"Hosch oin'n g'sehn, hosch elle g'sehn", erwidert mein schwäbischer Begleiter trocken, als ich ihm mitteile, dass ich gleich drei hinduistische Tempel auf Bali besuchen möchte. Begeisterung klingt anders, aber wohl wissend um die schwäbische Art, fasse ich das nicht als ernst gemeinten Einwand auf.

Und selbst wenn es einer sein sollte, so einfach lasse ich mich davon nicht abbringen. Schliesslich bin ich nicht 12.000 Kilometer geflogen, um mich nur am Hotelpool zu langweilen. Und so, willens oder nicht, schwingen wir uns auf unseren Roller (der genau wie die Strasse auch schon bessere Zeiten erlebt hat) und machen uns auf den Weg in den Süden.

Unsere erste Station ist einer der wichtigsten Meerestempel auf Bali - Pura Luhur Uluwatu auf der Halbinsel Bukit. Etwa 25 Kilometer südlich von Kuta, ist der Tempel über die Strasse von Nusa Dua in Richtung Jimbaran mit dem Auto oder dem Roller zu erreichen.

Kleine, wendige Kerlchen

Vor dem Tempel findest du einen Parkplatz, wo du einen Schal oder Sarong ausleihen kannst, falls du keinen eigenen mitgebracht hast. Denn, wie in allen Tempeln auf Bali, ist es nicht erlaubt, die Heiligtümer mit nackten Armen und Beinen zu betreten. Der Eintritt kostet 20.000 Rph (ca. 1.30 Euro). Eine Führung ist nicht obligatorisch, auch wenn die dort anwesenden, selbst ernannten Führer, einem dieses Gefühl vermitteln wollen.

Auf einem 70 Meter hohen, steilen Felsen gebaut, bietet Uluwatu einen spektakulären Ausblick über den Indischen Ozean. Die beste Uhrzeit für einen Besuch ist bei Sonnenuntergang. Nicht nur ist der Ausblick dann am schönsten - kurz vor 19:00 Uhr kannst du dort der traditionellen balinesischen Tanzaufführung namens Kecak (gegen eine Gebühr) beiwohnen.

Was deinen Besuch ebenfalls sehr interaktiv gestalten könnte, ist die Begegnung mit den auf dem Tempelgelände lebenden Makaken. Diese sind fast so zahlreich wie die Touristen und haben mittlerweile jegliche Scheu Menschen gegenüber abgelegt. Ob du von einem Äffchen höchstpersönlich gelaust wirst oder "die älteren" in Flagranti erwischst – mit den Affen von Uluwatu bleibt der Ausflug ganz sicher in Erinnerung.

Die wendigen Kerlchen klauen nämlich alles, was nicht niet- und nagelfest ist – Kameras, Sonnenbrillen und Haarschmuck zählen zu den beliebtesten Objekten der Begierde. Manche Affen sind bereit, ihre Beute gegen Obst wieder einzutauschen, andere lassen sich nicht so gern auf Geschäfte ein. Im äussersten Fall kannst du einen der Locals gegen ein Trinkgeld bitten, den geklauten Gegenstand wieder zurückzuholen.

Der Fluch von Tanah Lot

Ein weiterer, sehr berühmter Wassertempel auf Bali ist Tanah Lot im Südwesten der Insel. Auf einem Felsen im Meer gebaut, ist dieser zu Fuss nur bei Ebbe zu erreichen. Am Strand vor dem Tempel kann es insbesondere kurz vor Sonnenuntergang sehr voll werden. Denn Tanah Lot ist am spektakulärsten, wenn die Sonne langsam in den Ozean eintaucht: Die exotische Erscheinung des Tempels am feuerroten Horizont ist ein sehr beliebtes Fotomotiv.

Falls du es etwas ruhiger haben möchtest, suche die Felsen direkt unter dem nahegelegenen Golfplatz auf. Bei gutem Timing wirst du dort mit den schönsten Gegenlichtaufnahmen belohnt und kannst deinen Besuch in der Gesellschaft eines einsamen Fischers ausklingen lassen.

Portugiesische Stadt Sintra begeistert mit zauberhaften Bauwerken.

So schön der Tempel aber auch sein mag, sei an dieser Stelle noch einmal gewarnt: Tanah Lot hat ein "dunkles Geheimnis". Man sagt nämlich, dass ein Paar, das noch kein Paar ist und den Sonnenuntergang dort gemeinsam erlebt, bald ein Paar sein werde. Seien zwei dagegen bereits ein Paar, aber nicht verheiratet, würden sie sich bald trennen. Es sei denn, sie würden sehr bald darauf heiraten.

Solltest du also abergläubisch und noch nicht bereit sein, den Bund fürs Leben zu schliessen, überlegt dir ganz genau, mit wem und ob du den Fluch von Tanah Lot austesten möchtest. Alle unverheirateten Paare, die ich kenne und die dort waren, sind mittlerweile tatsächlich Geschichte.

Pura Besakih

Auch wenn du der schwäbischen Aussage (s. Anfang dieses Artikels) nach Uluwatu und Tanah Lot mittlerweile zustimmen möchtest, lasse es dir zum Schluss dennoch nicht nehmen, Besakih, die Mutter aller Tempel auf Bali, zu besuchen.

Pura Besakih liegt auf ca. 950 Höhenmetern am Hang des noch aktiven Vulkans Gunung Akung, etwa 2 Stunden von Ubud entfernt. Dabei handelt es sich nicht um einen einzelnen Tempel, sondern um eine weitläufige Tempelanlage mit über 200 Gebäuden.

In Südafrika hat unsere Bloggerin Probleme mit der Pünktlichkeit.

Schon am Eingang warten auch hier selbst ernannte Guides, die behaupten, dass du Besakih ohne Führung nicht betreten darfst. Dass das nicht stimmt, ahnst du natürlich schon. Solltest du dennoch darauf eingehen oder dich einem ambitionierten Führer entziehen wollen, ist eine kleine Gebühr oft sehr hilfreich. In den meisten Fällen verabschiedet sich der Guide dann schnell und du kannst deinen Rundgang ungestört beginnen.

Mit etwas Glück landest du vielleicht auch inmitten einer balinesischen Zeremonie. So wurde ich an einer der Treppen von einer feierlichen Prozession mitgerissen. Eine junge Frau steckte mir eine Frangipani-Blüte in die Haare und gemeinsam mit den Gläubigen durfte ich liebevoll gefertigte Opfergaben im Inneren des Tempels niederlegen.

Wie an vielen anderen Orten in Bali, werden auch hier Holzschnitzereien an Touristen verkauft. Möchtest du also ein handgemachtes Souvenir mit nach Hause nehmen, solltest du genug Bargeld und dein Verhandlungsgeschick einpacken.

Ein besonders schöner Abschluss ist am Ende die Fahrt zurück nach Ubud. In den letzten Strahlen des Sonnenuntergangs getaucht, kannst du die einzigartige Symmetrie der Reisterrassen bewundern.

Bildergalerie starten

Traumhafte Tempel auf Bali

Die Insel in Indonesien hat einzigartige Sonnenuntergänge und eine wilde Affenschar zu bieten.

So oft sie kann, entflieht Dana Katz ihrem Büro und erkundet die Welt. Das Motto der smarten Computerexpertin: Es gibt Zeiten für Hiking und es gibt Zeiten für High Heels. Mehr auf ihrem Blog "The Hiking High Heel".