Wenn ein Ehepartner vor der Hochzeit die Tatsache, dass er eigene Kinder hat, verheimlicht hat, kann dies eine Aufhebung der Ehe rechtfertigen. Die Arbeitsgemeinschaft Familienrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV) verweist auf eine entsprechende Entscheidung des Oberlandesgerichts Karlsruhe (Az.: 5 UF 102/22).

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Ein 76 Jahre alter Mann hatte im konkreten Fall im Internet nach einer asiatischen Ehefrau gesucht und fand schliesslich eine 36-Jährige von den Philippinen, die bereits zwei uneheliche Kinder hatte. Nach einem Jahr des virtuellen Austauschs feierten sie ihre Hochzeit in Hongkong. Die Ehefrau zog schliesslich nach Deutschland und arbeitete für ihren Mann – mit einem Gehalt zwischen 1.300 und 1.400 Euro. Regelmässig überwies sie Geld an ihre Familie in den Philippinen.

Wusste der Mann tatsächlich nichts?

Der Mann wollte nach vier Jahren die Aufhebung der Ehe beantragen, da seine Frau ihm vorenthalten habe, dass sie Kinder hatte. "Hätte ich das gewusst, hätte ich sie nicht geheiratet", sagte er. Die Frau widersprach dieser Behauptung und erklärte, dass sie bereits vor der Heirat ihre Kinder erwähnt habe.

Der Antrag auf Aufhebung der Ehe wurde vom Amtsgericht zunächst abgelehnt, jedoch hob das Oberlandesgericht diese Entscheidung wiederum auf und verwies den Fall zurück an das Amtsgericht. Die Begründung lautete, dass eine Ehe wegen arglistiger Täuschung aufgehoben werden könne. Im konkreten Fall sei es allerdings strittig, ob die Frau ihrem Mann vor der Heirat von ihren beiden Kindern erzählt habe.

Ausserdem lasse sich auch nicht mit Sicherheit feststellen, ob der Mann die Frau tatsächlich nicht geheiratet hätte, wenn er von ihren beiden Kindern gewusst hätte. Das müsse das Amtsgericht nun durch eine Beweisaufnahme klären.   © dpa/bearbeitet durch ella

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