• Luisa Neubauer hat am Sonntag beim Grünen-Bundesparteitag in Bonn gesprochen.
  • Die Aktivistin fordert in ihrer Rede von der Partei mehr Einsatz für den Klimaschutz.
  • Sie zweifelt zudem Zahlen an, die der Kohle-Vereinbarung mit dem Energiekonzern RWE zugrunde liegen.

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Die Aktivistin Luisa Neubauer hat von den Grünen mehr Einsatz für den Klimaschutz innerhalb der Bundesregierung gefordert. "Ihr regiert unter den härtesten nur vorstellbaren Bedingungen", gestand die Vertreterin der Bewegung Fridays for Future am Sonntag beim Grünen-Bundesparteitag in Bonn zu. Die Grünen liessen sich aber auf zu viele unzulässige Kompromisse ein und ignorierten dabei die Realität der Klimakatastrophe. "Stürme und Dürren in nicht gekanntem Ausmass, das ist die Realität." Neubauer ist selbst Grünen-Mitglied.

Die Aktivistin räumte ein, dass der Ausstieg aus Erdgas-, Öl- und Kohle-Energie seit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine ein anderer sein müsse als zuvor. Sie verstehe aber nicht, dass nun neue Infrastruktur zur Nutzung fossiler Energien entstehen solle, die es auf die Dauer nicht brauche und dass Verträge unterschrieben würden, die im Widerspruch zum Pariser Klimaabkommen stünden.

Neubauer: "Da sättigt man die Demokratie lieber noch mit einer Runde Öl von Verbrechern"

"Da wird dann erklärt, dass man sich nicht im Kleinen verkämpfen soll, da sättigt man die Demokratie lieber noch mit einer Runde Öl von Verbrechern, damit die Gesellschaft nicht die Laune verliert für den Klimaschutz." Neubauer fuhr fort: "Da werden klimafeindliche Entscheidungen so plausibel verteidigt - wenn man still ist, hört man irgendwo ein Ökosystem weinen."

Neubauer zweifelte auch die Zahlen an, die der Kohle-Vereinbarung der grün geführten Wirtschaftsministerien im Bund und in Nordrhein-Westfalen mit dem Energiekonzern RWE zugrunde liegen. Vorgesehen ist, den Kohleausstieg im Rheinischen Revier um acht Jahre auf 2030 vorzuziehen. Zugleich sollen angesichts der aktuellen Energiekrise zwei Braunkohlekraftwerke länger als geplant laufen. Die Siedlung Lützerath in Nordrhein-Westfalen - ein Symbol der Klimaschutzbewegung - soll abgerissen werden, um dort Kohle zu fördern.

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Die Ablehnung von klimapolitischen Forderungen als unrealistisch wies Neubauer zurück. "Wenn hier irgendwas unrealistisch ist, dann, dass wir in irgendeiner Form von stabiler Demokratie, Ökonomie oder europäischer Friedensordnung leben, wenn uns die Lebensgrundlagen bei 2, 3, 4 Grad um die Ohren fliegen", sagte sie mit Blick auf die zunehmende Erwärmung der Temperaturen auf der Erde.

"Liebe Grüne, egal wie hart unsere Kritik ist und wie laut unser Protest, wir entlassen euch nicht aus der Verantwortung", sagte Neubauer. "Wir setzen auf euch." (dpa/mbo)  © dpa