Esel und Schafe streicheln, an Salzwiesen entlang radeln oder vor einer historischen Windmühle Tee trinken. Viel mehr braucht es in Ostfriesland nicht für eine Auszeit vom Alltag.

Bahnhof Norddeich Mole: Ich steige aus dem Zug - und sofort rieche ich sie, die würzige, salzige Nordseeluft. Rechts legen die Fähren nach Norderney und Juist ab, links erstreckt sich Nordens Stadtteil Norddeich.

Ein langes Wochenende liegt vor mir, an dem ich nur entspannende Dinge unternehme, ganz nach dem Motto: Auszeit vom Alltag.

Backtag in der Westgaster Mühle

Donnerstag ist Backtag in der Westgaster Mühle. Der alte Galerie-Holländer ist eine von drei erhaltenen Mühlen in der Stadt Norden.

"1863 erbaut, war sie Ende des letzten Jahrhunderts so stark verfallen, dass Einsturzgefahr bestand", erzählt Gerd Campen, einst Bürgermeister von Norden und Initiator zur Rettung der Mühle.

Ein Traum in Lila und Rosa: Gebiete wie das Bourtanger Moor sind selten.


1991 wurde sie wiederhergestellt und ist seitdem ein Museum. Heute beherbergt ihre angebaute Diele einen Obst- und Gemüseladen und eine Teestube. Die frischen Brote, Brötchen und der Korinthenstuten oder Krintstuut - üppig mit Rosinen gespickt - aus dem Holzbackofen duften noch.

Ich setze mich auf eine Holzbank neben den Bauerngarten, den Campen ebenfalls alleine bewirtschaftet, geniesse die warme Herbstsonne und trinke kräftigen Ostfriesentee. Natürlich mit Kandis und Sahne. Der perfekte Einstieg in die Auszeit.

Tierische Auszeit mit Ella & Co.

Tomtes Hof vor den Toren Nordens arbeitet therapeutisch mit Tieren. Besucher können hier eine "tierische Auszeit" erleben.

Der alte Gulfhof ist nach dem kleinen Hofwichtel Tomte Tummetott von Astrid Lindgren benannt, in der Nacht passt er auf die Tiere auf und nur Kinder können ihn sehen.

Auf dem Hof leben Schafe, Ziegen, Hühner, die alte Eselstute Ella, der Jungesel Keju und weitere drei Langohren. Ausserdem Nelly, das mutige Huhn, Katzen und Gänse.

Allen Tieren auf Tomtes Hof geht es ganz offensichtlich gut. Als ich nach einem Spaziergang um den Hof Esel Keju kraule und er wohlig die Augen schliesst, bin auch ich ganz entspannt.

Natur vor und hinterm Deich

Es ist Frühherbst, bald kommen die Zugvögel zurück an die Nordsee. Sie rasten hier zu Hunderten auf den Polderflächen und Salzwiesen.

Wer Erholung und Entdeckungstouren sucht, ist auf den Åland-Inseln richtig.


Im Nationalpark laufen dann zum inzwischen neunten Mal die Zugvogeltage, erzählt Nationalparkranger Onno K. Gent, den ich am Freitag hinterm Deich treffe.

Ich radele an den Salzwiesen Buscher Heller in der Leybucht entlang. Links halten wollige Schafe mit schwarzem Kopf das Gras des Deichs kurz, schräg vorn weiden Kühe auf den Salzwiesen.

Im Watt färbt sich der Queller herbstlich rot und in der Ferne zeichnet sich die Itzendorf Plate am Horizont ab, der Ort, wo einst das heute versunkene Dorf Itzendorf stand. Eine wunderbar unaufgeregte Landschaft mit Weitblick.

Magisches Licht im Park

Den Abend lasse ich im Englischen Landschaftspark Lütetsburg ausklingen. Gerade findet hier die Illumina statt: Der Park wird für zwölf Tage mit Licht und Klängen inszeniert.

Auf einem mit Kerzen beleuchteten Weg geht es zu rund 20 Spielorten mit vorgelesenen Märchen, sprechenden Bäumen oder einer opulenten Klang-Licht-Show. Der riesige Englische Landschaftspark ist wirklich ein magisches Erlebnis.

Floaten in Ocean Wave

Der Samstag beginnt in Nordseewasser. Aber zum Glück in 34 Grad warmem.

Im Norddeicher Erlebnisbad "Ocean Wave" lasse ich mich von Therapeutin Sandra König sanft im warmen Salzwasser bewegen.

Schwerelos fühlt sich das an, und unglaublich entspannend. Wenn es nach mir ginge, könnte ich ewig so weiterschweben.

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Norden: Eine ostfriesische Stadt mit jeder Menge Gemütlichkeit

Esel und Schafe streicheln, durch die Landschaft radeln oder vor einer historischen Windmühle Tee trinken: Mehr braucht unsere Bloggerin für einen perfekten Urlaub nicht.

Tee trinken in Norden

Inzwischen ist es Samstagmittag geworden. Ich bummele durch Norden. Auf dem Wochenmarkt werden Obst, Gemüse, Fisch, Fleisch, Honig und - die Niederlande liegen schliesslich gleich um die Ecke - holländischer Käse feilgeboten.

Ich bewundere die Dree Süsters, die drei aneinandergeschmiegten Backsteinhäuser und schlendere weiter in Richtung Fussgängerzone.

Am "Café ten Cate" bleibe ich vor dem Schaufenster stehen. Da gibt es sie ja tatsächlich, die Seehunde aus Marzipan, die der Kommissar in den Ostfriesenkrimis von Klaus-Peter Wolf immer isst. Aber ob man die mit ihren dunklen Knopfaugen wirklich aufessen kann?

Für den Nachmittag bin ich im Teemuseum Norden zur Ostfriesischen Teezeremonie angemeldet. Mitarbeiterin Anke Zimmer zeigt im Alten Rathaus aus rotem Backstein, wie die Ostfriesen traditionell Tee zubereiten und trinken.

Ostfriesische Gemütlichkeit hält schliesslich stets ein Tässchen Tee bereit. Ich hoffe sehr, dass ich mir die Ruhe und Gemütlichkeit meiner ostfriesischen Auszeit noch eine Zeitlang im Alltag erhalten kann. Öfter mal eine Pause machen und Tee trinken könnte schonmal ein Anfang sein.

Mehr Informationen zur Region: Tourismusverband Norden Norddeich www.norddeich.de

Anke Benstem (Bild) gehört wie Silke Haas, Sandra Malt, Dörte Sasse und Iris Schaper zum Bloggerteam Reisefeder. Die Journalistinnen und Reisebuchautorinnen schreiben über Reisen in alle Welt. Der Schwerpunkt liegt auf der Nachhaltigkeit.