Einst erstreckte sich westlich der Ems das grösste zusammenhängende Moorgebiet Westeuropas. Heute stehen im grenzüberschreitenden Naturpark Bourtanger Moor und Bargerveen alle Zeichen auf eine Wiederbelebung dieses Naturraums. Unsere Bloggerin hat sich im einstigen Niemandsland umgeschaut.

Die Abendsonne spiegelt sich golden in den Wasserflächen, Gänse schnattern, Kraniche kreischen und Frösche stimmen ein in das Abendkonzert. Ein Traum in Lila und Rosa erstreckt sich bis zum Horizont, denn es ist gerade Heideblüte.

"O schaurig ist's übers Moor zu gehn, wenn es wimmelt vom Heiderauche", dichtete einst Annette von Droste-Hülshoff. Heute laufen einem als Moorbesucher eher Schönheitsschauer über den Rücken.

Diese Landschaft ist selten geworden in Deutschland. Vielleicht wirkt sie deshalb so magisch? Vielleicht auch, weil sie ganz zu verschwinden droht.

Im Grenzgebiet haben sich deshalb die niedersächsischen Landkreise Emsland, Grafschaft Bentheim und die Provinz Drenthe auf der niederländischen Seite zusammengetan, um die letzten Moorflächen zu schützen und abgetorfte Flächen wiederzuvernässen.

Ein Moor ohne Grenzen

Gemeinsam mit Erik Bloeming, Ranger im grenzübergreifenden Naturpark, erkunden wir das Naturschutzgebiet von Bargerveen gleich hinter der niederländischen Grenze. Es ist besonders für Vögel zu einem wichtigen Lebensraum und zur Raststätte während des Vogelzugs geworden.

"Wenn hier im November 40.000 bis 50.000 Tundra-Saatgänse rasten und plötzlich im Schwarm auffliegen, wird der Himmel fast schwarz", erzählt Bloeming mit leuchtenden Augen - und einem herrlich niederländischen Akzent.

Für den Familienurlaub hält unsere Bloggerin einige Tipps parat.


Seine Begeisterung steckt an. Vor allem, weil die schnatternden und kreischenden Vögel im Hintergrund seine Ausführungen zu untermalen scheinen. Bloeming greift eine Handvoll Torfmoos aus dem Untergrund.

Es tropft und als er die Hände zusammenpresst, kommt ein dicker Schwall Wasser heraus. Wie ein natürlicher Schwamm dient das Torfmoos als Wasserspeicher.

Ohne Moos nix los

Und wieder kommt Bloemings Begeisterung für den Naturraum durch. Er erzählt, dass hier 15 verschiedene Arten von Torfmoos wachsen und es den langblättrigen Sonnentau in den Niederlanden sonst nirgendwo mehr gibt, nur hier in Bargerveen.

Aber das Torfmoos ist auch ein empfindliches Pflänzchen. "Wir haben auf den wiedervernässten Flächen einen stark schwankenden Wasserstand und der ist für dessen Wachstum äusserst ungünstig", berichtet Eberhard Masch von der Staatlichen Moorverwaltung auf der deutschen Seite des Naturparks.

Die beiden Länder arbeiten nun immer enger zusammen, um die Moorgebiete besser miteinander zu verknüpfen. "Wir sind inzwischen EU-Vogelschutzgebiet", sagt Masch.

Besonders Vögel, die auf offenen Flächen brüten, fühlen sich hier wohl. Ein wichtiger Auftrag auf beiden Seiten der Grenze ist daher, die Flächen freizuhalten.

Schafe als Landschaftspfleger

"Was das Wasser und die Torfmoose nicht schaffen, müssen wir mit anderen Mitteln hinbekommen", erklärt Masch. "Deshalb gibt es hier wie in der Lüneburger Heide Schafbeweidung."

Und so ähnlich sieht es auch gerade aus. Rund um den Aussichtshügel im Dalum-Wietmarscher Moor blüht das Heidekraut. Genauso am Vogelbeobachtungsturm direkt an der Grenze zu den Niederlanden.

In der Steiermark werden Urlauber nicht nur von Thermalwasser verwöhnt.


Auf dem Blütentraum grasen jedoch keine gehörnten Heidschnucken, sondern weisse Schafe mit schwarzen Flecken um die Augen und einem plüschigen Schwanz.

"Langsteert", also Langschwanz, heisst diese Rasse auch im plattdeutschen Volksmund. Ihr offizieller Name ist "Bentheimer Landschaf". Für das Überleben dieser seltenen Haustierrasse setzt sich unter anderem der Verein "Land unter e.V." ein.

Im Uferbereich des Versener Heidesees gibt es dank der Schafe, die die Pflanzendecke kurz halten, inzwischen nicht nur Heidekraut, sondern auch viele geschützte Pflanzen.

"Allein 30 der hiesigen Pflanzenarten stehen auf der Roten Liste", sagt der Vereinsvorsitzende Tobias Böckermann.

Zudem ist das Fleisch der Schafe auch Teil der regionalen Küche. Denn kein Bauer und kein Züchter würde diese Schafrasse halten, wenn es nicht auch Abnehmer gäbe.

Moor bedeutet heute Klimaschutz

Ein anderes Beispiel dafür findet sich im Siedlerhof des Moormuseums. Dort schauen wir dabei zu, wie sich Bunte Bentheimer Schweine genüsslich im Schlamm suhlen.

Die helle Schweinerasse mit den schwarzen Flecken war 2003 vom Aussterben bedroht, nur noch insgesamt 50 Tiere gab es. Heute ist das nicht mehr der Fall, ihr Fleisch ist besonders in den Slow-Food-Restaurants der Region begehrt.

So gibt es etwa im Café gleich gegenüber des Moormuseums die leckeren Würste des Bentheimer Schweins zu kosten und das Feinschmecker-Restaurant Backers in Twist feiert mit den Gerichten vom "Bunten Bentheimer" regelmässig Erfolge.

Das Moormuseum zeigt aber nicht nur vom Aussterben bedrohte Tierrassen der Region, sondern erzählt auch vom harten Leben der ersten Siedler hier im einstigen Niemandsland.

"Des Ersten Tod, des Zweiten Not und des Dritten Brot", war die Devise. Das Moor galt als ein unwirtlicher, menschenfeindlicher Lebensraum. Heute führen Erlebnispfade und Fahrradwege hindurch. Das Moor wurde zu einem Genussziel - und nicht nur das.

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Naturpark Bourtanger Moor: Magische Moorlandschaft

Diese Landschaft ist in Deutschland selten geworden. Das Moor ist nicht nur schön anzusehen, es ist auch der Lebensraum für zahlreiche Tierarten und ein Wasserspeicher der Natur.

Moor, das bedeutet heute Klimaschutz, oder wie Naturpark-Ranger Erik Bloeming es anschaulich ausdrückt: "Alle Moore der Welt speichern doppelt so viel Treibhausgas wie alle Wälder zusammen." Ein Grund mehr, sich gut um die letzten Überreste zu kümmern.

Kulinarische Highlights aus der Region

Weitere Informationen gibt es bei der Verwaltung des grenzübergreifenden Naturparks. Hier lassen sich auch Touren bei einem der Ranger buchen und Informationen über Rad- und Wanderwege, Ausflugsziele sowie regionale Produkte finden: www.naturpark-moor.de.

Am Rande des Bargerveen liegt das idyllische Café "Theetuin d' Aole Pastorie". Dort gibt es hausgemachte Torten und die Spezialität ist "Turfj"” (Torf), eine leckere Schokoladentorte.

Auf halber Strecker zwischen Bargerveen, dem Wesuweer Moor und Versener Heidesee liegt der Gasthof Robben, der viele leckere Spezialitäten in Zusammenarbeit mit heimischen Produzenten anbietet.

In Twist am Rande des Bourtanger Moores befindet sich ein kulinarisches Highlight der Region: der mehrfach ausgezeichnete Landgasthof Backers.

Wer nördlich des Naturparks unterwegs ist und ein Faible für edle Weine oder Cognac hat, für den empfiehlt sich die Einkehr im Restaurant "Zur Ems".

Iris Schaper (Bild) gehört wie Silke Haas, Sandra Malt, Dörte Sasse und Anke Benstem zum Bloggerteam Reisefeder. Die Journalistinnen und Reisebuchautorinnen schreiben über Reisen in alle Welt. Der Schwerpunkt liegt auf der Nachhaltigkeit.