Selbst konservative Journalisten reagierten verärgert auf Trumps jüngsten Auftritt vor der Presse. Seine Wähler dagegen loben den US-Präsidenten als "unorthodox".

Nach 26 Tagen und einer äusserst denkwürdigen Pressekonferenz von US-Präsident Donald Trump reichte es Shepard Smith. Der Moderator des konservativen - und eigentlich Trump-freundlichen - Senders Fox News hielt es nicht mehr aus und machte seinem Ärger live vor einem Millionenpublikum Luft. "Es ist verrückt, was wir da jeden Tag sehen, komplett verrückt", sagte Smith.

Trump wiederhole "absurde Sätze, die einfach nicht wahr sind und geht der Frage nach Russland aus dem Weg. Als wären wir Deppen, danach zu fragen", redete sich der Moderator in Rage. Schliesslich blickte er direkt in die Kamera und sagte an den US-Präsidenten gerichtet: "Nein, Sir, wir sind keine Deppen, wenn wir diese Fragen stellen. Wir fordern Sie auf, diese Frage zu beantworten, Sie schulden uns diese Antwort."

US-Präsident Donald Trump hat eine denkwürdige Pressekonferenz gegeben - und dabei die unterschiedlichsten Themen aufgegriffen. Er attackierte unter anderem Barack Obama und Hillary Clinton und betonte, wie zufrieden die US-Bürger mit ihm als Präsident seien. Einige von Trumps Aussagen im Faktencheck.

Selten waren sich die US-Medien so einig wie nach dem 77 Minuten langen Auftritt des US-Präsidenten am Donnerstag: Die Auseinandersetzung zwischen Trump und der Presse hat ein neues Level erreicht. Der US-Präsident hatte die Pressekonferenz für einen Rundumschlag genutzt - er lobte sich und seine Regierung und beschimpfte Journalisten, Zeitungen und TV-Sender wiederholt als Lügner.

"Ein unglaublicher Moment in der Geschichte", schrieb CNN nach der Pressekonferenz. "Trump schimpft und zetert auf seiner Pressekonferenz, um zu beweisen, dass er nicht schimpft und zetert", kommentierte die "Los Angeles Times". Trump sei zugleich wütend und heiter gewesen, hiess es in der "Washington Post": Mit seinem unberechenbaren Auftritt habe der Präsident seinen Anhängern zeigen wollen, wer der Boss ist.

Kritisiert wurde vor allem auch Trumps Umgang mit einem Journalisten des jüdisch-orthodoxen Magazins "Ami". Er sprach Trump auf die steigende Zahl antisemitischer Übergriffe im Land an, wurde aber jäh vom Präsidenten abgewürgt und aufgefordert, sich hinzusetzen. Jüdische Gruppen wie das AJC und die Antidiffamierungsliga zeigten sich bestürzt.

Auch Trumps Reaktion auf die Frage einer schwarzen Reporterin wurde heftig kritisiert. April Ryan hatte von Trump wissen wollen, ob er mit dem Congressional Black Caucus zusammenarbeiten werde, einer Vereinigung, die afroamerikanische Kongressabgeordnete repräsentiert.

US-Präsident änderte schon mehrfach seine Meinung in der Aussenpolitik.

Der US-Präsident entgegnete: "Machen Sie ein Treffen aus?". Und fügte später hinzu: "Sind das Ihre Freunde?". Mitglieder des Congressional Black Caucus reagierten entsetzt. Der Republikaner Jim Clyburn warf Trump Respektlosigkeit vor. "Er würde keinen anderen Reporter stellvertretend für eine Gruppe so etwas fragen, also warum macht er das mit ihr?"

Nach Einschätzung von "Vox.com" wiederholte Trump hier ein Verhalten, für das er schon oft kritisiert worden sei: Schwarze als monolithische Gruppe zu sehen, deren Mitglieder alle gleich handelten. "Er definiert eine ganze Gruppe von Menschen nicht nur ihrem kleinsten gemeinsamen Nenner entsprechend, es ist auch schlichtweg entmenschlichend, Individuen nur als Teil einer Gruppe zu behandeln", schreibt German Lopez auf "Vox".

Wie wenig diese Pressekonferenz allerdings am positiven Bild Trumps bei seinen Anhängern ändern würde, ahnte wohl Fox-Moderator Shepard Smith bereits bei seinem Wutausbruch. "Ihre Anhänger werden Sie weiterhin unterstützen", sagte er an Trump gewandt. Und er sollte Recht behalten.

Unmittelbar nachdem sein Video veröffentlicht wurde, wurde der Moderator Ziel von Hasstiraden in den sozialen Netzwerken: Smith lüge, warfen ihm Nutzer auf Twitter vor. Er solle gefeuert werden und sich den anderen "Fake News Sendern" anschliessen.

Hier finden Sie eine vollständige Mitschrift der Pressekonferenz der "New York Times".© SPIEGEL ONLINE

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