Die EU zeigt sich mit Grossbritannien solidarisch und reagiert nach dem Giftanschlag auf den Ex-Doppelagenten Skripal mit der Ausweisung von mehreren russischen Diplomaten. Auch die USA ergreifen Massnahmen gegen Moskau und verbannen 60 Geheimdienstmitarbeiter aus dem Land. Russland kündigt Vergeltung an.

Deutschland weist wegen des Giftanschlags auf den Ex-Doppelagenten Sergej Skripal in Grossbritannien vier russische Diplomaten aus. Die Diplomaten müssen Deutschland innerhalb von sieben Tagen verlassen.

Diese Aufforderung sei der russischen Botschaft übermittelt worden, teilte das Auswärtige Amt mit. Zugleich wurde betont, die Bundesregierung bleibe weiterhin zum Dialog mit Russland bereit.

EU-Ratspräsident Donald Tusk teilte am Rande des EU-Türkei-Treffens im bulgarischen Warna mit, dass insgesamt 15 EU-Staaten russische Diplomaten ausweisen.

Auch die USA ergreifen wegen des Russland zugeschriebenen Giftangriffs Massnahmen und weisen 60 russische Geheimdienstmitarbeiter aus. Ausserdem werde das russische Konsulat in Seattle geschlossen.

Russland kündigt Vergeltung an

Russland verurteilte die Ausweisungen scharf. Moskau werde natürlich darauf reagieren, teilte das Aussenministerium mit. "Es versteht sich von selbst, dass der unfreundliche Schritt der Ländergruppe nicht folgenlos bleiben wird", hiess es.

Die Massnahmen tragen nach Moskauer Ansicht nichts zur Aufklärung des Giftanschlags bei. Es sei lediglich eine Fortsetzung der Konfrontation und eine Provokation.

Die Verbündeten Grossbritanniens "folgen blind dem Grundsatz der euroatlantischen Einheit entgegen des gesunden Menschenverstandes", hiess es in der Mitteilung. Es gebe keine objektiven Beweise, dass Moskau für den Anschlag verantwortlich sei.

Auch Cyber-Angriff von Hackern wohl Grund für Ausweisung

Der Schritt der Bundesregierung wird mit der Solidarität zu Grossbritannien und wohl auch mit dem Cyber-Angriff von Hackern auf das Auswärtige Amt mit mutmasslich staatlichem russischem Hintergrund begründet. Eine offizielle Erklärung der Bundesregierung dazu steht noch aus.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatten angekündigt, weitere Schritte als Reaktion auf den Anschlag miteinander abzustimmen. "Wir wollen uns koordinieren in unseren Reaktionen", hatte Merkel am Freitag nach dem EU-Gipfel in Brüssel gesagt.

Der tschechische Premierminister Andrej Babis erwog am Rande des Gipfels bereits die Ausweisung russischer Diplomaten.

Aussenminister Heiko Maas (SPD) hatte bereits am Wochenende mit dem französischen Aussenminister Jean-Yves Le Drian telefoniert und über eine mögliche gemeinsame Reaktion gesprochen.

Diplomatische Spannungen zwischen EU und Russland

Die EU-Aussenbeauftragte Federica Mogherini hatte sich am Sonntag in Brüssel mit ihrem aus Moskau zurückbeorderten Botschafter Markus Ederer beraten. Ederer werde die Konsultationen in den nächsten Tagen fortsetzen, teilte eine Sprecherin Mogherinis mit.

Die EU-Staats- und Regierungschefs hatten bei ihrem Gipfel erklärt, Russland stecke sehr wahrscheinlich hinter der Tat. Der EU-Botschafter war zu Konsultationen zurückgerufen worden. Dies galt als Zeichen des Protests und der diplomatischen Spannungen. Nach offiziellen Angaben ist es das erste Mal, dass die EU zu dem Mittel greift.

Im Gespräch ist nun, dass mehrere EU-Länder ebenfalls Diplomaten zurückzurufen oder auch russische Diplomaten auszuweisen. Der russische Botschafter in Berlin, Sergej Netschajew, hatte am Samstag vor Gegenmassnahmen gewarnt.

Überblick über die Staaten, die russische Diplomaten ausgewiesen haben:

  • Ausserhalb der EU haben die USA 60 russische Geheimdienstmitarbeiter aufgefordert, das Land zu verlassen.
  • Kanada weist 4 und die Ukraine 13 russische Diplomaten aus
  • Deutschland: 4 Diplomaten
  • Frankreich: 4 Diplomaten
  • Polen: 4 Diplomaten
  • Tschechien: 3 Diplomaten
  • Litauen: 3 Diplomaten
  • Italien: 2 Diplomaten
  • Niederlande: 2 Diplomaten
  • Dänemark: 2 Diplomaten
  • Estland: 1 Diplomat
  • Lettland: 1 Diplomat
  • Schweden: 1 Diplomat
  • Rumänien: 1 Diplomat
  • Finnland: 1 Diplomat
  • Kroatien: 1 Diplomat
  • Norwegen: 1 Diplomat
  • Grossbritannien hatte zuvor die Ausweisung von 23 russischen Diplomaten angeordnet.

(dpa/tfr)