Schweizer sind Vielflieger. Wenn es nach SP-Fraktionschef Roger Nordmann geht, soll damit bald Schluss sein. Er will feste Flugkontingente einführen, um die CO2-Emissionen drastisch zu reduzieren.

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Erst vorletzte Woche hat der Ständerat die Einführung einer Flugticketabgabe beschlossen. Nun fordert SP-Nationalrat Roger Nordmann bereits weitere Schritte: Der Waadtländer Politiker will eine Art Flugkontingent-System einführen, das ähnlich wie der Handel mit CO2-Zertifikaten in der Industrie funktioniert.

Jeder Bürger dürfte demnach drei Flüge pro Jahr unternehmen - ungenützte könnte man weiter verkaufen.

Bisherige Klimaziele reichen nicht aus

Auf Anfrage von "NZZ am Sonntag" begründet Nordmann seine Idee: Die ständerätliche Lenkungsabgabe führe gemäss den Berechnungen des Bundes zwar zu einem leichten Rückgang der Flüge, aber der Effekt reiche bei weitem nicht aus, um die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen.

Wie "20min.ch" berichtet, fliegen Schweizer etwa 9.000 Flugkilometer im Schnitt jährlich – und steigen damit doppelt so häufig ins Flugzeug wie die deutschen Nachbarn. Das sei schlichtweg viel zu viel für die Umwelt. "Es kann so einfach nicht weitergehen", findet Nordmann.

Geteilte Meinung zum Tabuthema

Seine Idee, drastische Mittel zu ergreifen, um letzten Endes die Umwelt zu schützen, findet auch bei bürgerlichen Politikern Anklang: "Ohne Massnahmen ist der Flugverkehr in ­wenigen Jahren das grösste Klimaproblem der Schweiz", sagte etwa FDP-Ständerat Damian Müller während der Debatte zur Flugticketabgabe in der kleinen Kammer.

Trotzdem wäre Nordmanns Idee ein Tabubruch, denn bisher werden Flugkontingente von keinem Umweltverband gefordert. Selbst die Präsidentin der Grünen, Regula Rytz, zeigt sich gegenüber "NZZ" skeptisch: "Das tönt mir zu sehr nach Ablasshandel", sagt sie. "Ein solches System sendet ein falsches Signal aus, nämlich dass jedem ein Kontingent für Umweltbelastung zusteht. Dabei müsste das Ziel doch sein, rasch auf netto null zu kommen." (jkl)  © 1&1 Mail & Media / SN