Biodiversität bezeichnet die Vielfalt an Ökosystemen und Arten. Damit ist sie Grundlage für menschliches Leben. Diese Diversität wird jedoch zunehmend von uns Menschen gefährdet.

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Was ist Biodiversität?

Die UN-Biodiversitätskonvention definiert Biodiversität (oder auch biologische Vielfalt) folgendermassen:

Biodiversität ist "die Variabilität unter lebenden Organismen jeglicher Herkunft, darunter unter anderem Land-, Meeres- und sonstige aquatische Ökosysteme und die ökologischen Komplexe, zu denen sie gehören". Einfach erklärt umfasst Biodiversität drei Bereiche:

1. Artenvielfalt: Damit ist die Vielfalt verschiedener Tier- und Pflanzenarten gemeint.

2. Vielfalt von Ökosystemen: Es gibt zahlreiche unterschiedliche Ökosysteme, zum Beispiel Wälder, Seen, Moore, Wiesen oder Bäche. Diese verschiedenen Lebensräume ermöglichen erst die Diversität in Flora und Fauna. In einem funktionierenden Ökosystem sind alle Lebewesen in ihrer Funktion aufeinander abgestimmt. Nur so bleibt ein Ökosystem im Gleichgewicht.

3. Genetische Vielfalt: Darunter werden die verschiedenen Kombinationen von Genen verstanden, durch die es zu unterschiedlichen Ausprägungen eines Merkmals kommt. Dies wiederum ist eine Voraussetzung für Artenvielfalt, denn damit werden Lebewesen anpassungsfähig und resistenter gegenüber Umwelteinflüssen und Krankheiten.

Warum ist der Erhalt von Biodiversität so wichtig?

Ökosysteme, Artenvielfalt sowie genetische Diversität sind voneinander abhängig. So erfüllt zum Beispiel jede Art eine bestimmte Funktion in einem komplexen System.

Wenn eine Art ausstirbt, kann dies schwere Folgen für ein gesamtes Ökosystem haben. So können auch andere Arten davon beeinträchtigt werden, die denselben Lebensraum teilen. Das Verschwinden von nur einer Art kann sogar dazu führen, dass zahlreiche andere Arten aussterben.

Beispielsweise hätte das Verschwinden der Bienen gravierende Folgen für die Menschheit. Denn zahlreiche Pflanzenarten sind auf Bienen als Bestäuber angewiesen. Dass dies eine existentielle Bedrohung für die gesamte Menschheit bedeuten würde, ist offensichtlich. Mehr Informationen hier: 11 Dinge, die es nicht mehr gibt, wenn die Bienen verschwinden.

Vom Menschen verursachtes Artensterben

Fast alle Bedrohungen für die biologische Vielfalt sind vom Mensch zu verantworten. Bezüglich des Artensterbens kann zwischen deterministischen und nicht deterministischen Faktoren unterschieden werden. Unter "deterministisch" fallen alle Faktoren, die durch den Menschen oder andere konkurrierende Arten beziehungsweise Fressfeinde verursacht werden. Die grössten Bedrohungen, die der Mensch zu verantworten hat:

  • Zerstörung von Lebensräumen – Eine Veränderung oder Zerstörung von Ökosystemen stellt eine grosse Gefahr für die darin lebenden Arten dar. Besonders die Ressourcenausbeutung sowie Flächennutzung für Siedlungen, Landwirtschaft und Transportwege stören natürliche Lebensräume. Denn für viele Arten sind Strassen oder Bauflächen ein unüberwindbares Hindernis, die die Lebensräume zerschneiden. Versiegelte Böden beiten zudem keinen Lebensraum mehr für Insekten und Würmer.
  • Einschleppung von Neobiota – Darunter versteht man fremde Arten, die in bestehende Ökosysteme eingeführt wurden. Diese können bestehende Arten verdrängen.
  • Aussterbeketten – Stirbt eine Art aus, kann dies gravierende Auswirkungen auf andere Arten haben. Denn das Leben vieler Arten ist von anderen Lebewesen abhängig. So kann eine aussterbende Art eine ganze Kette des Artensterbens auslösen.
  • Ausbeutung von Ressourcen – Natürliche Ressourcen werden aktuell weit über ihre Leistungskapazität hinaus genutzt. Dadurch werden Landschaften verändert, was immer auch bedeutet, dass Lebensräume zerstört werden.
  • Klimawandel – Auch Klimaveränderungen sind eine Gefahr für die Biodiversität. Denn mit steigenden globalen Temperaturen verändern sich die Lebensräume zahlreicher Arten.
  • Nähr- und Schadstoffbelastungen – Vor allem über Landwirtschaft und Industrie gelangen schädliche Stoffe wie Spritzmittel, Dünger oder Chemikalien in die Umwelt. Aber auch Schadstoffe in der Luft sind gefährlich. Denn Stoffe in Luft oder Wasser wirken nicht nur lokal, sondern belasten zusätzlich weiter entfernte Ökosysteme.

Natürliche Ursachen für Artensterben

Nicht immer wird Artensterben vom Menschen verursacht. Einige Arten verschwinden aufgrund von Umwelteinflüssen, sogenannten nicht deterministischen Faktoren. Massenaussterben gab es schon lange, bevor der Mensch auftauchte.

  • Zufällige Schwankungen bei der Zahl der Nachkommen – Nicht in jedem Jahr werden gleich viele Nachkommen einer Art geboren. Folgen einige schwache Jahre aufeinander, kann dies bei kleinen Populationen zum Aussterben führen.
  • Sich verändernde Umweltfaktoren – Wetterbedingungen und Naturkatastrophen wirken sich auf das Überleben von Arten aus.
  • Abnahme der genetischen Vielfalt – Dies tritt vor allem in sehr kleinen Populationen auf. Gibt es nur wenige Individuen für die Fortpflanzung, besteht die Gefahr der Inzucht. Damit verkleinert sich der Genpool der Art, das heisst sie wird weniger resistent und anpassungsfähig gegenüber Umweltfaktoren und Krankheiten.

Generell muss die Populationsgrösse mitberücksichtigt werden, wenn das Aussterberisiko einer Art ermittelt werden soll. Denn kleinere Populationen weisen eine geringere genetische Diversität auf. Dadurch werden sie Umwelteinflüssen gegenüber weniger anpassungsfähig und die Gefahr des Aussterbens erhöht sich.

Zahlen und Fakten zum Artensterben – Red Lists

Die Weltnaturschutzunion IUCN (International Union for Conservation of Nature) veröffentlicht regelmässig sogenannte Rote Listen. Auf diesen sind alle Tier- und Pflanzenarten aufgeführt, die vom Aussterben bedroht sind. Sie sind somit ein Indiz für den Erhalt der Biodiversität.

Wir haben im Folgenden das Aussterberisiko einiger Tierklassen aus den Roten Listen zusammengestellt:

  • Säugetiere: 26%
  • Haie und Rochen: 33%
  • Vögel: 14%
  • Korallen: 33%
  • Amphibienn: 40%
  • Krustentiere: 28%

Schätzungen zufolge gibt es weltweit etwa 8,7 Millionen verschiedene Arten. Laut Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) sind davon rund 1,74 Millionen wissenschaftlich beschrieben (Stand 2016) und 95.600 davon wurden hinsichtlich des Aussterberisikos untersucht. Nach Angaben der IUCN sind davon konkret etwa 35.500 Arten vom Aussterben bedroht. Dies entspricht mehr als einem Viertel der untersuchten Arten.

Aber Vorsicht: Die tatsächlichen Zahlen könnten weitaus höher liegen, denn es sind nicht alle Arten wissenschaftlich erfasst. Zudem wird einer Art erst offiziell als ausgestorben anerkannt, wenn ausreichend Beweise vorliegen.

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Wie lässt sich Biodiversität schützen?

Um die biologische Vielfalt zu erhalten, ist eine globale Zusammenarbeit nötig. Handlungsbedarf auf internationaler Ebene besteht vor allem in folgenden Bereichen:

  • Massnahmen gegen den Klimawandel
  • nachhaltige Landwirtschaft
  • weniger Monokulturen
  • nachhaltige Ressourcennutzung
  • Umstieg auf erneuerbare Energien
  • Ökotourismus ausbauen
  • Umweltverschmutzung vermeiden
  • Emissionen von Treibhausgasen reduzieren
  • keine neue Flächenversiegelung beziehungsweise nicht mehr genutzte Flächen entsiegeln
  • regionales Saatgut verwenden, um keine fremde Arten einzuführen
  • Aufklärung zum Thema Nachhaltigkeit und Biodiversität an Schulen weltweit
  • mehr Naturschutzgebiete

Was jeder Einzelne tun kann

Zwar sind für den Erhalt der Biodiversität umfassende Veränderungen in Wirtschaft und Politik nötig. Doch auch im Kleinen kann jede:r Einzelne seinen Teil zum Umweltschutz beitragen. Hier einige Tipps, wie du die biologische Vielfalt schützen kannst:

CO₂-Emissionen vermeiden

  • öffentliche Verkehrsmittel nutzen oder Fahrrad fahren
  • nachhaltiger reisen, zum Beispiel auf Flugreisen verzichten
  • regionale Produkte kaufen

Ökologische Produkte kaufen

  • Naturkosmetik und umweltfreundliche Reinigungsmittel
  • auf gespritzte Lebensmittel verzichten

Bewusster Konsum von Tierprodukten

  • weniger Fleisch: Die Fleischproduktion benötigt viele Ressourcen
  • keine gefährdeten Fischarten kaufen

Den ökologischen Fussabdruck klein halten

  • eigenen Energie- und Wasserverbrauch im Blick haben
  • weniger Müll produzieren – Tipps findest du in unserem Artikel über Leben ohne Müll
  • erneuerbare Energien nutzen

Durchgangswege für Tiere schaffen – so kannst du kleinen Tieren wie Igel, Eichhörnchen und Co. helfen, leichter umherwandern. Denn Siedlungen und Strassen zerschneiden ihren natürlichen Lebensraum.

  • kleines Loch im Zaun machen
  • Steine am Mauerboden entfernen
  • Baumketten pflanzen, die Grünflächen miteinander verbinden
  • Aber Achtung: Solche Eingriffe solltest du vorher mit Nachbar:innen oder Behörden absprechen!

Lichtverschmutzung vermeiden

  • Einige Tierarten werden nachts durch künstliches Licht gestört. Sie werden von Licht angezogen und verlieren ihre Orientierung.
  • Dies wirkt sich unter anderem auf die Nahrungssuche und das Fortpflanzungsverhalten aus. Zudem verenden zahlreiche Insekten an Lampen aufgrund der Hitze oder wenn sie den Ausgang nicht mehr finden.

Keine exotischen Tier- und Pflanzenarten aus dem Urlaub mitbringen

  • Insbesondere Pflanzen können sich je nach Art sehr schnell ausbreiten. Deshalb solltest du beim Einführen von Saatgut aus dem Ausland vorsichtig sein.

Biologische Vielfalt im eigenen Garten

Mit diesen einfachen Tipps kannst du in deinem Garten für mehr Artenvielfalt sorgen:

  • Insektenhotel bauen – unsere Bauanleitung für Insektenhotels hilft dir dabei
  • Kräutergarten anlegen – mehr Infos dazu findest du in unserem Artikel Kräutergärten auf dem Balkon anlegen
  • Blumenwiese statt Rasen
  • Vogelhäuschen aufstellen
  • Teich anlegen
  • abgestorbene Baumstümpfe stehen lassen
  • verwilderte Ecke im Garten "anlegen"

Generell gilt: Je weniger du in deinen Garten eingreifst, desto wohler fühlen sich Pflanzen und Tiere. Du kannst also ruhig eine Ecke des Gartens komplett verwildern lassen. Denn so entsteht ein neuer wertvoller Lebensraum für viele kleine Lebewesen.

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