Mit den ersten Bauern kam auch die Hauskatze nach Europa. Analysen zeigen nun: Schon damals setzten die Tiere auf Selbstbestimmung - und machten sich nicht vom Menschen abhängig.

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Anders als Hunde gelten Katzen als Einzelgänger. Während die Kläffer Herrchen oder Frauchen mit dem sprichwörtlichen Hundeblick um Fressen anbetteln und ihnen treu folgen, scheint es Katzen vollkommen egal zu sein, wer die Futterdose öffnet: So mancher Freigänger frisst sich bei mehreren Familien durch. Dass dieser Charakterzug weit zurückreicht, wurde nun wissenschaftlich belegt. Schon in der Steinzeit waren Katzen eher Begleiter als echte Haustiere, zeigt eine aktuelle Studie im Fachmagazin der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften "PNAS".

"Selbst moderne Hauskatzen leben irgendwo entlang eines Kontinuums von engen Beziehungen zu Menschen bis hin zu Wildtieren", schreiben die Wissenschaftler. Sie wollten herausfinden, wie es zu dieser besonderen Stellung unter den Haustieren kam.

Katzen haben Ursprung im Nahen Osten

Nach heutigem Forschungsstand stammen alle Hauskatzen von der Afrikanischen Wildkatze ab - auch Falbkatze genannt. Für die aktuelle Analyse untersuchten Forscher um Magdalena Krajcarz von der polnischen Nikolaus-Kopernikus-Universität in Torun Katzenfossilien aus Südpolen, die zwischen 4.300 und 6.200 Jahre alt sind. Die Katzen stammten ursprünglich aus dem Nahen Osten und sind wahrscheinlich den ersten Bauern gefolgt, die nach Europa kamen.

Die Überreste der sechs Falbkatzen verraten, wie sich die Tiere zu Lebzeiten ernährten. Demnach hatten es die Steinzeitkatzen nicht auf Hausmäuse abgesehen, sondern jagten weiterhin in freier Wildbahn.

Enge Bindung zu Menschen möglich

Je nachdem, was die Tiere fressen, lagern sich unterschiedliche Isotope in ihren Knochen an. Findet sich beispielsweise viel Stickstoff-15 und Kohlenstoff-13 in den Proben spräche das dafür, dass die Katzen vor allem Mäuse jagten, die Getreide auf Feldern frassen.

Das war bei den Katzen aus der Steinzeit jedoch nicht der Fall. Die Isotopenzusammensetzung unterschied sich auch deutlich von menschlichen Proben aus dieser Zeit. Das spricht dafür, dass die Katzen nicht mit Tischabfällen gefüttert wurden, sondern wie die Europäischen Wildkatzen in den Wäldern ihre Beute jagten.

Irgendwann muss sich das jedoch geändert haben. Aus der römischen Kaiserzeit (27 vor Christus bis 284 nach Christus) ist bekannt, dass Katzen eng mit Menschen zusammenlebten und sich von ihnen durchfüttern liessen. Das bestätigen auch Knochenproben aus dieser Zeit. Auch andere Analysen deuten darauf hin, dass Katzen durchaus eine enge Beziehung zu Menschen aufbauen können, auch ihren Namen können sie offenbar verstehen.

Wann genau aus den Wild-, Schosskatzen wurden, ist unklar. Vielleicht folgten die Tiere den Bauern, weil sie in ihrer Nähe leichter Beute machten. "Unter den domestizierten Wildtieren", schreiben die Wissenschaftler, "waren die Katzenvorfahren aufgrund ihres einzelgängerischen, territorialen Verhaltens einzigartig."  © DER SPIEGEL