Die Lage am Grenzübergang in Spielfeld ist weiter angespannt. Am Morgen kam es zu gefährlichen Situationen auf Zuggleisen, nachdem erneut Hunderte Flüchtlinge herbeigeströmt waren. Kritik gibt es unterdessen an Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP), die am Donnerstag bei einem Lokalaugenschein eine "Festung für Europa" gefordert hatte.

In der Nacht auf Freitag sind laut Polizei zunächst keine neuen Flüchtlinge mehr am österreichisch-slowenischen Grenzübergang Spielfeld eingetroffen. Rund 1.500 Menschen verbrachten die Nacht in der Erstversorgungsstelle. Die beheizbaren Zelte waren voll belegt. Weitere 600 Personen wurden in eine Turnhalle nach Wagna gebracht, wo sie in Ruhe schlafen können sollten - allerdings kam es, wie der "Kurier" berichtet, zu einer Rauferei. Die Polizei musste wegen Gewaltausbrüchen eingreifen. Die Turnhalle sei aber lediglich eine Notmassnahme, hiess es aus der Landespolizeidirektion Steiermark: "Sie ist kein weiteres Notquartier und wird am Morgen wieder geleert und gereinigt."

Gefährliche Situationen auf Zuggleisen

Wie der ORF unter Berufung aufs Rote Kreuz berichtet, mussten dennoch Hunderte draussen schlafen: "Bei Temperaturen um null Grad ist es nicht sehr angenehm, die Nacht im Freien zu verbringen. Wir haben Aluminiumdecken ausgegeben, haben auch einen Versuch gestartet, Tee auszuschenken - das ist aber in diesem unkontrollierbaren Bereich sehr schwierig", sagte Rot-Kreuz-Einsatzleiter Benjamin Gürtel dem ORF.

Kurz nach Sonnenaufgang wurde die Lage wieder unruhiger: Hunderte Menschen drängten auf den Vorplatz des Transitlagers, während zeitgleich ein neuer Flüchtlingsstrom aus Slowenien eintraf. Hunderte hatten sich in Sentilj (Slowenien) auf den Zuggleisen in Richtung Österreich aufgemacht und versuchten, an den Kontrollen vorbeizukommen und weiter in Richtung Norden zu ziehen. Dabei kam es zu gefährlichen Situationen, da der Zugverkehr nach einer Unterbrechung wieder eingesetzt hatte.

In Bad Radkersburg konnten laut Polizei alle Flüchtlinge bis zum Abend aus der dortigen Erstversorgungsstelle in Notquartiere im ganzen Bundesgebiet weitergebracht werden. Auch hier wird im Laufe des Tages wieder mit mit vermehrtem Zustrom von Flüchtlingen aus Slowenien gerechnet.

Johanna Mikl-Leitner forderte "Festung für Europa"

Ein Bild von der Lage hatte sich am Donnerstag Österreichs Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) gemacht. Sie kam spontan zu einem Krisentreffen nach Spielfeld. Dabei forderte sie eine bessere Absicherung der EU-Aussengrenzen, wobei sie drastische Worten wählte: "Wir müssen an einer Festung für Europa bauen." Ohne besseren Schutz sei die Situation nicht in den Griff zubekommen.

Stacheldraht und Zäune an deutschen Aussengrenzen? Eine nutzlose Idee.

Kritik erntete Mikl-Leitner inzwischen von Verteidigungsminister Gerald Klug (SPÖ), der die "Titulierung 'Festung Europa'" für eine "politische Fehleinschätzung" hält. Für eine Grenzzaun-Politik stünde die Regierung nicht zur Verfügung, stellte er am Freitag bei einer Pressekonferenz in Wien klar.

Kärnten wappnet sich

Am späten Donnerstagabend trafen unterdessen auch Flüchtlinge in Kärnten ein. Die dortige Polizei musste erstmals eine Massenregistrierung durchführen: 605 Flüchtlinge seien von der kroatisch-slowenischen Grenze direkt nach Kärnten gebracht worden, berichtet der ORF. Zwei vorhandene Quartiere in Villach sind mit den 600 Flüchtlingen komplett ausgelastet, im Klagenfurter Transitquartier befanden sich am Abend rund 900 Personen. Man arbeite an deren Weiterreise, hiess es von der Landespolizeidirektion.

Ansturm bricht erneut Rekorde

Kärnten bereitet sich unterdessen auf weitere Ankömmlinge vor: Wenn nötig, werde man weitere Zelte aufstellen oder Hallen anmieten, so die Polizei. Der Flüchtlingsansturm auf dem Balkan bricht immer neue Rekorde. Slowenien meldete am Freitag über 14.000 Flüchtlinge, die auf der Durchreise nach Österreich und weiter nach Deutschland seien. Am Vortag waren es bereits 12.000 Menschen. (af)