlich des Tags der Arbeit.
Demonstranten kritisierten etwa die hohe Arbeitslosigkeit, Repressionen gegen Journalisten und den seit anderthalb Jahren andauernden Ausnahmezustand. Um das Versammlungsverbot im Zentrum Istanbuls durchzusetzen, sperrte die Polizei die Umgebung des Taksim-Platzes und wichtige Verbindungsstrassen ab.
Rund um den Platz waren Sperrgitter aufgestellt. Nach Angaben des Senders CNN Türk waren rund 26.000 Polizisten im Einsatz.
Gewerkschafter durften laut DHA lediglich Blumen am Atatürk-Denkmal auf dem Taksim-Platz niederlegen. Für Gewerkschaften hat der Platz eine besondere Bedeutung. Am 1. Mai 1977 hatten dort Heckenschützen auf eine Demo mit rund 500.000 Teilnehmern geschossen und zahlreiche Menschen getötet.
In Paris wurde die Gewerkschafts-Demonstration von Ausschreitungen überschattet: Laut Polizei schleuderten Vermummte den Einsatzkräften Wurfgeschosse entgegen.
Unter anderem wurde eine McDonald's-Filiale geplündert (Bild). Innenminister Gérard Collomb verurteilte die Gewalt am Rande der Kundgebung. "Alles wird getan, um diese schweren Störungen der öffentlichen Ordnung zu beenden und die Urheber aufzugreifen", erklärte er auf Twitter.
Zudem seien ein Geschäft und eine Baumaschine beschädigt worden, teilte die französische Polizei mit. Nach Angaben der Behörden hatten sich rund 1.200 vermummte Personen auf der Demonstrationsroute versammelt.
Auf Fernsehbildern waren unter anderem brennende Mülltonnen zu sehen. Die Polizei setzte nach Angaben des Senders BFMTV Tränengas ein.
Die Polizeipräfektur hatte im Vorfeld gewarnt, dass Aktivisten "extremistischer Bewegungen" die traditionelle Kundgebung für Attacken auf Einsatzkräfte und Symbole des Kapitalismus nutzen wollten.
Auch in New York wurde demonstriert, allerdings ohne Ausschreitungen: Protestierende zogen vor der New Yorker Börse die Wall Street entlang. Die internationale Arbeiterbewegung feiert seit mehr als 125 Jahren den Tag der Arbeit.