Die Corona-Pandemie könnte der Schweizer Skisaison einen Strich durch die Rechnung machen. Hotels und Bergbahnen setzen vor allem auf Kulanz und gute Schutzkonzepte, um das Vertrauen ihrer Gäste zu gewinnen.

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Die Nervosität in Schweizer Skiorten steigt. Nicht nur Schnee- und Wetterlage bereiten den Kantonen Sorgen. Auch das Coronavirus sorgt für Unsicherheit in der Planung, die aktuell das "grösste Problem" sei, sagte Vidal Schertenleib, Geschäftsleitungsmitglied der Davos Klosters Bergbahnen, dem Nachrichtenportal "blick.ch". Die Bergbahnen rechnen dieses Jahr mit etwa 20 bis 30 Prozent weniger Fahrgästen.

Auch Jürg Stettler, Tourismus-Professor des Kantons Luzern, sieht die derzeitige Situation "fragil". "Die Wintersportler werden in diesem Jahr sehr kurzfristig buchen. Es wird zwangsläufig zu Stornierungen kommen, denn die Situation ändert sich dauernd", sagt er. Besonders für ausländische Gäste sei die Lage schwierig, da unklar ist, ob die Grenzen offen bleiben und welche Einreisebeschränkungen gelten.

Für zahlreiche Kantone und Hotels ist der Wintersport die wichtigste Einnahmequelle. "Wir erzielten bis anhin 80 Prozent unseres Umsatzes in den Wintermonaten und 20 Prozent im Sommer", erklärt Cyrill Ackermann, Direktor des Hotels Grischa im Kanton Davos, auf "Blick.ch".

Hohe Umsätze kämen jährlich auch durch den Spengler Cup und das World Economic Forum zustande. Dieses Jahr finden beide Veranstaltungen nicht statt. "Unsere Buchungen für die Wintermonate liegen massiv unter Vorjahr. Bereits im Sommer buchten Touristen sehr kurzfristig. Die Lage ist sehr volatil", sagt Ackermann.

Viele Bergbahnen und Hotels haben ihre Schutzkonzepte veröffentlicht, um das Vertrauen ihrer Gäste zurückzugewinnen. Für den Davoser Tourismusdirektor Reto Branschi steht fest: "Die Skisaison wird unter Einhaltung der Sicherheitsvorschriften stattfinden können." Mit ausgelassenen Aprés-Ski-Festen ohne Mindestabstand sollten Wintersportler dieses Jahr allerdings nicht rechnen.

Hotels müssen sich "kulant zeigen"

Davos ist ein beliebtes Reiseziel für viele Schweizer, aber auch für Touristen aus der süddeutschen Region. Branschi hofft deshalb vor allem auf zusätzliche Ferien- und Wochenendgäste. Philip Hauser, Direktor des Hotels Belvedere in der Gemeinde Grindelwald, rechnet hingegen kaum mit Gästen aus dem Ausland. "Den Anteil an ausländischen Gästen werden wir in der Wintersaison kaum kompensieren können." Hauser hofft deshalb auf kurzfristige Buchungen. "Wir schauen von Woche zu Woche."

Tourismus-Professor Stettler empfiehlt Hotels und Bergbahnen, "sich zugunsten der Kunden kulant" zu zeigen. "Es ist jederzeit möglich, dass ein Wintersportler die Reise aufgrund von Einreisebeschränkungen oder einer Erkrankung nicht antreten kann." Matthias Supersaxo, Tourismusdirektor der Region Saas-Fee/Saastal, sieht das genauso. "Fast alle Hotels und Bergbahnen waren sich schnell einig, dass wir unsere Buchungsbedingungen flexibler gestalten müssen. Nur so haben wir Chancen auf einen guten Winter."  © 1&1 Mail & Media/spot on news