Koreanische Familien sehen sich nach fast einem Menschenleben wieder

Ab Montag treffen sich im nordkoreanischen Kumgang-Gebirge Familien wieder, die der Korea-Krieg auseinanderrissen hat. Es ist die erste Gelegenheit dieser Art seit drei Jahren und Ausdruck der Entspannung zwischen Nord und Süd. Wie tief die Menschen das Wiedersehen bewegt, zeigen Bilder vergangener Treffen. Viele Eltern und Kinder haben sich fast ein ganzes Leben nicht gesehen – und wissen, dass der Abschied für immer sein kann.

Zum ersten Mal seit fast drei Jahren wollen Süd- und Nordkorea wieder Begegnungen zwischen Familien organisieren, die der Korea-Krieg (1950-53) auseinandergerissen hat. Die Treffen sollen vom 20. bis zum 26. August am nordkoreanischen Kumgang-Gebirge in diesem Resort stattfinden [Archivbild vom Februar 2014].
Die aktuelle Familienzusammenführung ist Teil der Vereinbarungen, die Südkoreas Präsident Moon Jae In (rechts) und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un bei ihrem Gipfel Ende April getroffen haben. Etwa 200 ausgesuchte Personen werden teilnehmen.
Wie hier beim letzten Treffen 2015 transportieren Busse südkoreanische Familienangehörige hierzu nach Nordkorea. 1985 kommt es zum ersten organisierten Treffen zwischen Familienmitgliedern aus Süd- und Nordkorea, damals in kleinerem Rahmen. Seit 2000 finden die Treffen in jetziger Form im Rahmen eines Entspannungskurses statt, der "Sonnenscheinpolitik".
Dabei überqueren die Busse (hier bei der Rückkehr nach Südkorea 2003) die schwer bewachte innerkoreanische Pufferzone bei Goseong. Die Familienzusammenführungen sind ein zentrales Projekt der Sonnenscheinpolitik Südkoreas. Der ehemalige südkoreanische Präsident Kim Dae-jung erhielt dafür den Friedensnobelpreis.
Die Ankunft der Familienangehörigen wird in Nordkorea stets mit grossem Zeremoniell begangen. Zigtausende vornehmlich ältere Südkoreaner stehen auf der Warteliste, um ihre Verwandten in Nordkorea noch einmal vor dem Tod sehen zu können. Bis März 2018 sind bereits 56 Prozent der gut 130.000 südkoreanischen Bewerber gestorben.
Entsprechend gross ist jedes Mal die Freude, diesen Wunsch erfüllt zu bekommen. Schon 2015 sind die meisten angereisten Südkoreaner über 80 Jahre alt. Einige treten die Reise im Krankenwagen an oder sitzen im Rollstuhl. Manche können nur per Videokonferenz von Angesicht zu Angesicht mit ihren Verwandten sprechen.
Die Treffen selbst sind streng organisiert. Beim letzten Mal haben die seit sechs Jahrzehnten getrennten Familienangehörigen insgesamt sechsmal je zwei Stunden Zeit für ihr Treffen. Und immer wieder werden die Familienzusammenführungen ausgesetzt. Das diesjährige Treffen ist erst das 21. seiner Art.
Der Nordkoreaner Lee Han-Sik nimmt 2015 seine südkoreanische Stiefmutter Kwon Oh-Hye in den Arm. Südkorea will über den August hinaus regelmässige Treffen zwischen getrennten Familien ermöglichen. Anlässlich der aktuellen Entspannungspolitik wird auch die Möglichkeit eines Briefwechsels zwischen den betroffenen Familien besprochen.
Der Südkoreaner Gu Sang-Yeon trifft 2015 mit 98 Jahren seine nordkoreanische Tochter Gu Song-Ok vermutlich zum ersten und letzten Mal seit der Teilung Koreas. Der Koreakrieg von 1950 bis 1953 trennte Millionen Koreaner von ihren Verwandten.
Die 93 Jahre alte südkoreanische Mutter Lee Geum-Seok schliesst 2015 ihren 74-jährigen nordkoreanischen Sohn Han Song-Il in die Arme. Bei den Treffen bringen die Südkoreaner oft Geschenke und Bargeld mit, wobei sie von der südkoreanischen Regierung gewarnt werden, dass dieses teils vom nordkoreanischen Regime einbehalten wird.
Es ist wohl ein Abschied für immer, wenn sich wie hier 2015 die Familien am 26. August wieder trennen müssen.
Zuletzt bleibt nur ein Fingerzeig am Fenster der Busse, die die Südkoreaner zurück in ihre Heimat bringen.