Bei ihrem Anblick läuft einigen gewiss das Wasser im Mund zusammen: Erdbeeren gibt es schon jetzt in vielen Supermärkten. Wer auf die Umwelt achten will, sollte aber (noch) nicht zuschlagen. Denn Früh-Erdbeeren verschärfen die Wasserknappheit in Südeuropa.

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Erdbeeren Anfang April? Der ein oder andere dürfte sich derzeit wundern, wenn er die süssen Früchte schon jetzt im Supermarkt sieht. Die sogenannten Früh-Erdbeeren kommen meist aus dem Süden Europas. Wer auf die Umwelt achten möchte, sollte besser die Finger von ihnen lassen.

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300 Liter Wasser für ein Kilo Erdbeeren

In Südeuropa wachsen die Früchte in der Regel unter Plastikfolien. Die Umweltbilanz der Früh-Erdbeeren sei verheerend, da ihr Anbau Unmengen an Wasser verbrauche und die Früchte über weite Strecken transportiert würden, erklärt Johannes Schmiester, Süsswasser-Experte vom WWF.

Für ein Kilo Erdbeeren werden laut WWF während des Anbaus im Schnitt rund 300 Liter Wasser benötigt. Das entspreche etwa zwei vollen Badewannen. Somit treiben Früh-Erdbeeren die Wasserknappheit in trockenen Anbauregionen in Südeuropa voran.

Mondlöcher für den Erdbeeranbau

Für ihre Bewässerung werde zum Teil Grundwasser durch illegale Brunnen angezapft - so etwa in der Doñana, einem Feuchtgebiet, das in Andalusien liegt. Mindestens 1.000 dieser illegalen Brunnen gibt es laut dem WWF allein in dieser Region, bis zu einer Million in ganz Spanien. Oft werden die Brunnen heimlich nachts gegraben, sozusagen im Mondlicht, weshalb sie auch Mondlöcher genannt werden.

Das bringt neben der Wasserknappheit auch gleich ein weiteres Problem mit sich: Verbraucherinnen und Verbraucher könnten laut "Ökotest" nicht nachvollziehen, welche Erdbeeren von legalen und welche von illegalen Flächen kommen. So kann es durchaus sein, dass man durch den Kauf solcher Erdbeeren illegale Aktivitäten unterstützt.

Auch Erdbeeren aus Ägypten und Marokko fördern die Wasserknappheit. In beiden Ländern sinke der Grundwasserspiegel seit Jahren, gibt "Ökotest" zu bedenken. Zudem würden die Früchte mit dem Flugzeug nach Deutschland gebracht.

Und wie sieht es mit Früh-Erdbeeren aus Deutschland aus?

Auch Früh-Erdbeeren aus Deutschland seien keine gute Alternative, meint Schmiester. Da die Früchte in der Regel in energieintensiven Gewächshäusern heranwachsen, sind sie oft noch schlechter für das Klima als spanische Freiland-Erdbeeren, so der Experte. Daher rät der WWF davon ab, derzeit schon Erdbeeren zu kaufen.

Wer die Früchte mit gutem Gewissen geniessen will, sollte auf regionale und saisonale Ware sowie kurze Transportwege achten. Am besten also noch etwas gedulden und warten. Denn die Haupterntezeit startet in der Regel Ende Mai und dauert etwa sechs Wochen bis Mitte oder Ende Juli. Übrigens: Bio-Früchte seien zudem eine gute Wahl, um den Einsatz von Pestiziden zu vermeiden. (dpa/sbi)

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