München (dpa) - Salafisten versuchen nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes gezielt, Flüchtlinge anzuwerben, darunter auch Jugendliche. Dem bayerischen Landesamt seien derartige Fälle bekannt, erklärte ein Sprecher und bestätigte einen entsprechenden Bericht des Bayerischen Rundfunks. Ex-Innenminister Hans-Peter Friedrich warnt ausserdem vor islamistischen Schläfern, die als Flüchtlinge getarnt nach Deutschland kommen könnten.

"Salafisten versuchen dabei, auch unbegleitete junge Flüchtlinge anzusprechen, die ohne ihre Familien in unser Land kommen und in besonderer Weise nach Anschluss und Unterstützung suchen", sagte der Sprecher. Dies geschehe vor allem im Umfeld von Flüchtlingsunterkünften, vereinzelt aber auch auf dem Münchner Hauptbahnhof, wo in den vergangenen Tagen Tausende Flüchtlinge ankamen. Zielgruppe seien junge Menschen, die sich in Krisensituationen befänden und nach Anschluss, Orientierung und Unterstützung suchten.

Kamerafrau rechtfertigt Tritte gegen Flüchtlinge mit "Angst".

"Die Hilfsbedürftigkeit von Flüchtlingen wollen Salafisten gezielt für ihre Zwecke ausnutzen und missbrauchen", erklärte der Sprecher. Ein bundesweit bekannter salafistischer Prediger habe auf seinem Facebook-Profil offen dazu aufgerufen, gezielt auf Flüchtlinge zuzugehen und diese für die salafistische Szene zu gewinnen. Der Prediger gebe dafür auch ganz konkrete Handlungsempfehlungen.

Der Salafismus ist eine religiöse und politische Bewegung im Islam, die nur von einer kleinen Minderheit der Muslime getragen wird. Salafisten lehnen westliche Demokratien ab und sehen eine "islamische Ordnung" mit islamischer Rechtsprechung (Scharia) als einzig legitime Staats- und Gesellschaftsform an. Der Salafismus ist derzeit die am schnellsten wachsende islamistische Gruppierung. Die Behörden warnen vor der Bewegung: Der Verfassungsschutz sieht die Übergänge zwischen politischem und dschihadistischem Salafismus als fliessend an.

Friedrich warnt vor Schläfern

Der früherer Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) warnt derweil in der "Passauer Neuen Presse" vor islamistischen Schläfern unter den Flüchtlingen. Es sei "völlig unverantwortlich, dass jetzt Zig-tausende unkontrolliert und unregistriert ins Land strömen, und man nur unzuverlässig genau abschätzen kann, wie viele davon IS-Kämpfer sind". Er hoffe, dass das nicht noch zu einem bösen Erwachen führen werde. Des Weiteren sei er davon überzeugt, dass kein anderes Land der Welt sich "so naiv und blauäugig einer solchen Gefahr aussetzen würde".

Die Aufnahme von Flüchtlingen aus Ungarn bezeichnet Friedrich als "eine beispiellose politische Fehlleistung", die "verheerende politische Spätfolgen" haben werde.

(dpa/ska)