• Seit Jahresbeginn ist es in der Schweiz deutlich einfacher, das bei den Behörden hinterlegte Geschlecht zu ändern.
  • Hunderte Menschen haben bereits von der neuen Regelung Gebrauch gemacht.
  • Für die Betroffenen sei es ein "wahnsinniger Fortschritt", nicht mehr vor Gericht gehen zu müssen, sagt der oberste Zivilstandsbeamte.

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In der Schweiz haben seit Einführung des vereinfachten Geschlechtseintrags zum Jahresanfang hunderte Menschen ihr Geschlecht geändert. Allein in den grossen Städten wechselten im ersten Halbjahr laut Umfrage der "NZZ am Sonntag" 350 Personen beim Zivilstandsamt ihr Genus.

In Zürich haben demnach 80 Personen ihr Geschlecht geändert, in Basel 47, in Bern 46, in Genf 36 und in Luzern 19. Die Betroffenen seien zwischen 12 und 75 Jahre alt gewesen, neun jünger als 16 Jahre. Der Anteil derjenigen, die vom weiblichen zum männlichen Geschlecht wechselten, sei leicht höher als der gegenteilige Fall.

Oberster Zivilstandsbeamte zieht positive Bilanz

Wer sein amtliches Geschlecht ändern will, muss seit Anfang des Jahres in der Schweiz nicht mehr ans Gericht gelangen. Es genügt eine einfache Erklärung auf dem Zivilstandsamt. Ändern lassen kann man den Vornamen und das im Personenstandsregister eingetragene Geschlecht. Die Eidgenössischen Räte hatten die Gesetzesänderung in der Wintersession 2020 beschlossen.

Die Zivilstandsämter zogen eine positive vorläufige Bilanz der neuen Regelung. Das Ziel sei es, die Hürden so tief wie möglich zu halten, und das seien sie heute, sagte der oberste Zivilstandsbeamte der Schweiz, Roland Peterhans, in einem Interview mit der Zeitung. "Wenn es Menschen gäbe, die ihr Geschlecht ändern und nach drei Wochen wieder wechseln wollten, müssten wir über die Bücher. Aber diesen Fall hatten wir nicht."

"Wahnsinniger Fortschritt" für die Betroffenen

Auch von systematischen Missbräuchen war dem Präsidenten des Schweizerischen Verbands für Zivilstandswesen nichts bekannt. "Dass etwa Männer ihr Geschlecht ändern, um früher pensioniert zu werden oder nicht ins Militär zu müssen, ist bei uns bis jetzt nicht eingetroffen."

Er selber habe rund dreissig solche Gespräche geführt und habe Menschen getroffen, die seit vielen Jahren mit dem falschen Geschlecht eingetragen und nun froh seien, diesen Schritt machen zu können, sagte der Zivilstandsbeamte der Stadt Zürich. "Es ist für sie ein wahnsinniger Fortschritt, dass sie sich nicht mehr vor einem Gericht entblössen müssen."  © Keystone-SDA