Failed States: Wenn ein Staat an seinen Aufgaben scheitert

In Venezuela herrscht Krise. Manch ein Experte spricht bereits von einem "Failed State". Doch woran wird gemessen, ob ein Staat "gescheitert" ist - und trifft das überhaupt auf Venezuela zu?

Massenproteste im venezolanischen Caracas gegen Präsident Nicolas Maduro: Das Land mit den grössten Ölreserven der Welt steckt in einer schweren wirtschaftlichen und politischen Krise.
Bei den Demonstrationen sind bereits mehrere Menschen ums Leben gekommen. Aufgrund der schweren Krise sprechen manche Experten bei Venezuela bereits von einem "Failed State", einem "gescheiterten Staat".
Mit dem Begriff "Failed States" werden Staaten beschrieben, die nicht mehr in der Lage sind, die an sie gestellten grundlegenden Aufgaben zu erfüllen.
Ein Staat kann durch die verschiedensten Probleme "scheitern". Korruption, bewaffnete Konflikte, ökonomische Fehlplanung oder Umweltkrisen sind nur einige der Ursachen.
Eine einheitliche Definition von "Failed States" gibt es nicht. Oftmals werden Sicherheit, Wohlfahrt und rechtsstaatliches Handeln als zentrale Funktionen angeführt, die in einem gescheiterten Staat nicht mehr erfüllt werden.
Welche Staaten als gescheitert betrachtet werden können, fasst der "Fragile States Index" zusammen. Dieser wird seit 2005 von der Denkfabrik "The Fund for Peace" in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift "Foreign Policy" erstellt.
Der Index fasst zwölf Indikatoren, um zu messen, wie nahe ein Staat dem Status "gescheitert" bereits ist. Zusammenfassen lassen diese sich unter soziale, wirtschaftliche und politische/militärische Faktoren.
Venezuela gilt laut dem Index noch nicht als "Failed State". Dennoch zählt der südamerikanische Staat zu den hoch gefährdeten Ländern.
Auf Platz eins des aktuellen Index steht hingegen Somalia. In dem Land im Osten Afrikas herrscht aktuell eine verheerende Hungersnot. Dazu kommen Piraterie, Terrorismus und ein Bürgerkrieg, der bereits seit 1991 andauert.
Auch der jüngste Staat der Erde steht auf dem Index ganz weit oben: Durch schlechte Versorgung haben die Menschen im Südsudan immer wieder mit Krankheiten wie der Cholera zu kämpfen.
Auch dort toben Bürgerkrieg und Hunger. Laut Angaben der UNO flohen bereits über 1,6 Millionen Menschen aus dem Land.
Im Jahr 2013 vertrieben Rebellen den amtierenden Präsidenten der Zentralafrikanischen Republik. Seitdem toben Machtkämpfe zwischen verschiedenen politischen und religiösen Gruppen. Zudem zählt die Republik zu einem der ärmsten Länder der Welt.
Armut und unzureichende medizinische Versorgung sind auch im Sudan keine Seltenheit. Ausserdem liefern sich dort Rebellen immer wieder Gefechte gegen die Truppen des Machthabers Omal Al-Bashir.
Bereits vor der militärischen Intervention Saudi-Arabiens herrschte im Jemen Bürgerkrieg. Seit Saudi-Arabien 2015 in diesen eingriff, hat sich die Situation aber noch verschärft. Die OCHA, eine Nothilfeabteilung der UN, geht davon aus, dass über 70 Prozent der Bevölkerung auf humanitäre Hilfe angewiesen sind.
Besonders die Luftschläge gegen die Huthi-Rebellen haben grosse Teile des Landes in Schutt und Asche gelegt.
Der Krieg in Syrien hat in den vergangenen Jahren für mehr Aufmerksamkeit gesorgt als die meisten anderen Konflikte weltweit. 2011 beginnt die Bevölkerung gegen die repressive Regierung von Baschar al-Assad zu demonstrieren.
Aus den Massendemonstrationen entwickelte sich ein komplexer Bürgerkrieg, in den immer mehr Parteien involviert wurden. Die Folgen: Zerstörte Städte, mehrere Angriffe mit chemischen Waffen, tausende Menschen sterben und Millionen sind auf der Flucht.
Im afrikanischen Binnenstaat Tschad sorgt seit mehreren Jahren die Terrororganisation Boko Haram für Angst und Schrecken. Zudem zählt der Tschad zu den ärmsten Ländern der Welt.
Nach der Ermordung zweier UN-Ermittler stand die Demokratische Republik Kongo erst vor Kurzem in den Schlagzeilen. Immer wieder kommt es hier zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen der Regierung, Opposition und Rebellengruppen.
Der Kongo gilt seit mehreren Jahrzehnten als Krisenherd. Zwischenzeitlich waren fast 20.000 Soldaten der UN dort im Einsatz. Schätzungen zufolge haben die immer wiederkehrenden Konflikte knapp fünf Millionen Menschen das Leben gekostet.
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