Christian Streich, Trainer von Fussball-Bundesligist SC Freiburg, hat sich erneut politisch geäussert. Dabei richtete er in Folge des Mordes an einer Studentin in Freiburg, der mutmasslich von einem Flüchtling begangen wurde, einen Appell an die Gesellschaft.

"Die Generalverurteilung von Menschen gibt es so lange es Menschen gibt", sagte SC-Freiburg-Trainer Christian Streich auf der Pressekonferenz vor dem Bundesligaspiel gegen Darmstadt.

Ohne Verständnis reagiert er auf Hasskommentare gegen Flüchtlinge und deren Helfer, die nach dem Mord an einer Studentin in Freiburg, der mutmasslich von einem aus Afghanistan stammenden unbegleiteten minderjährigen Flüchtling begangen wurde, kursieren.

Streichs mehr als fünf Minuten lange Rede war vor allem eine Reaktion auf fremdenfeindliche Kommentare in Folge der Vergewaltigung und Ermordung der Studentin in Freiburg.

Christian Streich fordert mehr Zivilcourage

Zudem spricht er sich für mehr Zivilcourage im Umgang mit Fremdenfeindlichkeit aus. "Jetzt kommt es darauf an, wie diese Gemeinschaft in diesem Land auftreten wird. Was auch gesellschaftlich toleriert wird", sagte Streich.

"Wenn ich höre, was Leute sagen dürfen und noch ein zustimmendes Nicken bekommen - noch vor ein paar Jahren wären solche Leute gesellschaftlich degradiert gewesen. Das ist in kürzester Zeit passiert und jetzt sehen wir, was weiter passiert."

Man sei in Deutschland "ja schon glücklich, wenn in Österreich die Wahlen so ausgehen, wie sie ausgegangen sind. Und der Verlierer, der aus einer Ecke kommt auf die ich nicht weiter eingehen will, 46 Prozent bekommt. Für alle anderen heisst es, sich zu bekennen. Und wer sich nicht klar bekennt, trägt eine Mitverantwortung, wenn es in die andere Richtung geht."

Es gehe nun darum, "ob die Mehrzahl der Bevölkerung sich dem widersetzt und auch aktiv dagegen vorgeht", sagte er. "Wer das nicht tut und sich da nicht klar bekennt, der trägt eine Mitverantwortung, wenn es in die andere Richtung geht. Das ist klar, da gibt es keine Ausflucht. Das ist so." Weiter sagt er: "Also ich habe da Angst, wenn ich die Entwicklung sehe. Und ich habe ja Kinder, also vor allem um die."

Streich, der nur selten und sehr ungern Interviews gibt, äussert sich auf Pressekonferenzen vor Spielen gelegentlich zu gesellschaftlichen Themen. Er ist seit fast fünf Jahren Trainer des SC Freiburg. (cai/dpa)