Die Lage in der Ukraine beruhigt sich nicht, Medien melden Dutzende Tote - es droht ein Bürgerkrieg. Der deutsche Aussenminister Frank-Walter Steinmeier warnt vor der Gefahr eines offenen militärischen Konflikts. Das Auswärtige Amt rät deutschen Bürgern zur Ausreise aus der Süd- und Ostukraine. Alle weiteren Entwicklungen in der Ukraine lesen Sie hier im Ticker.

17:15 Uhr: Menschenrechtler haben schwere Misshandlungen von Geiseln in der Gewalt prorussischer Kräfte in der Ostukraine beklagt. Das Schicksal von Dutzenden Gefangenen sei unklar, teilte die Organisation Human Rights Watch (HRW) am Dienstag in Donezk mit. Freigelassene Geiseln wiesen zudem Verletzungen von Schlägen auf, sagte HRW-Expertin Anna Neistat. Schwer bewaffnete Gegner der neuen Regierung in Kiew würden Aktivisten, Journalisten und Funktionäre in ihre Gewalt bringen. Es gebe zahlreiche Vermisste.

17:12 Uhr: Bundesaussenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) dringt trotz aller diplomatischen Schwierigkeiten auf eine baldige zweite Genfer Konferenz zur Lösung der Ukraine-Krise. Die Situation in der Ostukraine verschlechtere sich zusehends. "Es kann und darf nicht bleiben, wie in diesen letzten Tagen", sagte Steinmeier am Dienstag in Wien. Eine neue Genfer Konferenz müsse das Blutvergiessen beenden und endlich den Weg zu einer Entschärfung des Konflikts bereiten.

Ukrainische Politiker fordern Freiwilligenarmee

Kiewer Regierung scheint endgültig Kontrolle verloren zu haben.

16:38 Uhr: Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) hat in der Ukraine eine Waffenruhe zur Abhaltung der geplanten Präsidentenwahl gefordert. Für die Wahl sei eine Waffenruhe erforderlich, sagte OSZE-Präsident Didier Burkhalter am Dienstag am Flughafen in Wien vor der Abreise nach Russland. Burkhalter will am Mittwoch in Moskau mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin über die Krise in der Ukraine beraten. Die Präsidentenwahl in der Ukraine ist für den 25. Mai geplant.

16:18 Uhr: Die frühere ukrainische Premierministerin Julia Timoschenko und weitere politische und militärische Spitzenkräfte fordern die Bildung einer Freiwilligenarmee, um das ukrainische Militär bei Auseinandersetzungen mit prorussischen Rebellen zu unterstützen. Das berichtet die "Washington Post" auf ihrer Webseite.

Russland will Separatisten aus Ukraine an Krisengespräch beteiligen

16:09 Uhr: Im Ukraine-Konflikt hat Russland die Einbindung der prorussischen Kräfte in neue Friedensgespräche gefordert. Ohne die Beteiligung der prorussischen Kräfte mache ein neues Treffen in Genf keinen Sinn, sagte der russische Aussenminister Sergej Lawrow am Dienstag in Wien.

Eine Teilnahme der Separatisten kommt für die ukrainische Regierung aber nicht infrage. "Wir vertreten als ukrainische Regierung alle Regionen der Ukraine", sagte Aussenminister Andrej Deschtschiza in Wien. Das ukrainische Parlament lehnte zugleich ein parallel zu der Abstimmung am 25. Mai geplantes Referendum über die territoriale Einheit der Ex-Sowjetrepublik ab.

15:41 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die offenbar geplante Abhaltung einer russischen Militärparade auf der Schwarzmeer-Halbinsel Krim am 9. Mai kritisiert. Es sei "schade", den Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs "in einem solchen Spannungsfeld" für eine Parade zu nutzen, sagte Merkel am Dienstag bei einer Pressekonferenz mit dem zyprischen Präsidenten Nikos Anastasiadis in Berlin. Presseberichten zufolge könnte der russische Präsident Wladimir Putin anlässlich der Parade erstmals die annektierte ukrainische Halbinsel besuchen.

Ukrainisches G7-Staaten wollen Gas-Abhängigkeit von Moskau reduzieren

14:17 Uhr: Die G7-Staaten wollen sich wegen der Ukraine-Krise mit Flüssiggas-Importen, grossen Gasspeichern und mehr Pipelines aus der Abhängigkeit von russischen Gaslieferungen befreien.

Die Energieminister der führenden sieben Industriestaaten vereinbarten am Dienstag bei einem Sondertreffen in Rom einen 13-Punkte-Plan. Allerdings bestand Einigkeit, dass Änderungen nur mittelfristig erzielt werden können.

14:00 Uhr: In der Debatte über weitere Sanktionen gegen Russland hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Europäische Union zum Zusammenhalt aufgefordert. "Es ist wichtig, dass sich alle Mitgliedstaaten der EU mit der gleichen Botschaft an Russland wenden", sagte Merkel am Dienstag nach einem Treffen mit Zyperns Präsidenten Nikos Anastasiadis in Berlin. Die Kanzlerin verwies darauf, dass die einzelnen EU-Staaten zum Beispiel bei Gasimporten von Russland unterschiedlich abhängig seien. Zugleich zeigte sie sich überzeugt, dass die Europäische Union "handlungsfähig" bleiben werde.

Ukrainisches Parlament lehnt Referendum am 25. Mai ab

13:49 Uhr: Das ukrainische Parlament hat einem Abgeordneten zufolge ein landesweites Referendum über die territoriale Einheit der Ex-Sowjetrepublik abgelehnt. Bei der Abstimmung hinter verschlossenen Türen in der Hauptstadt Kiew hätten nur 154 Abgeordnete statt der benötigten 226 für eine Volksbefragung am 25. Mai votiert, teilte der Parlamentarier Alexander Briginez von der mitregierenden Partei Vaterland (Batkiwschtschina) am Dienstag nach der Sitzung mit.

13:48 Uhr: Russland ist nach den Worten von Aussenminister Sergej Lawrow unter bestimmten Bedingungen zu einer neuen Ukraine-Konferenz in Genf bereit. In diesem Fall müsste auch die ukrainische Opposition mit am Tisch sitzen, sagte Lawrow am Dienstag in Wien. "Ansonsten hätte ein solches Treffen keinen Wert."

12:53 Uhr: Mehr als 170 Millionen Franken (140 Millionen Euro) der gestürzten ukrainischen Führung um Viktor Janukowitsch liegen in der Schweiz auf Eis. Die Bundesanwaltschaft bestätigte einen Bericht der "Zentralschweiz am Sonntag", wie die Nachrichtenagentur sda berichtete. Betroffen sind rund 30 Personen.

12:20 Uhr: Die CSU-Landesgruppe im Bundestag hat die Kritik von CSU-Vize Peter Gauweiler an der OSZE-Beobachtermission in der Ukraine als irritierend zurückgewiesen, aber auf eine Rüge verzichtet. Gauweiler sei klar gemacht worden, dass besonders seine Kritik am Verhalten der Bundeswehr-Mitglieder der OSZE-Mission unangemessen gewesen sei, sagte CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt am Dienstag in Berlin. Auch die rechtlichen Grundlagen für den Einsatz seien einwandfrei gewesen.

Russland will Schwarzmeerflotte verstärken

11:11 Uhr: Russland will seine in Schwarzmeerflotte verstärken, die teilweise auch auf der Krim stationiert ist. Wie die Nachrichtenagentur Interfax berichtet, plant der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu neue U-Boote und weitere Kriegsschiffe.

10:54 Uhr: In der Union wird Kritik laut an der geplanten Teilnahme des russischen Präsidenten Wladmir Putin an einer Militärparade auf der Krim. Die Parade am 9. Mai soll an den Sieg über Hitler-Deutschland erinnern. Auch Russland habe die Aufgabe, zur Deeskalation beizutragen und nicht "Machtspiele provozierender Art und Weise durchzuführen", sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion, Michael Grosse-Brömer (CDU), am Dienstag in Berlin. Ein solcher Auftritt scheine angesichts der Gesamtsituation in der Ukraine "nicht gerade der erste Schritt in die richtige Richtung zu sein".

10:33 Uhr: Um die ostukrainische Stadt Slawjansk hat es nach Medienberichten vorerst keine neuen Gefechte zwischen Regierungstruppen und prorussischen Kräften gegeben. Die Lage sei ruhig, meldete die russische Staatsagentur Itar-Tass am Dienstag. Widersprüchliche Angaben gab es zur Zahl der Opfer vom Vortag. Bei den Kämpfen seien zehn Zivilisten und Separatisten getötet und etwa 25 zum Teil schwer verletzt worden, zitierte Itar-Tass einen Anführer der "Volksmiliz". Der Chef der moskautreuen "Selbstverteidigungskräfte" im Gebiet Donezk, Miroslaw Rudenko, sagte hingegen der russischen Agentur Interfax, 30 Menschen seien getötet und "zwei- bis dreimal so viele" verletzt worden.

Gabriel: Energie darf nicht zur Waffe werden

10:22 Uhr: Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) setzt angesichts der Ukraine-Krise auf eine gemeinsame Initiative der G7-Staaten für mehr Energiesicherheit. "Das zentrale Thema ist, wie man mittel- und langfristig verhindern kann, dass in einer zusammenwachsenden Welt Energie als Waffe benutzt wird", sagte Gabriel am Dienstag am Rande eines Sondertreffens der G7-Energieminister in Rom.

09:53 Uhr: Die Ukraine-Krise steht im Mittelpunkt des Jahrestreffens des Europarats in Wien. Die Gespräche von 30 Aussenministern haben am Vormittag begonnen. Daran nehmen auch Russlands Chefdiplomat Sergej Lawrow und sein ukrainischer Kollege Andrej Deschtschiza teil. Ein direktes Treffen der beiden war zunächst nicht geplant. Die Konferenz soll nur wenige Stunden dauern.

Mehr als 30 Separatisten am Montag in Slawjansk getötet

09:32 Uhr: Bei der Offensive der ukrainischen Armee in Slawjansk im Osten des Landes sind nach Angaben des Innenministeriums in Kiew am Montag mehr als 30 prorussische Separatisten getötet worden. Bei den Kämpfen seien zudem dutzende Separatisten verletzt worden, schrieb Innenminister Arsen Awakow am Dienstag auf seiner Facebook-Seite. Auch vier Soldaten wurden demnach getötet und 20 weitere verletzt.

09:02 Uhr: Bundesaussenminister Frank-Walter Steinmeier hat in der Ukraine-Krise vor der wachsenden Gefahr eines offenen militärischen Konflikts gewarnt. Derweil scheint der Konflikt in der Ostukraine immer blutiger zu werden: Laut übereinstimmenden Medienberichten haben ukrainische Sicherheitskräfte 30 prorussische Aufständische bei ihrer Offensive im Osten getötet. Das berichtete das ukrainische Innenministerium.

08:45 Uhr: In der Ukraine droht Bürgerkrieg, wenn für den Konflikt nicht bald eine Lösung gefunden wird. Bundesaussenminister Steinmeier warnt vor den Gefahren und schlägt eine "Genf II"-Konferenz vor. Das Auswärtige Amt rät Bundesbürgern zur Ausreise aus der Süd- und Ostukraine.

08:40 Uhr: Wegen der unsicheren Lage im Nachbarland Ukraine hat die Ex-Sowjetrepublik Moldau die Grenzkontrollen verschärft. Die Sicherheitskräfte seien angewiesen, alle notwendigen Schritte zu unternehmen, um die öffentliche Ordnung in dem Land sicherzustellen, teilte die Präsidialkanzlei in der Hauptstadt Chisinau am Dienstag mit. Die prowestliche Führung sei "besorgt über die Verschlechterung der Sicherheitslage in der Region nach der Eskalation der Gewalt in der Ukraine", hiess es.

Hier können Sie die Entwicklungen in der Ukraine-Krise von Montag, den 5. Mai 2014 nachlesen.

Mit Material von dpa und AFP.