War der mutmassliche Berlin-Attentäter Anis Amri auch in den Niederlanden? Darauf deutet der Fund einer Sim-Karte in seinem Rucksack hin. Zudem deutet sich an, dass Amri wesentlich besser vernetzt war als bisher angenommen - vor allem im Ruhrgebiet.

Nach dem Tod des mutmasslichen Attentäters von Berlin haben die Ermittler Medienberichten zufolge eine Sim-Karte aus den Niederlanden in dessen Rucksack gefunden.

Diese stamme aus einem Bestand an Sim-Karten, die zwischen dem 20. bis 22. Dezember in Zwolle, Breda und Nimwegen in Kaufhäusern verteilt wurden, berichtete die Zeitung "La Repubblica".

Ist Amri über die Niederlande geflohen?

Ob dies bedeutet, dass Amri auf seiner Flucht über Frankreich nach Italien auch Halt in den Niederlanden gemacht hat oder auf andere Weise an die Karte gekommen ist, ist nach dpa-Informationen aber noch unklar. Von der Bundesanwaltschaft gab es auf Anfrage keine Stellungnahme dazu.

Amri wurde Freitagnacht von italienischen Polizisten in Sesto San Giovanni nördlich von Mailand erschossen. Statt bei der Personenkontrolle seinen Ausweis zu zeigen, zog er eine scharfe Pistole aus seinem Rucksack und eröffnete das Feuer auf die Beamten. Diese schossen zurück.

Nach dpa-Informationen befindet sich die Leiche weiterhin in der Gerichtsmedizin in Mailand, da die Obduktion noch nicht abgeschlossen ist.

WDR: Amri war im Ruhrgebiet sehr gut vernetzt

Zudem lässt ein WDR-Bericht aufhorchen. Demnach war Amri im Ruhrgebiet deutlich besser vernetzt als bislang angenommen und besuchte während seiner Zeit in NRW ein Dutzend Moscheen.

Er soll zudem sehr gute Kontakte nach Dortmund gehabt und einen Schlüssel zu einer Moschee besessen haben, in der er übernachtete. Seit Ende 2015 sei er regelmässig zwischen Berlin und dem Ruhrgebiet gependelt.

Der Tunesier war nach Angaben von NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) 2015 nach Deutschland eingereist, er hatte nach seinem Aufenthalt in NRW seit Februar 2016 überwiegend in Berlin gelebt.

Die Opposition im NRW-Landtag wirft den Behörden schwere Fehler bei der Überwachung des als Gefährder eingestuften Tunesiers in Nordrhein-Westfalen vor. (cai/dpa)