• Russlands Verteidigungsminister Sergej Schoigu hält die Gegenoffensive der Ukraine im Süden des Landes für "weitgehend gescheitert".
  • Die ukrainische Armee habe "hohe Verluste" erlitten, sagte Schoigu.
  • Die Ukraine meldete am Freitag dagegen die Zerstörung russischer Munitionsdepots im Hinterland.

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Die von der Ukraine gestartete Gegenoffensive im Süden des Landes ist aus Sicht von Russlands Verteidigungsminister Sergej Schoigu weitgehend gescheitert. "Die ukrainischen Streitkräfte setzen den Versuch von Angriffen im Raum zwischen Mykolajiw und Krywyj Rih und in anderen Richtungen fort, der Feind erleidet hohe Verluste", sagte Schoigu am Freitag bei einer Besprechung, die auf dem Telegram-Kanal des Ministeriums gezeigt wurde. Kiews einziges Ziel bei der Offensive sei es, "bei den westlichen Kuratoren die Illusion zu erzeugen, die ukrainische Armee sei zu Angriffen fähig."

Widersprüchliche Angaben der Kriegsparteien

Ziel der ukrainischen Angriffe ist es, die westlich des Dnipro stehenden russischen Truppen im Gebiet Cherson hinter den Fluss zurückzutreiben. Die Ukraine teilte am Freitag mit, in der Region mehrere Munitionslager zerstört zu haben. Schoigu erklärte dagegen, die russischen Truppen seien an die Gebietsgrenze zur benachbarten Region Mykolajiw vorgestossen. Die Angaben der beiden Kriegsparteien sind also widersprüchlich, unabhängig lassen sie sich nicht überprüfen.

Schoigu sprach zudem von weiteren Erfolgen der russischen Armee im Osten der Ukraine. Dort hätten die Truppen zuletzt den schwer befestigten Ort Pisky direkt vor Donezk eingenommen. Dabei hatten russische Quellen die Einnahme von Pisky bereits vor einem Monat das erste Mal vermeldet.

Schoigu bestreitet Stationierung von schweren Waffen in Atomkraftwerk

Schoigu äusserte sich auch zur Lage am von Russland besetzten ukrainischen Atomkraftwerk Saporischschja. Er sagte, Russland habe dort keine schweren Waffen stationiert. "Ich erkläre verantwortungsvoll, dass wir keine schweren Waffen auf dem Gelände des Kernkraftwerks oder in den angrenzenden Gebieten haben." Er hoffe, die Experten der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA könnten sich davon überzeugen.

Schoigu beschuldigte die Ukraine, seit Mitte Juli regelmässig die Infrastruktur des AKW mit westlichen Waffen angegriffen zu haben. In seiner auf dem Telegram-Kanal des Ministeriums verbreiteten Rede sprach er von 29 Angriffen seit dem 18. Juli. Es seien insgesamt 120 Granaten abgefeuert worden. Die Ukraine macht dagegen Russland für die Angriffe verantwortlich. Die Angaben der Kriegsparteien lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

Die "Provokationen" Kiews gingen trotz der Ankunft der internationalen Experten weiter, sagte Schoigu. Demnach soll am Donnerstag nicht nur das AKW beschossen worden sein, sondern auch der Weg der Inspekteure. Im Falle eines möglichen Notstands trage Kiew die alleinige Verantwortung. Er erwarte "objektive Ergebnisse" von der IAEA-Mission, sagte der Verteidigungsminister. Zuvor hatte die ukrainische Seite erklärt, Russland verhindere, dass die Experten objektive Fakten zur Lage des AKW zusammentragen könnten. (dpa/fab)

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