Kim Jong Un verschärft den Nordkorea-Konflikt mit Nachbar Südkorea und den USA durch neue Drohgebärden. Sein Grossvater und Vater trieben das verarmte Land mit der selben Taktik einst in die Isolation. So tickt der Kim-Clan.

Die Geschichte des Kim-Clans ist eng mit den Siegermächten des Zweiten Weltkriegs verbunden. Mit der Kapitulation Japans am 15. August 1945 teilten diese Korea in eine nördliche, sowjetische und eine südliche, amerikanische Besatzungszone auf.

Und das, obwohl die Koreaner nach der Annexion durch Japan Anfang des 20. Jahrhunderts nach Unabhängigkeit strebten. Die USA fürchteten jedoch, das Land könnte kommunistisch werden.

US-Präsident droht Nordkorea mit drastischen Worten.


Kim Il Sung: Begründer der "Erbfolge"

1948 kam Kim Il Sung, protegiert durch den sowjetischen Staatschef Josef Stalin, im Norden an die Macht. Es folgte der Korea-Krieg (1950 – 1953) zwischen beiden Landes-Teilen, Koreaner kämpften gegen Koreaner.

Nach dem Waffenstillstand verfestigte Kim Il Sung die Teilung. Kaltblütig liess der einstige Machthaber politische Gegner ermorden. Ein Beispiel: 1987 sollen südkoreanischen Angaben zufolge nach einem gescheiterten Aufstand im Internierungslager Onsong bis zu 5.000 Gefangene hingerichtet worden sein.

Kim Il Sung wird weiter als Lebemann beschrieben. Er war zweimal verheiratet. Aus der ersten Ehe mit Kim Jong Suk stammte der spätere Machthaber Kim Jong Il. Um seine eigene Person etablierte Kim Il Sung einen Führerkult, der bis heute anhält.

In fast jedem nordkoreanischen Haus sollen Bilder und Statuen von ihm zu finden sein. Dennoch begehrte die eigene Partei einst auf. Reformer wähnten nach dem Tod Stalins 1956 ihre Chance - vergeblich.

Kim Il Sung reagierte, baute zu Lebzeiten Sohn Kim Jong Il zum Nachfolger auf. Nach seinem Tod wurde er zum "Ewigen Staatspräsidenten". Wie die deutsche Schriftstellerin Luise Rinser in einem Reisetagebuch festhielt, ausschliesslich auf Wunsch des Volkes hin.

Kim Il Jong: Lebemann, Luxus-Liebhaber, Provokateur

Kim Jong Il isolierte sein Land vollends. Er investierte in das Atomwaffenprogramm, während seine Landsleute hungerten. Drohungen manifestierte er durch den Austritt aus dem Atomwaffensperrvertrag.

Auch Kim Jong Il war ein Lebemann. Das äusserte sich in vielen Liebschaften: Er hatte sechs Kinder mit vier Frauen. Die in Japan geborene Tänzerin Ko Yong Hui gebar ihm schliesslich die Söhne Kim Jong Chol (1981) und Kim Jong Un (wohl 1982) sowie die Tochter Kim Yo Jong (wohl 1987).

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Der Hang zum Luxus zieht sich durch die Familie. Der Cognac-Hersteller Hennessy schilderte später, Kim Jong Il habe pro Jahr für 750.000 Dollar Alkohol bestellt.

Spektakulär: 1978 liess der Kino-Liebhaber den südkoreanischen Regisseur Shing Sang Ok und dessen Ehefrau, die Schauspielerin Choi Eun Hee, entführen. Shin drehte mehrere Filme für ihn, unter anderem den Godzilla-Remake "Pulgasari".

Warum weiss man vieles nicht?

Um die Kim-Dynastie ranken sich viele Gerüchte, dagegen gibt es kaum gesicherte Fakten. Internationale Medien sprachen etwa nie persönlich mit dem aktuellen Machthaber Kim Jong Un. Der Staatschef schottet sich ab.

Trotzdem versuchte sich das Magazin "Vanity Fair" an einem Porträt. Autor Mark Bowden sprach mit Kim-Kennern wie Ex-Basketball-Star Dennis Rodman, dem US-amerikanischen Vermittler Bill Richardson und der US-koreanischen Journalistin Jean H. Lee.

Kim Jong Un: Sportfan, Kettenraucher – und Kriegstreiber?

Kim Jog Un gilt als Sportfan, er soll Fussball lieben und Basketball-Legende Michael Jordan verehren. Ex-NBA-Star Rodman lud er wiederholt nach Nordkorea ein.

Weil er in der Schweiz die Internationale Schule in Gümligen sowie die Liebefeld Steinhölzli Schule besucht hat, spricht er gut Deutsch. Er soll ungesund leben, reichlich Zigaretten rauchen, zu viel Bier und Schnaps trinken.

Daher kommt wohl sein Erscheinungsbild. "Vanity Fair"-Autor Bowden bezeichnete ihn als "fett", demnach soll er 1,79 Meter gross und geschätzt 95 Kilogramm schwer sein.

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Doch seine Brutalität ist nicht zu unterschätzen. Flüchtlinge an der Grenze lässt er erschiessen, politische Opportunisten in Internierungslager einsperren.

Martialisch: Im Mai 2015 liess er laut südkoreanischem Geheimdienst Verteidigungsminister Hyon Yong Chol mit einem Luftabwehrgeschütz hinrichten. Angeblich, weil dieser bei einer Sitzung eingeschlafen war.

"Kim Jong Un ist kein Verrückter, will keinen Krieg, sondern sein Land gegenüber den USA unangreifbar machen. Er weiss genau, dass ein Krieg den Untergang für sein Regime und sein Land bedeuten würde", sagte indes der Politologe Oliver Thränert "Zeit Online".

Welche Einschätzungen gibt es zu Kim Jong Un?

Ihn treibt offenbar die Furcht vor einem Putsch um. Seinen Onkel Jang Song Thaek liess der Dikator im Dezember 2013 hinrichten – wegen angeblichen Hochverrats.

Ein Insider berichtete CNN, dass der Onkel sich bei Kim beschwert habe, warum dieser ein Luxus-Skiressort bauen wolle, während die Wirtschaft leide. Jang Song Thaek galt lange als zweitmächtigster Mann im Staat.

Auch der Tod von Halbbruder Kim Jong Nam auf dem Flughafen von Kuala Lumpur im Februar ist mysteriös. Er wurde ermordet, mit welchem Hintergrund, ist unklar. Laut Chinesen soll die Spur zum Regime nach Pjöngjang führen. Unzufriedene Eliten hätten den Halbbruder als Alternative zu Kim erwogen.

Bowden erklärt: "Er ist immer noch ein Fünfjähriger - im Alter von 32. Alles existiert nur, um ihm zu dienen. Er regiert wie ein König des 16. Jahrhunderts - als Herrscher von Gottes Gnaden."

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