Das geplante "Grenzmanagement" am Brennerübergang zwischen Österreich und Italien erregt die Gemüter: Rom beschwert sich bei der EU-Kommission und verlangt eine Prüfung, ob die Kontrollen mit dem Schengen-Abkommen vereinbar sind.

Nachdem am Brenner die Arbeiten für das von Innenministerin Johanna Mikl-Leitner angekündigte "Grenzmanagement" gestartet sind, hat Italien auf EU-Ebene Protest eingelegt.

Rom fordert ein sofortiges Eingreifen der EU-Kommission. Diese will das österreichische Vorhaben prüfen.

Alfano: Österreich handelt "unvernünftig"

In einem gemeinsamen Brief an die EU-Kommission warfen Italiens Innenminister Angelino Alfano und Aussenminister Paolo Gentiloni Österreich "Unvernunft" vor. "Wenn wir in Europa sicherer sein wollen, müssen wir enger zusammenarbeiten, Informationen austauschen und nicht streiten", sagte Alfano in einem Interview mit dem TV-Sender Sky.

Es seien mehr Flüchtlinge von Österreich nach Italien eingewandert als umgekehrt, sagte Alfano. Österreich dürfe die "Regeln der Vernunft" nicht missachten.

Befürchteter Schaden für die Wirtschaft

In Alfanos Augen würde eine Sperre der Brennergrenze weder Vorteile hinsichtlich der öffentlichen Sicherheit bringen noch helfen, die Flüchtlingskrise zu bewältigen. Stattdessen fürchtet er enorme Schäden für die italienische Wirtschaft.

Von der EU-Kommission verlangt Alfano, "dringend zu prüfen", ob die von Österreich geplanten Massnahmen mit dem Schengen-Abkommen zu vereinbaren seien.

Mikl-Leitner: Aufregung "nicht nachvollziehbar"

Innenministerin Mikl-Leitner bezeichnete die Aufregung von italienischer Seite als "nicht nachvollziehbar". Es werde nur "planmässig umgesetzt, was ich bereits vor Wochen angekündigt und auch letzte Woche in Rom klar und deutlich auf den Tisch gelegt habe, nämlich die Vorbereitung für allfällige unkontrollierte Migrationsströme. Wir bereiten uns vor und beginnen mit der Errichtung der Kontroll- Infrastruktur am Brenner", wird die Innenministerin von der Austria Presse Agentur zitiert.

Kritik kam indes von den Tiroler Grünen. Landeshauptmannstellvertreterin Ingrid Felipe sagte der italienischen Tageszeitung "La Stampa", die österreichische Regierung "begreift nicht den historischen Wert des Brenners".

Die aktuellen Entwicklungen machten Bemühungen für eine stärkere Integration von Tirol, Südtirol und dem Trentino zunichtemachen. (ank)