Olle Knollen? Alte Gemüsesorten neu entdecken

Steckrübe, Schwarzwurzel oder Pastinake: Klingen altbacken, aber schmecken richtig gut und sind voller Vitamine und Nährstoffe. Besinnen Sie sich auf alte Gemüsesorten, es lohnt sich!

Schaut man sich auf Wochenmärkten um, findet man viele verformte, knollenartige Gemüsesorten, die leider in der Auslage von vielen Supermärkten fehlen. Statt geschmacksneutrale, importierte Industrieware aus aller Welt zu kaufen, geben Sie doch mal diesen Gemüsesorten eine Chance. Sie warten nur auf ihre Wiederentdeckung!
Topi was? Gut möglich, dass Sie noch nie von Topinambur gehört haben. Die Knolle kam im 17. Jahrhundert von Nordamerika nach Europa und erinnert äusserlich an Ingwer. Eingesetzt wird sie ähnlich wie die Kartoffel. Geschält, in dünne Scheiben geschnitten und angebraten ist Topinambur kaum von Bratkartoffeln zu unterscheiden. Auch als Rohkostvariante in Salaten macht das in Vergessenheit geratene Knollengemüse eine gute Figur.
Bereits im Römischen Reich stand die Pastinake häufig auf dem Speiseplan. Auch in Deutschland galt sie lange als Grundnahrungsmittel, bis sie von der Kartoffel abgelöst wurde. Bereits seit einigen Jahren allerdings feiert das leicht bekömmliche Wurzelgemüse sein Comeback in der heimischen Küche - vor allem in Form von Babybrei.
Doch es wäre unfair, die köstliche Pastinake als reine Babynahrung zu betrachten. Das leicht süssliche Aroma dieser Rübe eignet sich hervorragend für eine cremige Suppe. Auch gebacken oder angebraten wird die Pastinake zu einer schmackhaften Beilage.
Eine spitz zulaufende Wurzel, innen weiss bis bräunlich, aussen gelblich mit Ringelstreifen: Pastinaken und Petersilienwurzeln sehen sich zum Verwechseln ähnlich. Doch geschmacklich gibt es sehr wohl einen Unterschied. Während die Pastinake süsslich-nussig schmeckt, punktet die etwas schlankere Petersilienwurzel mit einem würzigeren Geschmack.
Sowohl die Pastinake als auch die Petersilienwurzel ist von September bis in den April verfügbar. Wenn Sie sich nicht entscheiden können, empfehlen wir eine Suppe aus beiden Gemüsesorten. So kombinieren Sie die unterschiedlichen Aromen der sehr ähnlich aussehenden Gemüsesorten.
Die Deutschen lieben Tomaten. Allerdings kennen hierzulande nur wenige Menschen die riesige Ochsenherztomate. Die grosse Frucht wurde erstmals 1901 erwähnt und kann bis zu 600 Gramm wiegen. Von ihrer Form her erinnert sie an das namensgebende Ochsenherz. Diese aromatische Tomatensorte ist eine wahre Geschmacksexplosion im Vergleich zu den vielen wässrigen Sorten, die wir im Supermarkt finden.
Mangold ist schon seit 400 v. Chr. bekannt und war in Deutschland lange Zeit ein beliebtes Gemüse. Bis es im 17. Jahrhundert vom Spinat verdrängt wurde. Heute findet man ihn viel zu selten in der Gemüseabteilung der Supermärkte. Wer das Sommergemüse sucht, wird eher auf dem Wochenmarkt fündig. Mangold ist reich an Vitamin A, B und C sowie Kalzium, Phosphor, Eisen, Magnesium und Folsäure.
Die Steckrübe fand ihren Weg von Skandinavien nach Deutschland im 17. Jahrhundert und wurde immer wieder zur Notreserve für die hungernde Bevölkerung. Ihr unliebsamer Ruf stammt vor allem aus der Zeit des Ersten Weltkrieges. Der sogenannte "Steckrübenwinter" bezeichnete eine Hungersnot im damaligen Deutschen Reich. Die Rübe war fast das einzige Nahrungsmittel in diesen Zeiten der Not.
Lange Zeit galt die Steckrübe auch als Viehfutter. Sie ist zwar nicht das schönste Gemüse, dennoch schmeckt die heutige Züchtung der Steckrübe alles andere als langweilig. Ihr Geschmack erinnert an Möhren und Pastinaken, sie enthält sehr wenig Zucker. Da die Steckrübe besonders kalorienarm ist, sollte sie auf jeden Diätplan gehören. Sie ist voller Vitamine und wichtiger Mineralstoffe, gut fürs Herz und wirkt leicht antibakteriell.
Die unverarbeitete Schwarzwurzel sieht von aussen wie ein Stück Holz aus und gilt vielleicht deshalb nicht als Verkaufsschlager im Gemüseregal der Supermärkte. Auch die seit dem 17. Jahrhundert in Mitteleuropa verbreitete Schwarzwurzel galt viele Jahre als "Arme-Leute-Essen", um genauer zu sein als "Arme-Leute-Spargel". Der Begriff "Winterspargel" ist ein wenig schmeichelhafter für dieses Wurzelgemüse.
Der Vergleich zum Spargel kommt von der Ähnlichkeit der beiden Gemüsesorten im verarbeiteten Zustand. Doch das ist so ziemlich die einzige Gemeinsamkeit. Geschmack und Inhaltsstoffe können sich sehen lassen: Das würzige und leicht nussige Aroma kombiniert mit dem enthaltenen Vitamin A, B, C und E, Kalium, Magnesium, Kalzium und Eisen machen die Schwarzwurzel zu einem attraktiven Wintergemüse.