Die grössten Politikskandale der Welt

Watergate in den USA, "Bunga Bunga" in Italien, die Spiegel-Affäre in Deutschland: Die grössten Politskandale der Welt.

Der "Spiegel" wird beschuldigt, Staatsgeheimnisse veröffentlicht und damit Landesverrat begangen zu haben. Von Verteidigungsminister Strauss forciert, werden am 26. Oktober die Redaktionsräume in Hamburg besetzt und sieben Spiegel-Redakteure verhaftet, darunter auch Rudolf Augstein.
Als Folge gibt es in ganz Deutschland Proteste und Sitzblockaden. Die Opposition wirft der Regierung einen Angriff auf die Pressefreiheit vor. Auch im Ausland werden die Ereignisse in der noch jungen deutschen Demokratie mit Sorge verfolgt. Der Bundestag beschäftigt sich in zahlreichen Debatten mit der Spiegel-Affäre.
Vor dem Bundestag erklärt Strauss: "Ich habe mit der Sache nichts zu tun." In einer späteren Bundestagsdebatte gerät der Verteidigungsminister so stark unter Druck, dass er schliesslich zugeben muss, das Parlament belogen zu haben. Einen Monat später muss Bundeskanzler Konrad Adenauer, auch auf Druck der mitregierenden FDP, ein neues Kabinett bilden - ohne Strauss.
Am 07. Februar wird Augstein (links im Bild) als letzter inhaftierter Spiegel-Mitarbeiter nach 103 Tagen Haft entlassen. Der Bundesgerichtshof lehnt später die Eröffnung des Hauptverfahrens gegen die Spiegelredakteure ab. Dafür stellt die Staatsanwaltschaft fest, Strauss habe sich im Zuge der Spiegelaffäre der Amtsanmassung und Freiheitsberaubung schuldig gemacht.
Trotzdem hat die Spiegel-Affäre keine juristischen Folgen für Franz-Josef Strauss. Auch eine Verfassungsbeschwerde des "Spiegel" wird vom Bundesverfassungsgericht abgewiesen. Vier Jahre später wird Strauss wieder Minister für Finanzen in der Grossen Koalition unter Kurt Georg Kiesinger.
Rund um die Landtagswahl 1987 in Schleswig-Holstein erschüttert die sogenannte Barschel-Affäre ganz Deutschland. Im damaligen Wahlkampf zeichnete sich ein knappes Rennen zwischen der regierenden CDU unter Ministerpräsident Uwe Barschel und der SPD unter Spitzenkandidat Björn Engholm ab.
Im Zentrum der Affäre steht zunächst Reiner Pfeiffer, ein Journalist, der in der schleswig-holsteinischen Staatskanzlei als Medienreferent angestellt war. Mit einer Schmutzkampagne versucht Pfeiffer im Auftrag Uwe Barschels, den Ruf des SPD-Spitzenkandidaten Björn Engholm zu schädigen.
Mit einer anonymen Anzeige denunziert Pfeiffer den SPD-Kandidaten (links im Bild) wegen vermeintlicher Steuerhinterziehung, lässt ihn wegen angeblicher homosexueller Neigungen und ausserehelicher Beziehungen beschatten und gibt sich bei einem Anruf als Arzt aus, um Engholm mit einem erfundenen AIDS-Verdacht Angst einzujagen.
Kurz vor der Landtagswahl berichtet der Spiegel dann von "Barschels schmutzigen Tricks". Dieser leugnet zunächst alles und gibt sein Ehrenwort, nichts von Pfeiffers Machenschaften gewusst zu haben. Als die Beweise jedoch erdrückend werden, tritt Barschel am 02. Oktober 1987 zurück.
Neun Tage später wird Barschel in einem Genfer Hotelzimmer tot aufgefunden. Ermittler gehen von einem Suizid aus. Barschels Tod bleibt noch lange Gegenstand von Spekulationen, obgleich eine spätere Obduktion Barschels Selbsttötung bestätigt. Auf die Affäre folgen 1988 Neuwahlen, bei denen die SPD schliesslich die absolute Mehrheit erringt.
Die CDU-Spendenaffäre um die illegale Spendenpraxis der CDU unter Helmut Kohl wird 1999/2000 bekannt. Jahrelang hatte die CDU zahlreiche schwarze Kassen geführt, um illegale Parteispenden zu verschleiern.
Nachdem die Affäre publik wird, stellt sich in einem vom Bundestag eingesetzten Untersuchungsausschuss heraus, dass die Partei mehr als zwei Millionen Mark an illegalen Zuwendungen angenommen hat. Helmut Kohl, bis 1998 Bundeskanzler und Parteivorsitzender, weigert sich im Ausschuss, die Namen der Spender zu nennen. Einer Verurteilung wegen einer Falschaussage entgeht Kohl nur knapp.
Am 10. Juli 1985 versenkt der französische Geheimdienst das Greenpeace-Schiff "Rainbow Warrior". Zwei Kampfschwimmer des Geheimdienstes DGSE hatten hierfür Sprengstoff am Schiff platziert. Ein Mensch kommt bei dem Angriff im Hafen von Auckland (Neuseeland) ums Leben. Der DGSE will damit verhindern, dass das Schiff gegen die französischen Atomversuche im Mururoa-Atoll protestiert.
Die beiden Agenten werden später festgenommen und in Neuseeland zu 10 Jahren Haft verurteilt. Frankreich setzt Neuseeland jedoch solange wirtschaftlich unter Druck, bis die Agenten 1987 wieder freikommen. Geheimdienstchef Pierre Lacoste und Verteidigungsminister Charles Hernu (rechts im Bild, in der Mitte Staatspräsident François Mitterrand) verlieren wegen der Operation ihre Posten.
Die Regierung bleibt aber im Amt, obwohl die Aktion vom damaligen Präsidenten Mitterrand abgesegnet war. Bis heute ist das Verhältnis zwischen Neuseeland und Frankreich belastet. Greenpeace erhält in der Folge des Angriffs auf die "Rainbow Warrior" enormen Zulauf und erreicht 1995 die Einstellung der Atomtests auf Mururoa.
Als Kreisky-Peter-Wiesenthal-Affäre wurde ein Konflikt zwischen Simon Wiesenthal (Bild) und dem österreichischen SPÖ-Bundeskanzler Bruno Kreisky bekannt. Wiesenthal war ein österreich-jüdischer Holocaustüberlebender, der sich nach dem Zweiten Weltkrieg mit seinen Nachforschungen über NS-Verbrecher als "Nazi-Jäger" einen Namen machte.
Kreisky's SPÖ strebt 1975 für den Fall eines Verlustes der absoluten Mehrheit eine Koalition mit der FPÖ an. Vorsitzender der FPÖ ist Friedrich Peter. Kurz vor der Wahl stösst Wiesenthal auf Dokumente, die Peters Mitgliedschaft in der berüchtigten 1. SS-Infanteriebrigade belegen. (Links im Bild Peter, Mitte Kreisky)
Peters Kompanie war hinter der Ost-Front an mehreren grossen Operationen beteiligt, bei denen tausende Zivilisten ermordet wurden. So war seine SS-Brigade 1941 am Massaker von Babi Jar in der Ukraine beteiligt, bei dem 33.771 Juden innerhalb von zwei Tagen ermordet wurden. (Foto: Massaker von Babi Jar. SS-Soldaten exekutieren jüdische Gefangene durch Genickschüsse.)
Peter ist einer der 31 Soldaten aus der insgesamt 500 Mann starken Brigade, die mit dem "Eisernen Kreuz II. Klasse" ausgezeichnet wurden. Der Historiker Martin Cüppers sagte später gegenüber dem Blatt "Der Standard" über die Auszeichnung: „Das erhielten die, die mit dem Herz dabei waren“. Trotzdem leugnet Peter später als FPÖ-Obmann, an Kriegsverbrechen beteiligt gewesen zu sein.
1975 stellt sich SPÖ-Kanzler Kreisky hinter Peter und beschuldigt Wiesenthal, selbst ein Nazi-Kollaborateur gewesen zu sein. Die Anschuldigungen ziehen einen langen Konflikt zwischen Kreisky und Wiesenthal nach sich. Nach einer Klage Wiesenthals muss Kreisky die Aussage schliesslich zurückziehen.