Schneckenschleim in der Gesichtscreme? Das klingt erstmal merkwürdig, ist aber ein wachsender Beautytrend. Hier erfährst du die Hintergründe und Probleme, die der Schneckenschleim mit sich bringt – und welche Alternativen ohne Tierleid es gibt.

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Gesichtspflege mit Schneckenschleim ist ein aktueller Beautytrend in den sozialen Medien. Produkte, die dieses "Wundermittel" enthalten, kommen vor allem von koreanischen Kosmetikmarken. Aber auch französische Züchter:innen von Weinbergschnecken haben mittlerweile die Möglichkeiten in der Kosmetikbranche für sich entdeckt.

Was sich zunächst kurios anhört, hat durchaus einen fundierten Hintergrund. Im Schleim der Schnecken stecken gebündelt Wirkstoffe, wie sie auch vielfach in Gesichtscreme enthalten sind.

Allerdings stellt sich direkt die Frage: Muss es wirklich Schneckenschleim sein? Müssen Schnecken unbedingt für die Schönheitsindustrie leiden? Tierschutzorganisationen wie PETA oder Animals United sagen Nein – und wenden sich gegen die tierische Zutat in Kosmetikprodukten.

Schneckenschleim zur Pflege kann wirken – aber…

Schnecken brauchen ihren Schleim zunächst einmal, um sich fortzubewegen. Die Tiere kriechen auf einer Schleimspur voran. Gleichzeitig hat der Schleim auch eine schützende Funktion. Er verhindert unter anderem, dass die Schnecke austrocknet, hält UV-Strahlen ab und schützt das Tier vor Verletzungen.

Die Deutsche Apotheker-Zeitung erklärt, dass Schnecken unter anderem auch antimikrobielle Wirkstoffe produzieren, mit denen sie den Schleim anreichern. Andere Wirkstoffe im Schleim sind Allantoin, Collagen, Elastin und Glykolsäure sowie Vitamin A und Vitamin E.

All das sind Wirkstoffe, die in Produkten zur Hautpflege üblich sind. Nur stammen sie normalerweise aus anderen Quellen – eben nicht von Schnecken. Das Besondere am Schneckenschleim ist, dass die Tiere eine fertige Wirkstoffkombination produzieren. In dieser geballten Zusammensetzung kann der Schleim gegen drei häufige Hautprobleme zugleich helfen.

  • Unreine Haut – Studien zeigen, dass Schneckenschleim die Wundheilung unterstützt. Im Schleim sind Wirkstoffe enthalten, die gegen Entzündungen und Infektionen wirken. Pickel können dadurch schneller abheilen. Die Schneckencreme pflegt somit unreine Haut.
  • Trockene Haut – Laut einer koreanischen Studie schützt Schneckenschleim vor Feuchtigkeitsverlust an der Hautoberfläche. Die Studie stützt sich auf Untersuchungen von Patient:innen mit Neurodermitis (atopische Dermatitis). Eines der Symptome dieser Hauterkrankung ist extrem trockene Haut. Der Schneckenschleim konnte die Haut wieder mit Feuchtigkeit versorgen.
  • Reife Haut – Die schon genannte koreanische Studie kommt zu dem Schluss, dass Schneckenschleim auch vor der UVB-Stahlung im Sonnenlicht schützt. Die Stahlen wirken auf die Collagenfasern in der Haut ein und sind damit ein Grund für die Entstehung von Falten. Das Collagen ist im Gewebe in Hyaluronsäure eingebettet. Beide wirken als Feuchtigkeitsspeicher und sorgen dafür, dass die Haut elastisch bleibt. Verlieren sie die Fähigkeit, Wasser zu binden, entstehen Falten. Versuche an Mäusehaut zeigten, dass sich die Collagenfasern durch den Schneckenschleim wieder erholten und besser Wasser speichern konnten. Ob sich diese Ergebnisse auch auf den Menschen und die Kosmetikprodukte übertragen lassen, bleibt allerdings offen.

Übrigens: Schneckenschleim erkennst du bei den Inhaltsstoffen unter dem Namen "Snail Secretion Filtrate". Vegane Produkte enthalten keinen Schneckenschleim.

Schneckenschleim zu sammeln geht meist nicht ohne Quälerei

Den Schleim bilden Schnecken in speziellen Drüsen an ihrer Unterseite. Daraus stammt also der Rohstoff für die Schneckencremes.

PETA berichtet, dass dafür die lebenden Tiere in Zentrifugen geschleudert werden, so dass sich der Schneckenschleim an den Wänden der Trommeln sammelt. Schnecken produzieren besonders viel Schleim, wenn sie sich bedroht fühlen. Deshalb ist es durchaus gängige Praxis, die Schnecken unter Stress zu setzen – zum Beispiel durch Stromstösse. PETA berichtet auch noch von einer anderen Methode, dabei soll Salzwasser die Schleimproduktion anregen. Das Salz entzieht den Schnecken ihr Gewebewasser und sie drohen auszutrocknen. Durch die Schleimabsonderung schützen sie sich vor der Gefahr.

Die Tierschutzorganisation erläutert, dass diese Praktiken offiziell nicht als Tierquälerei gelten. Zum einen gilt für die wirbellosen Schnecken das Tierschutzgesetz nicht, zum anderen erleiden die Tiere angeblich keinen Schaden bei der Schleimentnahme.

Schneckenschleim lässt sich auch anders einsammeln – schonender für die Tiere, ohne grossen Stress und ohne Zentrifugen. Nur ist diese Methode aufwendiger und teuerer. Die Deutsche Apotheker-Zeitung nennt eine Bio-Marke, die für sich beansprucht, die Schleimproduktion der Schnecken durch sanftes Kitzeln anzuregen. Der entstandene Schleim werde dann per Hand entnommen.

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Alternativen zu Schneckenschleim

Durch Schneckenschleim zu glatter und schöner Haut? Ja, das könnte funktionieren. Aber es gibt Alternativen. Die Natur bietet eine Vielzahl an pflanzlichen Wirkstoffen, die deine Haut genau so gut pflegen. Für schöne Haut müssen keine Tiere leiden.

Solche pflegenden Inhaltsstoffe aus der Pflanzenwelt finden sich vor allem in Naturkosmetik. Bio-Marken setzen hauptsächlich auf pflanzliche Wirkstoffe. Einige verzichten auch ganz auf Inhaltsstoffe, die von Tieren stammen. Vegane Kosmetik ist zum Beispiel mit der Veganblume oder dem V-Label zertifiziert. Weitere Naturkosmetiksiegel stellen wir dir in unserer Übersicht vor.

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