Die Lage in der Ukraine eskaliert: Bei Gefechten nahe der ostukrainischen Stadt Slawjansk wurden mehrere Separatisten wie auch Angehörige der Regierungstruppen getötet. Prorussische Kräfte haben zudem erneut einen Kampfhubschrauber des ukrainischen Militärs abgeschossen. Alle weiteren Entwicklungen in der Ukraine lesen Sie hier im Ticker.

17:37 Uhr: Erstmals seit dem umstrittenen Anschluss der ukrainischen Halbinsel Krim an Russland geht die Justiz gegen Mitglieder der dortigen tatarischen Minderheit vor. Nach einem Grenzzwischenfall leitete die Staatsanwaltschaft zahlreiche Ermittlungsverfahren ein. Weit mehr als 1.000 Krimtataren hatten am Samstag einem ihrer Anführer trotz Verbots die Einreise vom ukrainischen Festland auf die Krim ermöglichen wollen.

Separatisten schiessen Kampfhubschrauber ab

17:09 Uhr: In Estland haben etwa 6.000 Soldaten eine dreiwöchige Militärübung begonnen, darunter 550 Einsatzkräfte aus mehreren anderen Nato-Ländern. Neben Soldaten aus den USA und Grossbritannien sind an dem Manöver auch Einheiten aus Lettland, Litauen, Polen, Belgien und Frankreich beteiligt, wie das Verteidigungsministerium des baltischen EU- und Nato-Landes am Montag mitteilte. Wegen der Ukraine-Krise hatte die Nato eine stärkere Präsenz im Baltikum beschlossen. Mit der Übung soll die Abstimmung zwischen verschiedenen Einheiten trainiert werden. Das grösste jährliche Manöver ist zugleich der Abschlusstest für die Wehrpflichtigen.

16:13 Uhr: Nahe der umkämpften ostukrainischen Stadt Slawjansk haben prorussische Kräfte erneut einen Kampfhubschrauber der Regierungstruppen abgeschossen. Die Besatzung des Mi-24 habe den Absturz in einen Fluss überlebt und sei von einem Spezialkommando in Sicherheit gebracht worden.

Gauck appelliert an Moskau: OSZE in Ukraine unterstützen

15:55 Uhr: Bundespräsident Joachim Gauck hat im Konflikt um die Ukraine Schritte zur Entspannung und Gesprächsbereitschaft aller Beteiligten gefordert. Bei einem Staatsbesuch in Tschechien sagte Gauck am Montag: "Es ist für uns in Europa nicht hinnehmbar, dass mit Drohungen Politik gemacht wird." Nach einem Treffen mit dem tschechischen Präsidenten Milos Zeman betonte Gauck in Prag: "Wir wünschen uns eine aktive Politik, die auf Entspannung setzt anstatt auf Zuspitzung." Alle Beteiligten seien aufgerufen, die Ruhe zu bewahren und an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

15:50 Uhr: Kremlchef Wladimir Putin hat einem Zeitungsbericht zufolge Hunderte Journalisten für ihre Berichterstattung über den Anschluss der Schwarzmeerhalbinsel Krim an Russland ausgezeichnet. Gelobt würden in dem Dekret Putins "hohe Professionalität und Objektivität", berichtete die Moskauer Zeitung "Wedomosti" am Montag. Der Ukas N269 sei am 22. April unterzeichnet worden, werde aber bisher geheim gehalten, hiess es. Auf der Liste stünden insgesamt 300 Namen, darunter die von 90 Korrespondenten.

15:34 Uhr: UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat angeboten, zwischen den Konfliktparteien in der Ukraine zu vermitteln. Zugleich rief er am Montag alle Seiten auf, die schwere Krise "mit friedlichen Mitteln" beizulegen, wie es in einer Erklärung Bans an die Nachrichtenagentur AFP in Abu Dhabi heisst. Er sei bereit, dabei "meine eigene Rolle zu spielen, wenn das notwendig ist".

14:36 Uhr: Die Bundesregierung hat die aus der Geiselhaft in der Ukraine freigelassenen OSZE-Beobachter gegen Kritik in Schutz genommen. "Es gibt keine Indizien bisher für irgendein Fehlverhalten der internationalen Mission vor Ort", sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums nach ersten Untersuchungen. Die Linke und der CSU-Vizechef Peter Gauweiler hatten die Mission zuvor kritisiert. Am Samstag war das internationale Team von Militärbeobachtern, darunter vier Bundeswehrsoldaten, nach acht Tagen in der Gewalt prorussischer Separatisten freigelassen worden.

Merkel für neues Ukraine-Treffen in Genf

13:12 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) unterstützt die Bemühungen um ein neues Treffen zur Lösung des Ukraine-Konflikts in Genf. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte am Montag, in dieser Frage gebe es "keinen Dissens zwischen der Bundeskanzlerin und dem Bundesaussenminister". "Wir wollen das Gleiche. Es gibt keinen Unterschied in unserer Haltung." Angesichts der neuen Kämpfe hatte Steinmeier am Sonntagabend für ein neues Treffen zwischen den USA, Russland, der Ukraine und der Europäischen Union plädiert. Die Vereinbarungen des ersten Genfer Treffens von Mitte April werden bislang kaum umgesetzt.

13:08 Uhr: Das russische Aussenministerium hat in einem Bericht schwere Menschenrechtsverletzungen in der Ukraine angeprangert. Anhänger der prowestlichen Regierung würden Gegner mit "Repressionen, physischer Gewalt und offenem Banditentum" einschüchtern, heisst es darin. Zudem seien in der Ukraine Ultranationalismus, Extremismus und Neonazismus auf dem Vormarsch.

12:57 Uhr: Deutschland wird nach der Freilassung der westlichen Militärbeobachter vorerst an keinen weiteren Militärmissionen der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) in der Ukraine teilnehmen. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums vom Montag ist bis zur Präsidentenwahl in der ehemaligen Sowjetrepublik, die am 25. Mai stattfinden soll, keine Entsendungen von Bundeswehr-Soldaten mehr geplant.

Tote bei Kämpfen vor Slawjansk

12:15 Uhr: Bei den anhaltenden Kämpfen zwischen prorussischen Separatisten und ukrainischen Regierungstruppen nahe der Stadt Slawjansk sind mehrere Menschen getötet worden. Das bestätigte der ukrainische Innenminister Arsen Awakow.

11:52 Uhr: Privatbank, die grösste Bank der Ukraine, schliesst ihre Filialen in Donezk und Luhansk. Sie könne keine Bargeldtransaktionen mehr in den von Separatisten besetzten Regionen durchführen, erklärte sie einem Bericht des "Business Recorder" zufolge. Man wolle nicht die Leben der Mitarbeiter gefährden.

11:26 Uhr: Auch in die Südukraine sollten Reisende derzeit besser nicht fahren. Das Auswärtiges Amt in Berlin erweiterte seinen Reisehinweis für das Land und rät nun auch dringend von Reisen in die südlichen Landesteile ab. Bislang galt das nur für den Osten und die Krim. Grund dafür sind gewaltsame Ausschreitungen in Odessa. Die meisten Reiseveranstalter und Reedereien bieten derzeit wegen der politischen Krise ohnehin keine Reisen in die Ukraine an.

11:02 Uhr: Enttäuschende Wirtschaftsdaten aus China sowie der sich weiter zuspitzende Konflikt in der Ukraine haben dem deutschen Aktienmarkt zum Handelsauftakt am Montag etwas zugesetzt. Im frühen Handel fiel der deutsche Leitindex Dax um 0,28 Prozent auf 9530 Punkte. In der feiertagsbedingt verkürzten Vorwoche hatte er um mehr als anderthalb Prozent zugelegt. Der MDax verlor 0,35 Prozent auf 16 071 Punkte, während sich der TecDax mit minus 0,09 Prozent bei 1227 Punkten kaum unverändert hielt. Der EuroStoxx 50 büsste 0,47 Prozent ein.

Unions-Politiker massregeln Gauweiler für OSZE-Schelte

10:47 Uhr: Nach der Kritik von CSU-Vize Peter Gauweiler am Einsatz von OSZE-Militärbeobachtern in der Ukraine haben sich einflussreiche Unions-Politiker von ihrem Kollegen distanziert. CSU-Chef Horst Seehofer sagte der "Passauer Neuen Presse" (Montagsausgabe), Gauweilers Äusserungen gäben "in weiten Teilen seine persönliche Haltung wieder, gerade in Hinblick auf den Oberst". Gemeint war damit OSZE-Teamleiter Oberst Axel Schneider, der dem Separatistenführer Wjatscheslaw Ponomarjow die Hand geschüttelt hatte und dafür von Gauweiler angegriffen worden war.

Der Parlamentarische Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe, Max Straubinger, nannte es im Gespräch mit der Mediengruppe Straubinger Tagblatt/Landshuter Zeitung (Montagsausgaben) "eine ziemliche Frechheit, vom gemütlichen Schreibtisch in München aus das Verhalten deutscher Soldaten in Geiselhaft zu massregeln". Das "schlagzeilenträchtige Interview" Gauweilers mit dem "Spiegel"-Magazin sei "unerträglich", denn: "Die Soldaten wurden als Geiseln genommen, wurden öffentlich vorgeführt und standen in einer ungeheuerlichen Drucksituation."

Turtschinow spricht von "Krieg"

10:23 Uhr: Der ukrainische Interimspräsident Alexander Turtschinow hat Russland Kriegstreiberei vorgeworfen. "Es ist ein Krieg gegen unser Land im Gange vonseiten der Russischen Föderation - sowohl im Osten als auch im Süden des Landes", sagte Turtschinow dem Kiewer Fernsehsender 5. Kanal. Russland versuche weiter, die Lage vor der Präsidentenwahl am 25. Mai "völlig zu destabilieren".

09:45 Uhr: In den kommenden Tagen stehen wichtige Termine an, die zu einer Entspannung der Lage in der Ostukraine genutzt werden sollen. Am Dienstag treffen sich Aussenministertreffen des Europarates. In Wien werden dazu 30 Aussenminister erwartet, darunter Sergej Lawrow (Russland). In Washington berät gleichzeitig die EU-Aussenbeauftragte Catherine Ashton mit der US-Regierung über eine gemeinsame Haltung in der Ukraine-Krise. Am Mittwoch kommt dann der OSZE-Vorsitzende Didier Burkhalter kommt zu Gesprächen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin nach Moskau. Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) bemüht sich seit Monaten um einen Ausgleich in der Ukraine.

09:30 Uhr: Der deutsche Aussenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) warb am Sonntag im ARD-"Bericht" aus Berlin zur Beilegung des Konflikts für eine zweite Genfer Konferenz. Die ursprünglichen Vereinbarungen der USA, Russlands, der Ukraine und der EU - darunter Gewaltverzicht und Entwaffnung aller illegal Bewaffneten - sind bisher nicht umgesetzt worden. Es sieht allerdings nicht danach aus, dass es in Kürze zu weiteren Friedensgesprächen kommt.

09:00 Uhr: In dem strategisch wichtigen Slawjansk sind seit Tagen ukrainische Soldaten mit Panzerfahrzeugen, Hubschraubern und Gefechtswagen im Einsatz. Dabei gab es nach offiziellen Angaben zahlreiche Tote. Ungeachtet aller Appelle für eine friedliche Lösung in der Ukraine gehen die militärischen Auseinandersetzungen vor allem im Osten des Landes weiter. Die Separatisten haben nach eigenen Angaben Gebäude in wichtigen Städte unter ihrer Kontrolle. Auf Seiten der prorussischen Separatisten seien am Montag schwer verletzt worden.

Mit Material von dpa und AFP.