Der Druck wurde zu gross: In der letzten Woche wurde publik, dass Grossratspräsident Yves Ravenel wegen häuslicher Gewalt verurteilt wurde. Linke und Grüne forderten daraufhin seinen Rücktritt. Nun hat der SVP-Politiker alle seine Ämter abgegeben.

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Yves Ravenel zieht sich zurück: Der SVP-Politiker hat am Montagabend in einem Communiqué der SVP Waadt seinen Rücktritt bekannt gegeben, wie mehrere Schweizer Medien berichten. Er scheidet sowohl aus dem Amt des Präsidenten des Grossen Rats als auch aus dem Kantonsparlament aus.

Verurteilung zieht Rücktritt nach sich

Er habe diesen Entschluss nach einer Woche des Nachdenkens gemeinsam mit Begleitern, seiner Partei, seinen Verwandten und Freunden gefasst. Das notwendige Vertrauen und die Gelassenheit, um die Waadtländer zu vertreten, seien nicht mehr vorhanden.

In der letzten Woche hatte es zahlreiche Berichte über Ravenels Privatleben gegeben. Im August 2019 war er wegen häuslicher Gewalt verurteilt worden. Während eines Scheidungsverfahrens hatte der ehemalige Grossratspräsident laut Strafbefehl seine Ex-Frau bedroht, wie das SRF berichtet.

Er habe Glühbirnen einer Lichterkette in ihrem Garten zerstört und in seinem Wutanfall einen Besen nach ihr geworfen. In der letzten Woche hatte Ravenel den Strafbefehl angefochten – erst dadurch kam seine Verurteilung ans Licht.

So wurde die Affäre wegen häuslicher Gewalt publik

Das zuständige Bezirksgericht verschickte die Liste der demnächst angesetzten Prozesse – inklusive Ravenels Namen. Unmittelbar danach zog der SVP-Politiker den Rekurs zurück. Die Affäre wegen häuslicher Gewalt wurde dennoch publik und der Strafbefehl rechtskräftig.

Kurz vor der ersten Sitzung im neuen Jahr erfuhren die Mitglieder des Kantonsparlaments durch Medienberichte von der Verurteilung. Daraufhin forderten Linke und Grüne seinen Rücktritt. Die SVP stellte sich hingegen auf Ravenels Seite und sprach von einer privaten Angelegenheit.

So geht es im Kantonsparlament weiter

Yves Ravenel trat letzte Woche in den Ausstand. In seiner Abwesenheit leitete Vizepräsidentin Sonya Butera die Parlamentssitzung. Zum Rücktritt gezwungen werden konnte er nicht – in der Waadt gibt es kein diesbezügliches Gesetz.

Der Druck war jedoch offenbar zu gross: Am gestrigen Abend teilte Ravenel seinen Rücktritt mit. Bis zum nächsten Sommer wird der Ex-Grossratspräsident nun durch Sonya Butera vertreten. Dann wird das Präsidium wie gewohnt jedes Jahr neu gewählt. (tae)  © 1&1 Mail & Media / SN

Gewalt gegen Frauen steigt an

Insgesamt wurden im Jahr 2018 in Deutschland 114.000 Frauen Opfer von häuslicher Gewalt, Bedrohung oder Nötigung durch ihren Partner oder Ex-Partner. 122 Frauen kamen dabei ums Leben. Die Zahl der Tötungsdelikte sinkt zwar, doch werden mehr Frauen Opfer von Partnerschaftsgewalt. Vorschaubild: Getty Images / iStock