• In der Schweiz wird es künftig möglich sein, das Geschlecht im Personenstandsregister leichter zu ändern.
  • Kritiker fürchten, dass die Regelung ausgenutzt werden könnte, um sich rechtliche Vorteile zu schaffen.
  • Ein FDP-Ständerat fordert deshalb, dass das Gesetzbuch geschlechtsneutral formuliert werden sollte.

Mehr aktuelle News finden Sie hier

Ab dem 1. Januar 2022 kann das Geschlecht im Schweizer Personenstandsregister leichter angepasst werden. "Die neue Regelung ist endlich eine menschenrechtskonforme Möglichkeit, auch als trans Person passende Dokumente zu erhalten – wie es für cis Menschen eine Selbstverständlichkeit ist", erklärt Alecs Recher vom Transgender Network Switzerland im Interview mit "20 Minuten" den Vorteil der neuen Regelung.

Doch diese löste auch eine Debatte im Parlament aus, da Kritiker befürchten, die Neuerung könnte ausgenutzt werden. Frauen und Männer werden bei Themen wie Pensionsalter oder der Witwenrente in der Rechtsordnung unterschiedlich behandelt. So könne man beispielsweise auch "relativ leicht den Militärdienst umgehen", erklärte SVP-Ständerat Werner Salzmann. FDP-Ständerat Andrea Caroni fordert deshalb eine geschlechtsneutrale Formulierung der gesamten Rechtsordnung.

Ständerat: Staat hat sich nicht für Geschlecht zu interessieren

"Mit gleichem Rentenalter, gleichen Dienstpflichten und gleichen Rentenansprüchen verschwindet dieses Problem von selber", sagt Caroni laut "20 Minuten". Das Geschlecht dürfe im Schweizer Recht keine Rolle spielen, da es dem Staat egal sein müsse, welchem Geschlecht sich eine Person zugehörig fühle, betonte der Politiker.

Ein gesetzlich verankertes drittes Geschlecht hält der Ständerat deshalb auch nicht für sinnvoll. Hätten die Bürger unabhängig von ihrem Geschlecht in sämtlichen Bereichen dieselben Rechte und Pflichten, greife nur noch der Vorteil des neuen Gesetzes, fügte Caroni an.

Würde man die Rechtsordnung anpassen, sei es das aber noch nicht gewesen, erklärt Humanrights.ch-Juristin Valentina Stefanović im "20 Minuten"-Interview: "Die Gleichberechtigung ist der eine Punkt, die effektive Gleichstellung der andere".

Ohne Differenzierung und gezielte Massnahmen bleibe benachteiligten Gruppen der Zugang zu ihren Rechten verwehrt. Dass Personen in Zukunft komplett auf einen Geschlechtseintrag im Personenstands- und Geburtenregister verzichten könnten, wird laut Stefanović so schnell nicht passieren: "Davon sind wir in der Schweiz noch weit entfernt."  © 1&1 Mail & Media/spot on news