Sicherheit an allen Fronten: Beim Weltwirtschaftsforum in Davos muss die Polizei nicht nur Botschafter und Politiker abschirmen sowie mögliche Terrorangriffe und Hacker-Attacken erkennen. Auch die Sicherheit der einheimischen Bevölkerung muss gewährleistet sein.

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Am 21. Januar beginnt das Weltwirtschaftsforum 2020 in Davos. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Für die Sicherheit am World Economic Forum (WEF) ist die Polizei zuständig, wie "blick.ch" berichtet.

Für den Bündner Polizisten Walter Schlegel ist es bereits das achte WEF als Kommandant. Seine Einsatzkräfte sichern nicht nur Politiker, Botschafter und Wirtschaftsgrössen, sondern auch die einheimische Bevölkerung.

Neue Bedrohung durch Cyber-Angriffe

"Ruhe, Sicherheit und Ordnung aufrechterhalten, lautet unser Auftrag", sagt Schlegel. Eine Routine sei der Grossauftrag für ihn nicht. "Das wäre riskant", erklärt er gegenüber "blick.ch". Die Bedrohungslage ändere sich laufend: Momentan müsse man sich unter anderem gegen Terror-Anschläge und Sabotage wappnen.

"Neu hinzugekommen ist sicher die Bedrohung durch Cyber-Angriffe auf Rechner und Server", sagt Schlegel. "Solche Attacken können im Extremfall ganze Infrastrukturen wie das Stromnetz lahmlegen."

Zu verhindern sei auch, dass Cyber-Kriminelle geheime Dokumente entwenden. Dazu gehören etwa Unterlagen mit den Schlafplätzen der Staatschefs. Terroristen könnten mit solchen Informationen gezielt Anschläge planen.

Unterstützung durch die Armee

Die Kantonspolizei ist nicht allein für die Sicherheit beim WEF zuständig: Schlegel und seine Kollegen erhalten Unterstützung von der Armee und dem Bundesamt für Polizei (Fedpol). "Am WEF sind Polizisten aus allen 26 Kantonen und dem Fürstentum Liechtenstein im Einsatz", erklärt er.

Laut "blick.ch" sind Schätzungen zufolge etwa 1.000 Polizisten und bis zu 5.000 Armeeangehörige im Einsatz. In den Vorjahren kostete die Gewährleistung der Sicherheit laut Bund etwa neun Millionen Franken. Der Betrag hänge unter anderem davon ab, wie viele völkerrechtlich geschützte Personen zum WEF kommen.

120 Personen mit hohem Gefährdungsgrad

"Aktuell erwarten wir rund 300", sagt Schlegel. 120 Personen davon hätten einen hohen Gefährdungsgrad. "Für diese Personen gibt es ein auf sie zugeschnittenes Sicherheitsdispositiv", so der Polizeikommandant.

Fedpol lege die jeweilige Sicherheitsstufe fest – die Namen auf der Liste bleiben geheim. US-Präsident Donald Trump sei aber in den vorderen Rängen vertreten. In der vergangenen Woche schrieb der Iran ein Kopfgeld von 80 Millionen US-Dollar auf ihn aus.

"Das ist sicher eine spezielle Situation", erklärt Schlegel weiter. "Der US-amerikanische Präsident ist aber auch ohne Kopfgeld eine Person mit höchster Sicherheitsstufe." Dass die iranische Delegation die Teilnahme am Forum abgesagt hat, habe die Situation entschärft.

Donald Trump bringt seinen Secret Service mit. Dessen Agenten dürfen Schusswaffen tragen. Beim Kongress selbst und auch im Vorhinein arbeitet der Secret Service eng mit der Schweizer Polizei zusammen.

"Wir trafen uns mehrmals mit dem Secret Service", so Schlegel. "Die Zusammenarbeit war bisher immer gut." Im Jahr 2018 erhielt der Bündner Polizeikommandant nach dem WEF sogar einen Brief von Trump. Darin bedankte sich dieser für die gewährleistete Sicherheit.

Klimademo beim Weltwirtschaftsforum

In Davos wird mit erneuten Demonstrationen gerechnet, die sich gegen das Weltwirtschaftsforum richten. Klimaaktivisten wollen demnach innerhalb von drei Tagen von Landquart nach Davos wandern. Dort wollen sie dann zum Kongressauftakt am 21. Januar eintreffen.

Auch Greta Thunberg kündigte ihr Kommen an. Die Polizei sieht der Demonstration aber gelassen entgegen: "Wir erwarten eine friedliche Kundgebung", sagt Schlegel.

Beim Weltwirtschaftsforum 2020 treffen sich vom 21. bis 24. Januar etwa 2.500 Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft. (tae)  © 1&1 Mail & Media / SN

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