Washington (dpa) - Die USA werden nach dem Willen von Präsident Barack Obama in den kommenden zwölf Monaten deutlich mehr syrische Flüchtlinge aufnehmen als bisher. Indes verschärft sich die Flüchtlingskrise in Südosteuropa wieder.

"Der Präsident hat seine Mitarbeiter angewiesen, im nächsten Haushaltsjahr mindestens 10 000 Syrern die Einreise als anerkannte Flüchtlinge zu ermöglichen", sagte der Sprecher des Weissen Hauses, Josh Earnest, am Donnerstag in Washington. Die USA stehen international in der Kritik, weil sie im Vergleich zu den Verbündeten in Europa nur einen Bruchteil der Flüchtlinge aus dem Bürgerkriegsland aufnehmen.

Wie sich die Golfstaaten, die USA und Australien gegen Asylbewerber wehren.

Im laufenden Haushaltsjahr, das Ende September zu Ende geht, erlauben die USA etwa 1500 syrischen Flüchtlinge die Einreise. Die US-Regierung begründet die vergleichsweise niedrigen Zahlen mit strengen Sicherheitskontrollen, die die Anti-Terror-Gesetze vorschreiben. Flüchtlinge aus Gebieten, in denen islamistische Terrorgruppen aktiv sind, müssen äusserst umfangreiche Überprüfungen über sich ergehen lassen, die bis zu zwei Jahre dauern können. Republikanische Kongressabgeordnete warnen davor, Extremisten könnten als Flüchtlinge getarnt ins Land gelangen.

Flüchtlingskrise verschärft sich wieder

Indes hat sich mit der Sperrung des Bahnverkehrs zwischen Österreich und Ungarn die Flüchtlingskrise in Südosteuropa wieder verschärft. Wegen des Andrangs aus Ungarn und des damit verbundenen Sicherheitsrisikos stellte die österreichische Bahn ÖBB den Zugverkehr in beide Richtungen vorübergehend ein. In Budapest drängten trotzdem Hunderte geflüchtete Menschen in die Züge Richtung Westgrenze. Angesichts der Lage erwägt Ungarn, den Krisenfall auszurufen. In Dänemark wurde der vorübergehend gestoppte Zugverkehr mit Deutschland wieder freigegeben.

Wegen hoher Flüchtlingszahlen stellt Bahn Verkehr aus Nachbarland ein.

Ungarns Regierung will am kommenden Dienstag über die Ausrufung des Krisenfalls entscheiden. Das kündigte Janos Lazar, Kanzleichef von Ministerpräsident Viktor Orban, in Budapest an. Am selben Tag tritt auch ein neues Gesetz in Kraft, wonach illegaler Grenzübertritt in Ungarn als Straftat gibt. Bislang ist er nur eine Ordnungswidrigkeit.

Auf der Balkan-Route reisen Flüchtlinge aus den Kriegsgebieten des Nahen Ostens seit Monaten in grosser Zahl weiter nach Ungarn. Sie sollen im Lager Röszke nahe der serbischen Grenze eigentlich registriert werden, verweigern sich aber, weil sie danach zunächst in Ungarn bleiben müssten. Deshalb kam es wiederholt zu Tumulten und Konflikten zwischen Flüchtlingen und Polizei. Um die unerwünschten Migranten abzuwehren, baut Ungarn an der 175 Kilometer langen Grenze zu Serbien an einem Zaun, der bislang auf weiten Strecken nur provisorisch errichtet worden ist.

1.000 Menschen passierten ungarisch-österreichische Grenze zu Fuss

Nach Angaben der Polizei stieg die Zahl der aus Ungarn kommenden Flüchtlinge am Donnerstag in Österreich wieder an. Tagsüber passierten demnach auch etwa 1000 Menschen zu Fuss die ungarisch-österreichische Grenze.

Die ÖBB nannte als Grund für die Unterbrechung des Bahnverkehrs die "massive Überlastung" der aus Ungarn kommenden Züge. Das Sicherheitsrisiko sei zu gross, sagte ÖBB-Sprecher Michael Braun. "Die aus Ungarn kommenden Züge sind so dermassen überfüllt, dass wir sie auf keinen Fall weiterfahren lassen können. In Österreich dürfte so ein Zug den Bahnhof gar nicht verlassen." Eine Prognose, wann Züge wieder fahren könnten, sie schwierig, hiess es. (dpa/am)