• Aufgrund der Corona-Pandemie ist die Zahl der Anträge auf Asyl 2020 deutlich niedriger ausgefallen als erwartet.
  • Migrationschef Mario Gattiker hält dies für eine kurzfristige Entwicklung.
  • Zukünftig rechnet er - ebenfalls aufgrund der Krise - in ganz Europa mit einem erheblichen Anstieg.

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Pandemiebedingt gingen 2020 in der Schweiz deutlich weniger Asylanträge ein als erwartet. Das dürfte sich jedoch zukünftig wieder ändern, glaubt Mario Gattiker, Staatssekretär im Bundesamt für Migration.

Wie der 64-jährige Politiker in der Montagsausgabe des "Blick" berichtet, wurden vergangenes Jahr 11.041 Asylgesuche in der Schweiz gestellt. Ausgegangen worden war zu Beginn des Jahres von 4.000 bis 5.000 mehr, weshalb das Staatssekretariats für Migration (SEM) unerwartet Geld einsparen konnte - Gattiker zufolge "gegenüber dem Budget 2020 ungefähr 160 Millionen Franken". Für 2021 rechnet der Migrationschef derzeit mit einer Normalisierung und Zahlen, "wie wir sie 2019 hatten".

In der Zeit danach, genauer gesagt zwischen 2022 und 2025, "dürfte sich die Lage verändern", sagte Gattiker der Tageszeitung in einem Telefongespräch. "Mittelfristig müssen wir von einer deutlichen Zunahme der Asylzahlen in Europa ausgehen." Als Grund nannte er einen mit hoher Wahrscheinlichkeit auftretenden "coronabedingten wirtschaftlichen Abschwung in vielen Regionen". Ein solcher hätte wiederum innenpolitische Spannungen zur Folge, die Migration förderten.

Gute Vorbereitung ist gefragt

Die Einschätzung des Staatssekretariats für Migration werde von vielen "internationalen, im Migrationsbereich tätigen Organisationen" geteilt. Auch sie erwarteten eine deutliche Zunahme der Asylanträge. Man müsse sich deshalb "gut vorbereiten", betonte der Politiker.

"Dazu gehört auch die konsequente Fortführung unserer Politik." Sie basiere auf "beschleunigten Asylverfahren" und sorge dafür, "dass wir weiterhin kein bevorzugtes Zielland sind für Menschen ohne echte Asylgründe".

Mario Gattiker ist seit 2015 Leiter des Staatssekretariats für Migration. Im kommenden Herbst scheidet er aus dem Amt. Der Jurist arbeitet seit vielen Jahren in der Bundesverwaltung und feierte seinen Einstieg 2001 als leitender Sekretär der Eidgenössischen Ausländerkommission © 1&1 Mail & Media/spot on news

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