Innenminister Thomas de Maizière (CDU) hat Kritik am Flüchtlingsabkommen zwischen der EU und der Türkei zurückgewiesen. Die deutschen Bürger müssten noch einige Wochen "ein paar harte Bilder" aushalten, dann könnte die Flüchtlingskrise ausgestanden sein.

Thomas de Maizière verteidigt den EU-Türkei-Pakt: "Auch wenn wir jetzt einige Wochen ein paar harte Bilder aushalten müssen, unser Ansatz ist richtig", sagte der Innenminister den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland.

Lösung der Flüchtlingskrise oder unmenschliche Massenabschiebungen?

Mit der Rückführung von Flüchtlingen aus Griechenland in die Türkei werde den Schleppern das Geschäftsmodell entzogen. Zwar brauche Griechenland bei der Umsetzung der neuen Regeln noch eine Eingewöhnungszeit. Jeder Flüchtling, der einen Asylantrag stelle, solle aber von den griechischen Behörden ein individuelles Verfahren bekommen.

Der Pakt zwischen der EU und der Türkei sieht vor, dass alle Flüchtlinge, die nach dem 20. März illegal von der Türkei nach Griechenland übergesetzt sind, zwangsweise zurückgebracht werden können.

Am vergangenen Montag waren die ersten etwa 200 Flüchtlinge von den griechischen Inseln Lesbos und Chios in die Türkei zurückgeschickt worden. Menschenrechtsorganisationen kritisieren das Vorgehen scharf und sprechen von rechtswidrigen und unmenschlichen Massenabschiebungen.

Zahl der Asylanträge geht deutlich zurück

Offenbar zeigt der EU-Türkei-Pakt bereits Wirkung, denn die Zahl der neu in Deutschland ankommenden Asylsuchenden ist deutlich gesunken: von 61.428 auf 20.608. Das teilte de Maizière am Vormittag in Berlin mit.

Der Innenminister betonte zwar, dass es noch zu früh sei, für das gesamte Jahr eine Prognose über die zu erwartende Gesamtzahl der Flüchtlinge abzugeben. Aber das Abkommen zwischen der EU und der Türkei zur Rücknahme von Flüchtlingen sei schon gut angelaufen.

Neuer Flüchtlingszuzug befürchtet

Die weitere Entwicklung müsse hier aber ebenso abgewartet werden wie die Möglichkeiten, dass sich Ausweichrouten zur mittlerweile geschlossenen Balkanroute entwickeln, sagte er weiter. Er nannte hier insbesondere die Route von Libyen nach Italien.

Entwicklungshilfeminister Gerd Müller (CSU) spricht von Hunderttausenden Afrikanern, die von Nordafrika nach Europa wollen. "Nach unseren Informationen warten allein in Libyen 100.000 bis 200.000 Afrikaner, die aus Staaten südlich der Sahara kommen, auf ihre Überfahrt nach Europa", sagte er der "Rheinischen Post". (cai/dpa)