US-Präsident Donald Trump hat am Donnerstag das mit Hochspannung erwartete Treffen mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un am 12. Juni abgesagt. Trump gibt seinem Gegenüber die Schuld dafür. Das sagt die internationale Presse dazu.

Mehr aktuelle News zum Nordkorea-Konflikt finden Sie hier

Das Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un am 12. Juni wurde mit Hochspannung erwartet.

Am Donnerstag hat Trump es dann aber abgesagt. Als Grund nannte er, dass Nordkorea in der letzten Zeit vermehrt "enormen Ärger und offene Feindschaft" symbolisiert habe.

Das sagt die internationale Presse zu Trumps Absage

USA

"New York Times": Abgesagter Gipfel muss nicht schlecht sein

"Es sind auch nicht unbedingt schlechte Nachrichten, sollte es bedeuten, dass die Trump-Regierung sich jetzt Zeit nimmt, die notwendigen Vorbereitungen zu treffen, um eine Zusammenkunft zum Erfolg zu führen, bei der so viel auf dem Spiel steht.

Aber es wäre zutiefst bedauernswert und letztlich gefährlich, wenn es damit endet, dass sich die beiden hitzköpfigen Staatschefs beleidigt zurückziehen und die Schulhofspötteleien wieder aufnehmen, die sie während der vergangenen 16 Monaten ausgetauscht haben. Das würde einen Grossbrand nur wahrscheinlicher machen." Zum Artikel

"Washington Post": Trump hat Prozess impulsiv platzen lassen

"Bis zu dieser Woche schienen ihm (Trump) die zunehmend klaren Andeutungen nicht bewusst zu sein, dass Herr Kim keine Absicht hatte, sein Atomwaffenarsenal schnell preiszugeben. Stattdessen schien Nordkorea nur an einem mehrstufigen Prozess interessiert, in dem die atomare Abrüstung ein vages und langfristiges Ziel ist und das Regime für jeden Fortschritt belohnt wird.

Aber die Regierung hätte gewillt sein sollen, vorsichtig zu eruieren, was Herr Kim zu tun bereit war. Stattdessen hat Herr Trump den Prozess impulsiv platzen lassen - und er uns seine Regierung haben sich nicht die Mühe gemacht, die möglichen Konsequenzen zu kalkulieren." Zum Artikel

"USA Today": Absage des Treffens eine Peinlichkeit

"Lasst uns Präsident Trump dafür loben, dass er es mit Nordkorea richtig gemacht hat. Das ist genau so, als würde man einen zwanghaften Spieler dafür loben, dass er das Kasino verlassen hat, bevor er alles verloren hat, aber es ist besser als die Alternative. Die Absage des Treffens ist eine Peinlichkeit, die so vorhersehbar wie notwendig war, und fügt der US-Aussenpolitik noch mehr Schaden zu." Zum Artikel

"CNN": Selten war ein Präsident so ratlos

"Selten hat sich ein Präsident in Umgang mit der Koreakrise so ratlos gezeigt wie Trump. Mit seinen Schuljungen-Sticheleien über "Raketenmänner" und wilden Schwüngen zwischen Drohungen und zärtlichem Lob ist Trump sich treu geblieben." Zum Artikel

Deutschland

"Spiegel Online": Ausgang ist völlig unberechenbar

"Der Nordkorea-Flop zeigt wie in einem Brennglas das Hauptproblem dieses Präsidenten: Trump stellt einfache Lösungen in Aussicht, aber in der Aussenpolitik sind einfache Lösungen meistens eher unwahrscheinlich. Vor allem wenn es um Nordkorea geht.

Erst wird geblufft und gedroht, dann geschmeichelt, dann wieder gedroht, dann wieder geschmeichelt. Der Ausgang ist völlig unberechenbar, so wie die beiden Protagonisten." Zum Artikel

"Süddeutsche Zeitung": Ein dilettantisches Vorgehen

"Trump demütigt Kim mit der Gipfelabsage genau an dem Tag, an dem Nordkorea die Zerstörung seines Nuklearwaffen-Testzentrums zelebriert. Ein derart dilettantisches Vorgehen kann die ohnehin instabile Weltordnung erschüttern." Zum Artikel

"Neue Osnabrücker Zeitung": Eine fatale Kehrtwende

"Es ist eine fatale Kehrtwende: Das passiert, wenn zwei eitle Hitzköpfe aufeinandertreffen - oder eben nicht. Die Chance auf eine atomwaffenfreie Halbinsel Korea schwindet damit wieder, falls sie denn jemals existierte." Zum Artikel

"Augsburger Allgemeine": Neuer Tiefpunkt auf nach unten offener Richterskala

"Diese Absage ist ein neuer Tiefpunkt auf der nach unten offenen Richterskala für Trump’sche Absurditäten. Der US-Präsident lässt das Treffen mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un per Brief platzen, bringt aber Worte zu Papier, die fast so etwas wie Zärtlichkeit durchscheinen lassen." Zum Artikel

Schweiz

"Tages-Anzeiger": Ein typisch trumpscher Affront

"Dass der US-Präsident nur Stunden später den Gipfel abgesagt hat inklusive Kriegsdrohung, ist ein typisch trumpscher Affront. Das einzig Positive daran: Ein abgesagter Gipfel birgt weniger Gefahren als ein gescheiterter, der kann schnell zum Katalysator einer Krise werden.

Es scheint, als habe Donald Trump geglaubt, er könne den Korea-Konflikt bei einem Burger von Mann zu Mann lösen. Doch dazu braucht es diplomatische Knochenarbeit, in der unzählige Details geklärt werden, um einen gemeinsamen Nenner zu finden. Das aber hat Trump nie interessiert, er will den schnellen Erfolg, den er mit Twitter-Fanfaren verkünden kann." Zum Artikel

"Neue Züricher Zeitung": Besser kein Gipfel als ein Eklat

"Besser als ein Gipfel, an dem beide Seiten mit Schrecken erkennen, welch abgrundtiefer Graben zwischen ihnen klafft, ist eine Absage oder eine Verschiebung auf einen Zeitpunkt, zu dem realistischere Ideen über die Möglichkeiten einer Verständigung bestehen. Ein Eklat in Singapur, ein durchaus wahrscheinliches Szenario, hätte beiden Staaten unter Umständen nur noch den Weg der Eskalation gelassen." Zum Artikel

Grossbritannien

"Times": Verringert den Einfluss Amerikas

"Hoffnungen auf historische Abkommen zu wecken, nur um sie dann wieder sausen zu lassen, verringert den Einfluss und das Prestige Amerikas." Zum Artikel

"The Guardian": Wenig Überlegung und Sorgfalt

"Der Mangel in den USA an Vorbereitung, Koordination oder Klarheit über die Ziele und darüber, wie man sie angehen sollte, machte die Aussichten auf Fortschritte noch ärmlicher. Im Gegensatz dazu schien Trump zu glauben, der Friedensnobelpreis sei nur noch einen Plausch entfernt.

Das eigentliche Problem besteht nicht darin, dass der Gipfel abgesagt wurde, sondern dass er überhaupt mit derart wenig Überlegung und Sorgfalt angesetzt worden war." Zum Artikel

Frankreich

"La République des Pyrénées": Trumps Absage ist ultimative Demütigung

"Es ist die ultimative Demütigung: Ausgerechnet an dem Tag, an dem Nordkorea sein Atomtestgelände zerstört hat, sagt Trump das Gipfeltreffen ab. In jedem Fall ist diese Absage für Trump das Eingeständnis einer Niederlage, hatte er doch dieses Treffen angestrebt, um sein Image zu verbessern. Das hat nicht funktioniert." Zum Artikel

Spanien

"El Mundo": Schlag ins Gesicht für Hoffnungen auf Frieden

"Dies ist ein Schlag ins Gesicht für die Hoffnungen auf Frieden in einer der brennendsten Regionen des Planeten, obwohl es schwierig schien, in einem Gespräch zweier Führer mit derart impulsiven Charakteren und nur wenig diplomatischem Geschick eine glaubhafte Einigung zu erzielen (...), ohne dass sich vorher bilaterale Delegationen um die Details bemühen." Zum Artikel

Belgien

"De Standaard": Gespenst des Regimewechsels ist wieder da

"Damit taucht das Gespenst des "Regimewechsels" wieder auf, das die Regierung von George W. Bush nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 zu ihrem Markenzeichen machte. Auch die Drohung von Aussenminister Mike Pompeo Anfang dieser Woche mit den "strengsten Sanktionen der Geschichte" gegen den Iran können als Rückkehr Washingtons zur Bush-Doktrin gesehen werden.

Das konnte den Nordkoreanern den Appetit auf eine Vernichtung ihres Kernwaffenarsenals einfach nur vermiesen." Zum Artikel (ff/dpa)

Trotz der Gipfelabsage will Nordkorea an einem Treffen mit den USA festhalten. Die Reaktion aus Pjöngjang auf Trumps Rückzieher fiel dabei überraschend zurückhaltend aus. Man "bedauere" sogar das Nichtzustandekommen.