Die Schweizer sprechen sich für die Konzernverantwortungsinitiative (KVI) aus. Würden jedoch nur die Männer über sie abstimmen, hätte die Vorlage keinen Erfolg.

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Die Konzernverantwortungsinitiative (KVI) findet Zustimmung. Laut einer von "20 Minuten" und Tamedia in Auftrag gegebene und von der LeeWas GmbH durchgeführten Studie sind 57 Prozent der Stimmberechtigten für die Vorlage, die sich gegen internationale Konzerne mit Sitz in der Schweiz richtet und über die in rund sechs Wochen abgestimmt werden soll.

Die Unternehmen sollen laut Initiative dazu aufgefordert werden, die Menschenrechte und internationalen Umweltstandards auch im Ausland zu respektieren.

41 Prozent wollen gegen die Vorlage stimmen, zwei Prozent haben keine Angaben zu ihrer Stimmabsicht gemacht. Die Initiative wird von linken Wählern stark befürwortet: 90 Prozent der Wähler und Wählerinnen von Grüne und SP sind dafür, nur 23 beziehungsweise 28 Prozent der Unterstützer von FDP und SVP würden für die Vorlage stimmen.

Kampagne appelliere an "Schutzempfinden der Frauen"

Besonders auffällig sind die Unterschiede im Hinblick auf das Geschlecht: 66 Prozent der Frauen sagen Ja zur KVI, 51 Prozent der Männer hingegen lehnen sie ab. Für Elisabeth Schneider-Schneiter, CVP-Nationalrätin und Gegnerin der Initiative, ist das Ergebnis nicht überraschend.

Die Kampagne halte Fakten zurück und werbe mit einem vergifteten Kind. Das ziele auf das Schutzempfinden der Frauen, die auf Emotionen stärker ansprechen, erklärt Schneider-Schneiter im "20 Minuten"-Interview. Für sie würde die Initiative "die Situation verschlimmbessern, weil sich Schweizer Firmen wegen des Haftungsrisikos aus Entwicklungsländern zurückziehen würden".

Das will die KVI erreichen

"Konzerne wie Glencore, die Flüsse vergiften oder ganze Landstriche zerstören, sollen auch dafür geradestehen", erklärt Dick Marty, Co-Präsident des Initiativkomitees, in einem Statement auf der Webseite der KVI, die zusammen mit einer breiten Koalition von 130 Menschenrechts- und Umweltorganisationen lanciert wurde.

Neben Glencore hat die KVI unter anderem den Schweizer Zementkonzern LafargeHolcim im Visier. "Er schädigt die Gesundheit von Menschen in Nigeria mit Feinstaub. Und der Basler Konzern Syngenta verkauft tödliche Pestizide, die bei uns schon lange verboten sind. Diese Konzerne müssen heute oft keine Konsequenzen befürchten. Denn gerade in armen Ländern gibt es oft keinen funktionierenden Rechtsstaat und die Menschen haben kaum Möglichkeiten, sich zu wehren."

Zustimmung bei Finanzierungsverbot von Kriegsmaterial

Bei der Umfrage nahmen die Befragten auch Stellung zu ihrer Abstimmungsabsicht bei der Initiative "Für ein Verbot der Finanzierung von Kriegsmaterialproduzenten", die ein Finanzierungsverbot für jegliche Art von Kriegsmaterial fordert: 52 Prozent sagen derzeit Ja zur Initiative, 45 Prozent lehnen sie ab. 3 Prozent machten keine Angaben zu ihren Stimmabsichten. Auch hier ist der Unterschied zwischen den Geschlechtern deutlich: 62 Prozent der Frauen sind dafür, aber nur 40 Prozent der Männer unterstützen derzeit die Initiative.

13.585 Personen aus der ganzen Schweiz haben am 12. und 13. Oktober online an der 1. Welle der "20 Minuten"-/Tamedia-Umfrage zu den eidgenössischen Abstimmungen vom 29. November 2020 teilgenommen.  © 1&1 Mail & Media/spot on news

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"Das schlimmste Unternehmen der Welt" - aus Sicht der Umweltschutzorganisation "Mighty Earth" trifft das auf den US-Konzern Cargill zu. Nie gehört? So dürfte es vielen Verbrauchern in Deutschland gehen. Doch auch hiesige Supermärkte und weit verbreitete Marken vertreiben Produkte des Agrarriesen, der für Kinderarbeit und massive Umweltverschmutzung mitverantwortlich sein soll.