Maybrit Illner spricht über den Antisemitismus von muslimischen Schülern. Die Politik sehe zu, wie immer mehr Schulen zu Orten des Hasses und der Hoffnungslosigkeit werden, so die Ausgangsthese. Brauchbare Lösungsansätze kommen dann auch nicht von den Politikern unter den Talkgästen, sondern von zwei Männern, die ihre eigenen Vorurteile überwanden und zu Vorbildern wurden.

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Ein wichtiges Thema hat sich die Redaktion von Maybrit Illner am Donnerstagsabend vorgenommen: Es geht um die deutschen Schulen, um Probleme mit mangelnder Disziplin, mit Gewalt und Antisemitismus.

In einem Punkt sind sich schon einmal alle einig: Dass Kinder aus muslimischen Elternhäusern jüdische Mitschüler mobben oder sogar bedrohen, darf man nicht tolerieren.

Ex-Lehrerin: auch einmal "die rote Karte zeigen"

Aber wie kann das verhindert werden? Die frühere Lehrerin Ingrid Freimuth pocht auf strenge Regeln und will, dass es die Möglichkeit gibt, auch einmal "die rote Karte zu zeigen".

Der Autor und Psychologe Ahmad Mansour wuchs einst selbst als muslimisches Kind in Israel auf und war vom Antisemitismus seines Umfelds beeinflusst. Heute hilft er muslimischen Jugendlichen, eben diese Vorurteile abzubauen, von denen er sich selbst befreit hat. Er findet, dass Lehrer besser in der Lage sein müssen, Schüler beispielsweise über den Nahost-Konflikt oder Verschwörungstheorien über Juden aufzuklären.

Ganz in ihrem Element ist die neue Bundesfamilienministerin Franziska Giffey, die vor allem die Themen vermarktet, für die sie demnächst das Geld des Finanzministers braucht: Ganztagsbetreuung, Kita-Ausbau, Jugendsozialarbeit. Dass sie immer wieder betont, der Schlüssel liege in der frühkindlichen Förderung, klingt irgendwann etwas zu bemüht.

Das gleiche gilt für Bayerns Innenminister Joachim Herrmann. Der sieht seine Funktion offenbar vor allem darin, zu erklären, was in Bayern alles gut läuft.

Giffey: "Das kann man so nicht machen"

Probleme werden deutlich benannt. Aber von den Menschen, denen Vorwürfe gemacht werden, ist niemand so recht vertreten, der darauf antworten könnte.

Warum zum Beispiel sitzt nicht die Berliner Bildungssenatorin im Studio? Schliesslich ist sie die Herrin über die Schulen der Bundeshauptstadt, um die es ja in erster Linie geht. Warum ist kein Vertreter einer muslimischen Gemeinde eingeladen, der gefragt wird, wie Muslime Antisemitismus in den eigenen Reihen bekämpfen wollen?

Es ist meistens eine Diskussion über "die anderen". Das wird Franziska Giffey irgendwann zu viel. "Das kann man so nicht machen", kritisiert sie - eine Bemerkung, die der Moderatorin offenbar gar nicht gefällt. Von diesem Moment an betont Illner, diese Debatte sei natürlich sehr differenziert.

"Wenn 70 bis 80 Prozent der Kinder aus zehn oder zwölf verschiedenen Nationen kommen – was bleibt der Grundschul-Lehrerin dann eigentlich anderes, als bei dieser Vielsprachigkeit nur noch Sackhüpfen und Klatschen zu machen?"

Diese Frage stellt Maybrit Illner tatsächlich. Ein Vorschlag: Die Migrantenanteile an Schulen sollten sich angleichen, damit Schüler mit ausländischen Wurzeln hier und da nicht mehr die grosse Mehrheit ausmachen.

Doch wie soll das umzusetzen sein? Soll der Staat Kinder aus reichen deutschen Bildungsbürgerfamilien vermehrt an Brennpunktschulen schicken, um den Migrantenanteil zu drücken?

Die Familienministerin legt bei diesem Thema den nötigen Realismus an den Tag: "Da sagt jeder Theoretiker: tolle Idee! Aber wenn es um das eigene Kind geht, ist das was anderes."

Franziska Giffey plädiert dafür, dass Lehrer die Schüler akzeptieren, die in ihren Klassen sitzen: "Wir können uns keine anderen Kinder wünschen. Wir haben die zu fördern, die da sind."

Vom Gang-Mitglied zum Studenten

Für den vielleicht eindrucksvollsten Auftritt sorgt der Berliner Yigit Muk: früher Mitglied einer Strassengang, jetzt Student. Er regt an, dass Berliner Schulen Partnerschaften mit israelischen Kibbuzen schliessen. "Freundschaft ist der beste Weg", sagt er.

Der 20-Jährige hat es - ebenso wie Ahmad Mansour - geschafft, sich von seinen eigenen Feindbildern zu verabschieden. Ein Imam wies ihn darauf hin, dass er andere Menschen behandeln muss, wie er selbst behandelt werden will. Und er hatte Lehrer, die ihn förderten und seine Vorbilder wurden.

"Wir müssen jungen Menschen Mut machen" - das ist seine einfache Botschaft. Vielleicht wäre ein erster Schritt gemacht, wenn Menschen wie Muk und Mansour überall in deutschen Schulen den Jugendlichen von ihren Erfahrungen erzählen würden.

Ahmad Mansour wuchs in einer arabischen Familie in Israel auf. Im Gespräch erklärt der Psychologe und Soziologe, warum die Mehrheitsgesellschaft in Deutschland erst gründlich umdenken muss, um eine Radikalisierung von jungen Muslimen zu verhindern.