Sie sollen illegale Einreisen aus Syrien und dem Libanon auf dem Luftweg organisiert haben: In drei Bundesländern hat die Polizei zum Schlag gegen ein international agierendes Schleuser-Netzwerk ausgeholt. Der mutmassliche Kopf der Bande wurde in Essen verhaftet.

Nach offiziellen Angaben führt die Bundespolizei mit Hilfe von Spezialeinsatzkommandos in 24 Wohnungen unter anderem in Essen, Gelsenkirchen, Hildesheim sowie in weiteren Städten in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Baden-Württemberg Durchsuchungen durch.

Mehrere Häuser gestürmt

Den Angaben zufolge sind rund 571 Beamte der Bundespolizei an dem Einsatz beteiligt, darunter auch Spezialeinsatzkräfte. Ausserdem werde die Aktion von der Landespolizei unterstützt.

"In Niedersachsen haben gegen 06:00 Uhr Durchsuchungen in Hildesheim und Osnabrück sowie in Lengede im Landkreis Peine begonnen", sagte eine Sprecherin der Bundespolizei in Hannover.

Die "Bild"-Zeitung berichtete auf Twitter, dass Häuser gestürmt worden seien. Mehrere Personen seien festgenommen worden.

Hintergrund ist ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Hildesheim zur Verfolgung der organisierten Schleuser-Kriminalität.

Die Behörden gehen davon aus, dass zahlreiche Flüchtlinge von kriminellen Hinterleuten nach Deutschland gebracht werden.

Die Beschuldigten stehen im Verdacht, vornehmlich libanesische und syrische Staatsangehörige illegal nach Deutschland verbracht zu haben.

Die Ermittlungen richten sich nach Angaben der Polizei gegen 17 Beschuldigte und stützen sich auf den Tatvorwurf der gewerbsmässigen Einschleusung von Ausländern, der Urkundenfälschung sowie des Verschaffens von falschen amtlichen Ausweisen. Bei den Durchsuchungen wurde umfangreiches Beweismaterial sichergestellt.

"Unter anderem wurden bisher in den Durchsuchungsobjekten mehrere Macheten, Schwerter, Messer, Munition für Handfeuerwaffen, eine Laserzieleinrichtung für ein Gewehr, diverse Ausweis- und Passdokumente, unversteuerter Tabak und mehrere Kartons mit gefälschter Markentextilware aufgefunden", heisst es in einer Mitteilung der Polizei.

10.000 Euro Schleuserlohn pro Person

Im Zentrum der Ermittlungen steht ein 24 Jahre alter Hauptbeschuldigter aus Essen.

Er soll nach Polizei-Informationen zur Planung und Durchführung der Schleusungen seine international weit verzweigten Verbindungen zu Kontaktpersonen genutzt haben, die ihn wohl bei der Beschaffung von gefälschten Dokumenten oder auch als sogenannte Begleitschleuser unterstützten.

Als Preisgeld für eine Schleusung nach Deutschland sollen 10.000 Euro pro Person gefordert worden sein - der Grossteil des Schleuserlohns in Vorkasse.

Offenbar organisierten die Schleuser die Einreise der ausländischen Staatsangehörigen über den Luftweg. Ausländische Behörden hätten allerdings die vorgelegten Dokumente als Fälschungen erkannt und die angetroffenen Geschleusten vorläufig festgesetzt.

BND warnt vor afghanischem Schleuser-Netzwerk

Erst vor Kurzem hatte der Bundesnachrichtendienst angesichts der vielen Flüchtlinge aus Afghanistan vor einem internationalen Schleppernetzwerk gewarnt.

Bei seinen Analysen der Vorgänge auf den Fluchtrouten habe der deutsche Auslandsgeheimdienst in Afghanistan "eine hochprofessionelle Schleuserstruktur ausgemacht, deren Netzwerk über die Türkei bis nach Griechenland, Italien und Frankreich reicht", sagte BND-Präsident Gerhard Schindler bei einem nichtöffentlichen Geheimdienst-Kongress in Berlin.

Der Dienst analysiere in diesem Zusammenhang auch die Infrastruktur entlang der Fluchtrouten und den Geldfluss.

Afghanistan stehe "vor einer Abwärtsspirale", warnte Schindler und ergänzte: "Die politische Lage stagniert, die Wirtschaftslage kippt und die Taliban rücken vor."

Für alle aktuellen Krisenherde wie auch Syrien, Irak, Libyen, Jemen und Somalia gelte: "Clans, Milizen und Terrorgruppen sind die Profiteure der Stunde."

Die Bundesregierung will angesichts der instabilen Lage in Afghanistan und der stark wachsenden Zahl von Flüchtlingen aus dem Land ebenso wie die USA und andere Partnerländer das militärische Engagement der Bundeswehr dort verlängern. (far/dpa)