Eiszeit zwischen Serbien und dem Kosovo. Selbst ein Treffen bei der EU brachte wenig. Die Staatslenker nutzen die Unzufriedenheit zu ihrem Vorteil.

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Ein von der EU vermittelter Krisengipfel mit dem serbischen Präsidenten Aleksandar Vucic und dem kosovarischen Ministerpräsidenten Albin Kurti hat keinen Durchbruch gebracht. Man habe sich auf die Notwendigkeit von Neuwahlen in den vier Gemeinden des serbisch bewohnten Nord-Kosovos geeinigt, sagte der EU-Aussenbeauftragte Josep Borrell am Donnerstagabend im Anschluss an die Gespräche. "Wir sind da noch nicht angelangt, aber zumindest wissen wir, wie wir vorgehen", fügte er hinzu.

Verhärtete Fronten zwischen Serbien und dem Kosovo

Borrell und der EU-Balkansondergesandte Miroslav Lajcak verhandelten mehr als vier Stunden lang getrennt mit Vucic und Kurti. "Wir haben mögliche Wege identifiziert, um voranzukommen", meinte Borrell, "aber beide Seiten müssen ihre Verpflichtungen erfüllen." Das Kosovo solle etwa auf Vorwürfe von Übergriffen bei den jüngsten Festnahmen mutmasslicher serbischer Gewalttäter reagieren. Auch solle die EU-Rechtsstaatsmission Eulex bei der Überprüfung derartiger Vorwürfe eine "robustere Rolle" spielen, so Borrell.

Vucic erklärte anschliessend, er sehe "überhaupt keinen Grund", mit einem Mann zu sprechen, "der wegen seiner fanatischen Ideologie Konflikte provoziert".

Zwischen dem Kosovo und Serbien schaukeln sich die Spannungen seit Monaten hoch. Ende Mai hatten gewalttätige Serben im Nord-Kosovo Soldaten einer KFOR-Einheit angegriffen. Bei den Zusammenstössen gab es Dutzende Verletzte auf beiden Seiten.

Auslöser des Konflikts war die Einsetzung albanischstämmiger Bürgermeister, die aus Wahlen hervorgegangen waren, die die Serben auf Geheiss Belgrads boykottiert hatten. Die EU und die USA, an sich Verbündete des Kosovos, verlangen seit den Zusammenstössen im Norden den Rückzug der kosovarischen Sonderpolizei, die die neuen Bürgermeister bei ihrer Amtsübernahme geschützt hatte.

Nato-Truppen zeigen im betroffenen Gebiet Präsenz

Angesichts der angespannten Lage im Kosovo hat die Nato ihr Engagement in der Friedenstruppe KFOR bekräftigt. Die Nato-geführte Truppe werde ihr Mandat nach wie vor erfüllen, "wie die jüngste zusätzliche Stationierung von 500 Soldaten zeigt", erklärte die Sprecherin der Militärallianz, Oana Lungescu, am vergangenen Sonntag. Das Engagement der Nato sei "unerschütterlich".

"Wir erinnern alle Parteien noch einmal an ihre Verpflichtungen gegenüber KFOR", schrieb Lungescu im Onlinedienst Twitter. Diese umfassten "die Einhaltung der Verwaltungsgrenzen, Verfahrensweisen, die kosovarische Polizei betreffend und die Übereinkunft von 2013 zur Entsendung von Kosovo-Sicherheitskräften in den Norden".

Serbiens Präsident Aleksandar Vucic

Nach Zusammenstössen im Kosovo: Serbien versetzt Armee in Bereitschaft

Serbiens Präsident Aleksandar Vucic hat die Armee in Alarmbereitschaft versetzt. Zuvor hatte es Zusammenstösse in der kosovarischen Stadt Zvecan gegeben, in der viele Serben wohnen. (Photocredit: Wochit/Getty Images)

Die Schutztruppe KFOR ist mittlerweile auf mehr als 4.000 Soldaten angewachsen. Vor zwei Wochen war ein Bataillon von 500 türkischen Soldaten in den Kosovo geschickt worden. Ein weiteres multinationales Bataillon ist bei Bedarf zur Verlegung einsatzbereit.

Das Kosovo hatte sich 2008 für unabhängig erklärt. Serbien erkennt dies nicht an und verlangt die Rückgabe seiner ehemaligen Provinz. Im Norden des Kosovos leben fast ausschliesslich ethnische Serben, im Rest des Landes fast nur ethnische Albaner. (afp/dpa/the)

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