DJ Bobo ist Teil einer umstrittenen Gesundheitskampagne des Kantons Luzern. Mit einem Plakat, auf dem der Sänger zu sehen ist, will Luzern Kosten im Gesundheitswesen senken – und erntet damit jetzt Kritik.

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Ab heute lächelt den Luzernern der Musiker DJ Bobo von den Plakatwänden ihrer Stadt entgegen. Der gebürtige Aargauer ist das Gesicht einer neuen Gesundheitskampagne, die auf die Kostenexplosion im Gesundheitswesen aufmerksam machen soll. "Gehen Sie nicht wegen jedem Bobo zum Arzt!", steht neben dem Sänger auf dem Plakat.

Kampagne um kleinere Wehwehchen

Besonders Bagatellfälle sind dem Luzerner Gesundheitsdirektor Guido Graf ein Dorn im Auge, wie er gegenüber "Blick.ch" erklärt. Sie verursachten unnötige Kosten und die Notfallpraxen seien deswegen überlastet.

Die Kampagne, die sich der Kanton Luzern 100.000 Franken kosten lässt, stösst nicht nur auf Wohlwollen. Gesundheitsökonom Heinz Locher sieht nicht die Patienten in der Pflicht: "Man sollte den überforderten Menschen besser Hilfe anbieten, statt den Moralapostel zu spielen."

Wer hat Schuld an den steigenden Kosten?

Die Krankenkassen haben ebenfalls Zweifel, ob die Kampagne die Richtigen anspricht. "Es ist gut und recht, wenn man dazu aufruft, nicht wegen jeder Kleinigkeit zum Arzt zu gehen. Fakt ist aber: Oft sind es die Ärzte, die die Patienten zu häufig aufbieten", sagt Matthias Müller vom Branchenverband Santésuisse.

Guido Graf ist von der Kampagne überzeugt. Dass es im Gesundheitssystem Fehlanreize gebe, sei eine Tatsache, so Graf gegenüber "Blick.ch". Auf Seiten der Leistungserbringer wie Krankenkassen oder Spitäler habe man deshalb auch schon Massnahmen zur Kostendämmung eingeführt. Nun seien die Patienten dran. DJ Bobo hat sich selbst noch nicht zu der PR-Kampagne geäussert. (jom)  © 1&1 Mail & Media / SN