Angela Merkel hat auf dem CDU-Parteitag eine flammende Rede gehalten: für humanitäre Werte, Verantwortung, Tradition und die europäische Idee. Eine Rede, in der sie vor allem eines macht: ihre Flüchtlingspolitik verteidigen - und ihrer Partei Mut zusprechen.

Inmitten des Streits um die Flüchtlingspolitik haben die Delegierten beim CDU-Parteitag ihre Vorsitzende Angela Merkel mit rauschendem Beifall begrüsst. Die etwa 1.000 CDU-Mitglieder erhoben sich und applaudierten, als die Kanzlerin den Parteitag eröffnete.

Zunächst liess Angela Merkel das Jahr 2015 noch einmal Revue passieren. "2015 ist ein unglaubliches Jahr. Letztlich schwer zu fassen. Eine solche Dichte und Abfolge von Ereignissen hab ich zumindest noch nicht erlebt."

Dann zählt sie auf: die Anschläge auf Charlie Hebdo, die Ukraine-Krise, der Absturz der Germanwings-Maschine, die Klima-Verhandlungen, die Lösung der Griechenland-Krise, die Anschläge von Paris.

Angela Merkel wiederholt ihr Mantra

Doch am meisten bewegte und bewegt die Kanzlerin in diesem Jahr die Flüchtlingskrise. Zur Entscheidung, Anfang September Flüchtlinge aus Ungarn nach Deutschland zu lassen, sagte die Kanzlerin: "Das war eine Lage die unsere europäischen Werte wie selten auf den Prüfstand gestellt hat. Das war nicht mehr und nicht weniger, als ein humanitärer Imperativ".

Die CDU-Chefin sprach von einer historischen Bewährungsprobe für Europa. "Ich möchte, dass Europa diese Bewährungsprobe besteht und ich bin überzeugt, dass es sie besteht." Es sei manchmal zum Verrücktwerden, aber es sei auch nie einfach gewesen in Europa. "Aber Europa hat die Prüfung immer bestanden."

Bayrische Regierung: allein im November 200.000 Asylbewerber.

Ihre bereits im August getroffene Aussage "Wir schaffen das" wiederholte sie auf dem Parteitag erneut. "Ich kann das sagen, weil es zur Identität unseres Landes gehört, Grosses zu leisten."

Deutschland sei ein starkes Land. Deshalb müsse das Motiv sein: "Wir haben so vieles geschafft. Wir schaffen das. Und dort, wo uns etwas im Wege steht, das muss überwunden werden."

Merkel will Flüchtlingszustrom verringern

Merkel bekannte sich aber auch zum Ziel einer Verringerung der Flüchtlingszahlen. Eine spürbare Reduzierung sei "im Interesse aller", sagte die Kanzlerin beim CDU-Parteitag am Montag in Karlsruhe.

Dies gelte für Versorgung und Integration in Deutschland, die Lage Europas und auch die Flüchtlinge selbst. "Denn niemand, egal warum er sich auf den Weg macht, verlässt leichtfertig seine Heimat."

Deutschland könne trotz des Ansturms von Hunderttausenden Schutzsuchenden seine Grenzen nicht schliessen. "Abschottung im 21. Jahrhundert ist keine vernünftige Option." Deutschland müsse ein weltoffenes und vielfältiges Land bleiben.

Merkel hob den Leitantrag für den Parteitag hervor, in dem nun auch auf eine mögliche Überforderung Deutschlands hingewiesen wird.

Die CDU nehme die Sorgen der Menschen auf. "Aber wir sind auch die Volkspartei, die die Sorgen nicht nur aufnimmt, sondern gestaltet und Lösungen findet. Das muss unser Anspruch sein", sagte Merkel.

Auf die Anforderungen an Flüchtlinge bezogen sagte Merkel, diese müssten Gesetze und Traditionen achten und deutsch lernen. "Unsere Gesetze stehen über Ehrenkodex, Stammes- und Familienregeln."

"Multikulti bleibt (...) eine Lebenslüge", so die Kanzlerin. Diese Lebensart führe zu Parallelgesellschaften.

Vor Merkels Rede rief bereits Baden-Württembergs CDU-Spitzenkandidat zur Landtagswahl 2016, Guido Wolf, Richtung grün-roten Landesregierung in Baden-Württemberg: "Multikulti ist gescheitert". (far/dpa)