Die Frauen hinter der Macht

Korrupte Regierungschefs, Despoten und Diktatoren - wer sind die Frauen an ihrer Seite? Welche Rolle spielen sie und welchen Einfluss üben sie auf die Politik aus? Von blinder Verehrung über Selbstmord bis hin zu Völkermord: Die Ehefrauen und Geliebten politischer Machthaber nehmen eine sehr ambivalente Rolle in der neueren Geschichte ein.

Mit 17 wird Nadeschda Allilujewa die zweite Frau von Josef Stalin. Die Begeisterung für den 23 Jahre älteren sowjetischen Revolutionär beginnt zu schwinden, als dieser zum unumstrittenen Diktator aufsteigt. Sie studiert gegen seinen Willen und wird mit dem Leid der Bevölkerung konfrontiert. Nach einem öffentlichen Streit mit Stalin nimmt sie sich 1932 das Leben.
Loyalität bis in den Tod: Eva Braun, die Geliebte Adolf Hitlers, lebte über zehn Jahre in seinem Schatten. Bis heute ist über ihre Beziehung wenig bekannt. Sie blieb stets im Hintergrund und übernahm keine repräsentativen Aufgaben. 1945 heirateten die beiden - einen Tag vor ihrem gemeinsamen Selbstmord und kurz vor der bedingungslosen Kapitualiton der deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg.
General und Diktator Francisco Franco kam durch einen Putsch an die Macht und herrschte von 1939 bis 1975 in Spanien. Hunderttaussende Gegner liess er exekutieren, politische Häftlinge in Konzentrationslager sperren. Stets unterstützt und stark beeinflusst von seiner Frau Carmen, insbesondere in religiösen, sittsamen und Zensur-Fragen.
Diese Aufnahme zeigt Jiang Qing, die dritte Frau von Mao Zedong, der als Mitglied der "Gruppe der Vier" der Prozess gemacht wurde. Die Gruppe um Mao galt als radikaler Anführer der chinesischen Kulturrevolution (1966-76), der politische Morde, Folter und massive Menschenrechtsverletztungen vorgeworfen wurden. 1981 wurde sie zur "bedingten Todesstrafe" verurteilt, die in lebenslange Haft umgewandelt wurde.
Catherine Bokassa war die Hauptfrau von Jean-Bedel Bokassa, Kaiser der Zentralafrikanischen Republik, und lebte im Luxus an seiner Seite. Mord, Folter, Korruption, Kannibalismus lauteten 1980 die Anklagepunkte gegen den "afrikanischen Napoleon". Er hinterliess mindestens 37 Kinder und 17 Frauen.
Die Verbrechen der Roten Khmer unter ihrem Anführer Pol Pot sind bis heute in Kambadoscha allgegenwärtig. Zwischen 1975 und 1978 verübte er einen Genozid an der eigenen Bevölkerung, dem etwa zwei Millionen Menschen zum Opfer fielen. Seine Frau, Khieu Ponnary (links im Bild mit weissem Hemd), zählte zum zentralen Machtgremium der Roten Khmer. Sie erkrankte jedoch an paranoider Schizophrenie, weshalb ihr Einfluss auf die Politik umstritten ist.
Idi Amin, 1971 bis 1979 Präsident von Uganda, verübte mit die schlimmsten Gräueltaten in der Geschichte seines Landes. Bis zu 400.000 Menschen sollen seiner Gewaltherrschaft zum Opfer gefallen sein. Sarah Kyolaba, seine fünfte Ehefrau, bezeichnete ihn als "wahren Helden Afrikas".
Imelda Marcos herrschte gemeinsam mit ihrem Mann Ferdinand über 20 Jahre lang über die Philippinen. Als First Lady vertrat sie als "ausserordentliche Botschafterin" die Philippinen im Ausland. 1972 verhängte ihr Mann das Kriegsrecht und wurde zum uneingeschränkten Diktator. Das Ehepaar verschaffte sich viele Milliarden Dollar durch Korruption und musste 1986 fliehen. Imelda kehrte in den 90ern zurück und wurde wieder in politische Ämter gewählt.
Margot Honecker war die dritte Ehefrau von Erich Honecker, dem ehemaligen Staatschef der DDR. Von 1963 bis 1989 hatte sie das Amt der Ministerin für Volksbildung inne und gestaltete das Bildungswesen massgeblich ideologisch. Ihr Einfluss auf die Politik war enorm. Nach dem Ende der DDR floh sie mit ihrem Mann erst nach Moskau, ab 1992 bis zu ihrem Tod 2016 lebte sie in Chile.
Agathe Habyarimana ist die ehemalige First Lady von Ruanda. An der Seite von Diktator Juvénal Habyarimana regierte sie fast 20 Jahre. Gemeinsam unterdrückten sie die Tutsi und weniger radikale Hutu. Nach dem Tod ihres Mannes, dessen Flugzeug durch zwei Raketen getroffen wurde, begann in Ruanda 1994 ein Genozid, dem 800.000 Menschen zum Opfer fielen - nach Einschätzung der Justiz unter Beteiligung von Habyarimana. Verurteilt wurde sie nie.
Mirjana Markovic, Frau des ehemaligen serbischen Präsidenten Slobodan Milosevic, wird oft als "Lady Macbeth des Balkans" bezeichnet. Sie hatte grossen Einfluss auf die Politik ihres Mannes, der durch das UN-Kriegsverbrechertribunal wegen Völkermordes angeklagt wurde. 2003 floh sie aus Serbien, wo sie selbst wegen Machtmissbrauch angeklagt war und aufgrund Zigarettenschmuggels und politischen Mordes unter Verdacht stand. Im April 2019 verstarb sie in Russland.
Jewel Cianeh Howard-Taylor ist die ehemalige First Lady des 2003 gestürzten liberianischen Präsidenten Charles Taylor. Ihr Mann war ein bekannter Warlord und wurde nach seinem Sturz wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen vom Sondergerichtshof schuldig gesprochen. Die Finanzökonomin liess sich nach seinem erzwungenen Rücktritt von ihm scheiden und ist bis heute politisch aktiv.
Suzanne Mubarak war die First Lady an der Seite des ehemaligen ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak. Sie erhielt die Ehrenmedaille der Freien Universität Berlin und die Dr.-Rainer-Hildebrandt-Medaille wegen ihrer Verdienste um Frauen- und Menschenrechte. Die Regierung wurde aus dem Westen unterstützt, ihr wird jedoch unter anderem Korruption und tödliche Gewalt gegen Demonstranten vorgeworfen.
Safia Farkash ist die Witwe von Libyens ehemaligem Machthaber Muammar al-Gaddafi. In seiner fast 42-jährigen diktatorischen Herrschaft hielt sie sich eher im Hintergrund. Während des Bürgerkriegs blieb sie zunächst mit ihren Kindern in Tripolis, floh im August 2011 aber nach Algerien. Sie lebt heute mit drei Kindern im Oman, wo sie politisches Asyl erhalten hat.
Leïla Ben Ali an der Seite ihres Mannes, dem ehemaligen tunesischen Präsidenten Zine el-Abidine Ben Ali. Sie engagierte sich für verschiedene wohltätige Organisationen. Jedoch errichtete sie mit ihrem Mann eine Kleptokratie, die mit Korruption und Betrug bis zu einem Drittel der tunesischen Wirtschaft abschöpfte. Nach Ben Alis Sturz während des Arabischen Frühlings flohen sie angeblich mit 1,5 Tonnen Gold nach Saudi-Arabien.
Prügelattacken, Elfenbeinschmuggel, Kleptokratie: Grace Mugabe machte nicht nur mit ihren politischen Ambitionen auf sich aufmerksam. Ihr Mann, Robert Mugabe, der von 1987 bis 2017 Präsident von Simbabwe war, wollte sie als seine Nachfolgerin aufbauen. In den 80er-Jahren hatte seine Amtszeit vielversprechend begonnen, schwenkte aber bald in Verfolgung und Machtkämpfe um. Nach Zehntausenden Toten, Wirtschaftskrise und Repression verhinderten die Eliten des Landes eine Präsidentschaft von Grace.
Die Demokratische Republik Kongo zählt zu den korruptesten Ländern der Welt. Trotz riesiger Rohstoffvorkommen hungert die Bevölkerung, ist von Gewalt und Armut gebeutelt. In den 17 Jahren seiner Präsidentschaft setzte Präsident Joseph Kabila dem nicht viel entgegen - im Gegenteil: Gemeinsam mit seiner Frau Marie-Olive bereicherte sich seine Familie unter anderem durch Abbau von wertvollen Rohstoffen.
Wirklich viel ist über Fatima Khalid nicht bekannt. Sie ist die Frau und Cousine des ehemaligen sudanesischen Präsidenten Omar al-Baschir. Öffentliche Auftritte überlässt sie häufig der Zweit-Frau Widad Babiker. Über den Einfluss auf die Politik ihres Mannes, der im April 2019 nach 30 Jahren an der Macht durch das Militär abgesetzt wurde, gibt es nur Mutmassungen. Ihm werden Korruption, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Kriegsverbrechen und Völkermord vorgeworfen.
Auch die Informationen über Ri Sol-ju sind eher spärlich. Seit 2012 wird offiziell verbreitet, dass Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un mit ihr verheiratet ist. Bei öffentlichen Auftritten zeigt sie sich elegant und selbstbewusst an seiner Seite, von drei gemeinsamen Kindern ist die Rede. Vor der Heirat mit Kim Jong Un soll sie Sängerin gewesen sein.