Eine neue Studie der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW) zeigt auf, dass fast jeder zweite Dschihadist in der Schweiz auf staatliche Unterstützung angewiesen ist. Arbeitslosigkeit und Kriminalität machen eine Integration zudem schwierig.

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40 Prozent der 130 erfassten, dschihadistisch radikalisierten Personen beziehen laut einer aktuellen ZHAW-Studie staatliche Fürsorgeleistungen wie Sozialhilfe, Arbeitslosengeld oder Flüchtlingshilfe.

Psychische Probleme und kriminelle Vergangenheiten

Eine dschihadistische Radikalisierung betreffe in der Schweiz mehrheitlich junge Männer, die tendenziell einen niedrigen Bildungsstand und oftmals keine Arbeit haben.

"Einige von ihnen sind zudem mit sozialen und psychischen Problemen konfrontiert und hatten bereits vor ihrer Radikalisierung einen kriminellen Hintergrund", geht aus der Studie hervor.

Die betroffenen Personen seien insbesondere durch Propaganda und Rekruteuren in der realen Welt radikalisiert worden, ein Konsum von entsprechenden Inhalten im Netz reiche in den seltensten Fällen aus.

Bei der Radikalisierung seien zudem regionale Unterschiede zu beobachten: So sei die Region Genf am stärksten betroffen. Insgesamt weise die Schweiz nur eine geringfügig kleinere Zahl an Dschihadreisenden als Deutschland auf.

Die Ausmasse wie in Frankreich, Belgien oder Österreich seien aber noch nicht erreicht. Mit 20 Prozent überproportional hoch sei in der Schweiz der Anteil an Konvertiten unter den Dschihadreisenden.

Frühzeitiges Erkennen von Desintegration

Die radikalisierten Personen zeichneten sich durch eine Distanzierung von der Gesellschaft aus. "Ein frühzeitiges Erkennen von Desintegrationstendenzen etwa in den Bereichen Schule und Arbeit oder von kriminellen Aktivitäten erhöhten die Erfolgschancen von Präventions- und Interventionsmassnahmen", erklärte die Studienleiterin Miryam Eser Davolio.

Auch im Strafvollzug gelte es, auf die radikalisierten Insassen einzugehen. Die Bereiche Bewährungshilfe und Soziale Arbeit, aber auch Therapie, Vollzugspersonal und Seelsorge müssten miteinbezogen und gezielt weitergebildet werden. Die Studienautoren schlagen dafür vor, zwei bis drei Strafvollzugsanstalten zu entsprechenden Kompetenzzentren auszubauen.

Die Studie basiert auf aktualisierten und erweiterten Daten der 2015 durchgeführten ZHAW-Studie "Hintergründe dschihadistischer Radikalisierung in der Schweiz". (jom)  © 1&1 Mail & Media / SN