Die Linke ist der klare Sieger der Landtagswahl in Thüringen. Am meisten neue Wähler konnte hingegen die AfD für sich gewinnen. Der Erfolg beider Parteien beruht dabei zu einem erheblichen Anteil auf den Nichtwählern, die sie mobilisieren konnten - ein Überblick über die Wählerwanderung.

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Die FDP zieht hauchdünn wieder in den Landtag ein, die AfD überflügelt die CDU und die Linke muss trotz 31,0 Prozent um die Regierungsbildung kämpfen: Die Wahl in Thüringen hat die politische Landschaft in dem Bundesland komplett durcheinander geworfen.

Circa 1,73 Millionen Wahlberechtigte waren am Sonntag zur Abgabe ihrer Stimme aufgerufen. Mit rund 65 Prozent war die Wahlbeteiligung in Thüringen so hoch wie seit Langem nicht. Das macht sich auch bei den Gewinnern der Wahl bemerkbar. Denn die Linke und die AfD konnten vor allem bei den Nichtwählern punkten. Die Wählerwanderung im Überblick.

Thüringen-Wahl: AfD und Linke mobilisieren Nichtwähler

Mit 31,0 Prozent schnitt die Linke 2,8 Prozent besser ab als bei der vorherigen Wahl. Den Grossteil des Zugewinns machen dabei 53.000 Nichtwähler aus, welche die Partei mobilisieren konnte. Am meisten Wähler an die Linke abgeben musste die CDU mit 23.000 Stimmen, gefolgt von SPD (20.000) und den Grünen (9.000). An die AfD verlor die Partei hingegen 16.000 Stimmen.

Thüringen hat - mit hoher Wahlbeteiligung - einen neuen Landtag gewählt: Der grosse Sieger ist Bodo Ramelow. Doch auch wenn die Linke die absolute Mehrheit erringen konnte - die rot-rot-grüne Koalition hat ihre verloren. Verfolgen Sie alle Entwicklungen am Tag nach der Wahl in unserem Live-Ticker.

Am meisten Wähler dazugewonnen hat die AfD. Die rechtspopulistische Partei kann ein Plus von 12,8 Prozent im Vergleich zur Wahl von 2014 verbuchen. Bemerkenswerterweise ist die AfD die einzige der fünf im Landtag vertretenen Parteien, die keine Stimmen an die Konkurrenz verloren hat. Gleichzeitig sind von allen anderen Wähler zu ihr abgewandert.

Mit 78.000 machen die Nichtwähler davon den grössten Anteil aus. Am stärksten an die AfD verloren haben die CDU mit 36.000 und die Linke mit 16.000 Stimmen. Zudem wanderten 7.000 Wähler der SPD und 1.000 der Grünen zu ihr ab.

Volksparteien verlieren an die AfD

Für die CDU wurde die Landtagswahl in Thüringen zum Debakel. Im Vergleich zur Wahl 2014 muss sie einen Verlust von 11,7 Prozent hinnehmen. Plus machten die Christdemokraten bei den Nichtwählern. 30.000 davon konnten sie an den Urnen für sich gewinnen. Am meisten Wähler verlor die Partei mit 36.000 Stimmen an die AfD. Zudem musste die CDU 23.000 Stimmen an die Linke, 11.000 an die FDP und 5.000 an die Grünen abtreten.

Nicht besser erging es der SPD. Nach der CDU müssen die Sozialdemokraten die zweithöchsten Verluste in Thüringen verkraften. 4,2 Prozent ging es für die Genossen nach unten. Ein Plus von 14.000 Stimmen konnte die SPD bei den Nichtwählern verzeichnen. Der Linken mussten die Sozialdemokraten hingegen 20.000 ihrer Wähler überlassen. An die AfD verlor die Partei 7.000 Stimmen, sowie 3.000 an die FDP und 1.000 an die Grünen.

FDP überzeugt tausende CDU-Wähler

Den grössten Verlust bei den Grünen machen die 9.000 Stimmen aus, welche die Partei an die Linke verlor. Weitere 1.000 wanderten von den Grünen zur AfD und zur FDP. Gewinne konnten die Grünen vor allem durch 5.000 Stimmen ehemaliger CDU-Wähler verbuchen. Zudem haben sie 3.000 Nichtwähler und 1.000 Stimmen von der SPD für sich gewonnen.

Die FDP hat sich im Vergleich zu 2014 um 2,5% verbessert und damit den Wiedereinzug in den Thüringer Landtag geschafft - wenn auch nur mit wenigen Stimmen Vorsprung. Den Erfolg verdanken die Liberalen primär 13.000 Nichtwählern, die sie für die FDP entschieden. Dazu kommen 11.000 Stimmen von der CDU, 3.000 von der SPD und 1.000 von den Grünen. 1.000 Wähler verlor die Partei hingegen an die Linke. (thp)

Alle Zahlen beziehen sich auf Ergebnisse von infratest dimap (Stand 28.10.2019 - 13:30 Uhr).