Sichere Sexarbeit? OnlyFans hat laut einer Medienwissenschaftlerin das Potenzial dazu. Allerdings ergeben aktuelle Recherchen, dass Agenturen rund um die Plattform entstanden sind, die Darsteller:innen das grosse Geld versprechen – sie am Ende jedoch ausbeuten, so der Vorwurf.

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Seit 2016 nutzen unter anderem Prominente, Models, Erotik- und Pornodarsteller:innen die Plattform OnlyFans, um ihre Inhalte exklusiv Zuschauer:innen anzubieten. Vor allem in den Lockdown-Phasen nutzten Erotikmodels und Sexarbeiter:innen das Portal, um ihren Content weiter zu vertreiben. Recherchen des SWR haben nun ergeben, dass der Dienst Agenturen anzieht, die den Darsteller:innen viel Geld versprechen – sie aber laut Bericht ausbeuten.

OnlyFans bietet Nutzer:innen die Möglichkeit, Prominenten – auch fernab der Erotik-Branche – sowie Sex-Arbeiter:innen über Abonnements zu folgen, und sie auch zu kontaktieren. Die Inhalte sind für die OnlyFans-Zuschauer:innen exklusiv.

Neues Geschäftsmodell rund um die OnlyFans-Plattform

Wie die tagesschau schreibt, hat sich um die Plattform ein eigenes Geschäftsmodell entwickelt: Externe Management-Agenturen, die den Models Beratung anbieten – und hohe Geldsummen versprechen. Die Agenturen erklären den Betroffenen, durch ihren Service und ohne grossen Aufwand mehr Geld zu verdienen. Auch, indem den Models mehr Reichweite – sprich Abonnements – in Aussicht gestellt wird.

Recherchen des SWR-Investigativ-Formats Vollbild haben ergeben, dass die Betroffenen monatlich 20 Prozent der generierten Einnahmen als Provision an OnlyFans abtreten. Einige der externen Agenturen verlangen jedoch Provisionen von bis zu zwei Dritteln. Der SWR hat mit mehreren betroffenen Models gesprochen, die bei OnlyFans-Agenturen unter Vertrag stehen oder standen.

Sie werfen den Agenturen Grenzüberschreitungen und finanzielle Ausbeutung vor. Eine von ihnen ist die Content-Creatorin Laura, die erzählt, bei Erotikvideo-Drehs zu bestimmten Handlungen gedrängt worden zu sein. Nachdem der Vertrag durch sie gekündigt worden war, soll die Agentur Lauras Account an sich genommen und das Passwort gelöscht haben. Die 20-Jährige habe den Zugang bis heute dem Bericht zufolge nicht wiedererhalten.

Betroffene: Zu sexuellen Handlungen gedrängt

Eine weitere Darstellerin, die sich Roxie nennt, berichtet von Netzwerktreffen, auf denen sie zum Dreh pornografischer Videos gedrängt worden sei. Diese seien zuvor nicht vereinbart gewesen.

"Weil die Kamera dann schon lief und da auch so ein gebuchter Filmmensch war, habe ich da irgendwelche Sachen gemacht, die ich vorher nicht abgesprochen hatte. Wie es auch so oft ist, muss dazu gesagt werden…", wird die Betroffene zitiert. Unter den psychischen Schäden leide sie noch heute. Roxie lebt laut Bericht derzeit von der Grundsicherung, weil sie keiner Arbeit nachgehen könne. Eine Folge ihrer Zeit bei OnlyFans, so der Vorwurf.

Medien-Expertin: "OnlyFans wird immer gerne als feministisch beschrieben"

Medienwissenschaftlerin Lisa Andergassen beschreibt den Boom um die Plattform als "Goldrauschstimmung". "OnlyFans wird immer gerne als feministisch beschrieben", so die Expertin. "Das ist ein Geschäftsmodell. Da gibt es überhaupt kein Bewusstsein oder politischen Anspruch, in irgendeiner Form, der feministisch zu nennen wäre." Andererseits, so Andergassen, könne die Plattform den Sexarbeiter:innen ein Stück Sicherheit gewähren, da sie ihre Inhalte von zu Hause aus produzieren können.

Seit der Corona-Pandemie hat das Portal Hochkonjunktur. Bis 2021 hat sich die Anzahl der Nutzer:innen laut tagesschauum fast 130 Prozent erhöht. Derzeit zählt die Plattform knapp 200 Millionen User:innen. Stars wie die US-amerikanische Rapperin Cardi B oder das deutsche Promipaar Michael Wendler und Laura Müller bieten dort ihren Bezahl-Content an.

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"Wir haben uns dazu verpflichtet, die sicherste digitale Medienplattform der Welt aufzubauen", heisst es auf der OnlyFans-Website. Auf die Frage, wie das Unternehmen gegen besagte Agenturen und etwaige Ausbeutung durch sie vorgeht, hat OnlyFans auf SWR-Anfrage nicht geantwortet. Rechtlich gesehen seien die Darsteller:innen selbst verantwortlich für ihre Inhalte, heisst es laut Bericht seitens des Portals.

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